Zang Wie aus Hundehaaren erst Wolle und dann ein Pulli wird

Zang / Christine Weinschenk 20.08.2018
Die Zangerin Else Michalski-Stumpf stellt mit dem Spinnrad Wolle selbst her – auch aus Hundehaaren. Daraus strickt sie Socken, Schals und Sofakissenbezüge.

Wolle aus Hundehaar spinnen und daraus Socken stricken? Ein ungewöhnliches Hobby. „Das Spinnen ist vielleicht ungewöhnlich“, sagt Else Michalski-Stumpf. „Aber wer sowohl ein Spinnrad als auch einen Hund hat, der kommt früher oder später automatisch auf die Idee, aus dem Fell Wolle herzustellen.“

Die Reihenfolge war bei der 64-Jährigen allerdings umgekehrt. Vor dem Spinnrad kamen die Hunde ins Haus. Seit mehr als zehn Jahren hält sie tibetanische Hütehunde, die Rasse nennt sich Do Khyi. „Beim Bürsten dachte ich mir immer: Das fühlt sich so toll an und ist so weich, da muss man was draus machen können. Es ist einfach zu schade zum Wegwerfen.“ Sie recherchierte im Internet, las, dass sich das Fell zu Wolle verarbeiten lässt, ließ sich zeigen, wie man spinnt und schaffte sich schließlich ein Spinnrad an.

Wenn man sich ihre Hündin Buthi mit ihrem dichten Fell so betrachtet, scheint die Rasse geradezu prädestiniert für Frauchens Hobby zu sein. Zum Spinnen und Stricken eignet sich allerdings nur das ausgekämmte Unterfell eines Hundes. Das Deckhaar ist zu hart und die Wolle wird weniger weich. „Wenn man Buthi regelmäßig kämmt und bürstet, kommen etwa 800 Gramm an Winterfell zusammen“, sagt Michalski-Stumpf. Das würde fast für einen Pullover reichen. Einen solchen hat sie allerdings noch nicht gestrickt. Dafür aber Socken, Schals, Stulpen für die Arme oder Kissenbezüge fürs Sofa. „Die Socken sind viel wärmer als die aus Schafswolle und sie kratzen auch nicht.“ Sie nennt die Hundewolle daher auch Chiengora, also Hundeangora.

Else Michalski-Stumpf verarbeitet nicht nur das Fell ihrer Hündin Buthi, ihr Hobby hat sich herumgesprochen und sie bekommt auch von anderen Hundefreunden Anfragen. Doch nicht alle Hundehaare eignen sich gleich gut. Gesponnen hat sich schon Wolle aus dem Fell von Huskys, Neufundländern und Bernhardinern. Schäferhund sei schwierig zu verarbeiten. „Das fusselt sehr und dauert daher länger.“

Wolle aus Katzenhaar?

Manchen Katzenfreund wird interessieren, dass das Fell der Stubentiger ebenfalls spinnbar ist. Ebenso wie das von Angorakaninchen oder etwa Schwarzhals-Ziegen. „Man kann alles spinnen, was ausgekämmt ist. Nur zu kurz sollten die Haare nicht sein“, sagt die gelernte Arzthelferin. Und nicht nur tierisches Fell, auch Kokos-, Soja-, Bananen- oder Rosenfasern können gesponnen werden.

Aber warum will man eigentlich einen Schal aus dem Fell seines Hundes? „Die meisten möchten einfach ein Erinnerungsstück an ihr Haustier“, sagt Michalski-Stumpf. Und offenbar ist dieser Wunsch gar nicht so selten. „Es gibt Spinnerinnen, die damit Geld verdienen. Aber um das profitabel zu machen, braucht man ein elektrisches Spinnrad und ich möchte mein traditionelles Hobby lieber ursprünglich betreiben.“ Also geht alles von Hand – und die Herstellung der Wolle ist dementsprechend zeitaufwendig. An 100 Gramm Wolle, genug für ein Paar Socken, arbeitet die 64-Jährige etwa 40 Stunden. „Da steckt wirklich viel Arbeit drin, das erkennt leider nicht jeder. Und so einen Stundenlohn will auch kaum jemand bezahlen.“

Nach Hund riecht die fertige Wolle übrigens nicht. „Es gibt Menschen, die Hundewolle eklig finden, aber am Geruch kann es nicht liegen. Ich habe noch nie stinkende Wolle gesponnen“, sagt Michalski-Stumpf. Außerdem werde das Garn gewaschen, bevor es weiterverarbeitet wird. „Menschen mit einer Tierhaar-Allergie würde ich allerdings davon abraten.“

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