Herbrechtingen Draufgeblickt (22): Millionen flossen die Brenz hinunter

Herbrechtingen / Elena Kretschmer 23.08.2018
Nachdem der Fluss in den 1960er Jahren begradigt worden war, bekam er 2014 wieder ein Stück Natürlichkeit zurück.

Damit das Wasser schneller fließt und Turbinen Strom erzeugen können, wurden Flüsse früher begradigt. Außerdem waren die ans Wasser grenzenden Wiesen hinterher nicht mehr so feucht – optimal für die Bauern, die dort nun besser Getreide anbauen konnten. Auch im Eselsburger Tal ging man in den 1960er Jahren diesen Weg und begradigte für viel Geld die Brenz – wohl ohne zu bedenken, dass dadurch auch der Lebensraum für viele Pflanzen und Tiere zerstört wird.

Erst mit den seit dem Jahr 2000 gültigen Wasserrahmenrichtlinien der Europäischen Union begann das Umdenken und man wollte mit der Renaturierung die Fehler korrigieren, die man vor über einem halben Jahrhundert gemacht hatte. Ganze neun Millionen Euro nahm das Regierungspräsidium schließlich in die Hand, um der Brenz auf sieben Abschnitten wieder einen natürlicheren Verlauf zurückzugeben. Davon flossen 1,4 Millionen Euro in die Befreiung der Brenz aus dem gradlinigen Flussbett, das ihm damals bei den Krautgärten aufgezwungen worden war. Sie bekam wieder mehr Kurven, Inseln, Seitenarme, flache Uferzonen und Kiesbereiche wurden geschaffen.

In diesen Umbau zurück zur Natur wurde auch der ehemalige Eisweiher der Brauerei Föll einbezogen. Die Umgestaltung des rechtwinkligen Weihers überließ man größtenteils der Natur selbst: Den Uferbereich begrünten schlichtweg die dort vorkommenden Pflanzen, weitere standortgerechte Gräser und Stauden siedelten sich dort an. Zudem konnte man die im Eisweiher nicht heimischen Seerosen ausrotten.

Auch für die Tiere wurde bei der Renaturierung wieder wertvoller Lebensraum geschaffen. So steckte man beispielsweise für den Biber am Brenzufer Weiden und durch den neuen, 500 Meter langen Seitenarms lag die Biberburg der dort ansässigen Biberfamilie auf einer Insel. Zudem setzte der Fischereiverein Herbrechtingen zum Abschluss der Renaturierungsarbeiten 120 Äschen und 100 Saiblinge in das Gewässer ein. Mit den Tothölzern und größeren Ästen, die am Ufer so verbaut wurden, dass sie etwas ins Wasser ragen, hoffte man, den Eisvogel anzulocken.

Die Gesamtkosten für die Renaturierung aller sieben Abschnitte betrugen am Ende rund 8,5 Millionen Euro. Davon stammten 5 Millionen Euro aus Landesmitteln, der Europäische Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des Ländlichen Raums (ELER) förderte die Maßnahmen mit 3,5 Millionen Euro.

Lernorte entlang der Brenz

Im Zuge der Renaturierung wurden insgesamt elf sogenannte Brenz-Erlebnis- und Lernorte eingerichtet. Acht davon sind mit Brenz-Stelen gekennzeichnet, die die Form einer Welle haben und das Wahrzeichen der Erlebnis- und Lernorte sind. Erzählt werden darauf kleine Geschichten, an manchen Orten kann man auch durch Anfassen lernen oder wird ins Internet zu weiteren Infos geführt.

Im Eselsburger Tal, wo sich einst die Kläranlage befand, gibt es so einen Lernort rund um den Biber: Brunnen, Flachwasserzone, ausgestopfte Biber in einer nachgebauten Burg, Schautafeln, Sitzgelegenheiten am Ufer - viele Details sollen helfen, Interessierten die Bedeutung des Flusses als Lebensraum und Ökosystem nahezubringen.

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