Molkerei Milchpreis: Ende der Berg- und Talfahrt?

Bewegtes Milchjahr: Im November 2012 demonstrierten auch Milchbauern aus dem Kreis Heidenheim bei der EU in Brüssel (Bild oben). Die desaströsen Preise erholten sich zum Jahresende, dennoch hat die Hohenloher Molkerei für 2012 einen massiven Gewinneinbruch zu verzeichnen.
Bewegtes Milchjahr: Im November 2012 demonstrierten auch Milchbauern aus dem Kreis Heidenheim bei der EU in Brüssel (Bild oben). Die desaströsen Preise erholten sich zum Jahresende, dennoch hat die Hohenloher Molkerei für 2012 einen massiven Gewinneinbruch zu verzeichnen. © Foto: Foto: Archiv
Kreis Heidenheim / Hendrik Rupp 27.05.2013
Es ist ruhiger geworden um den Milchpreis – doch die katastrophalen Billigpreise des Vorjahres zeigen ihre Spuren. Bei der Hohenloher Molkerei, die auch Milch aus dem Landkreis Heidenheim erfasst, brach der Gewinn 2012 um über 78 Prozent ein. Doch seit Ende des Vorjahres geht es wieder aufwärts.

Über 1450 Milcherzeuger haben im Jahr 2012 ihre Milch an die Hohenloher Molkerei geliefert. darunter auch ein Gutteil der Milchbauern aus dem Landkreis Heidenheim, denn die Hohenloher traten 2001 die Nachfolge des Milchwerks Heidenheim an und erfassen seither auch Milch aus dem Kreis Heidenheim.

Was Milchbauern im Vorjahr beklagten (und wogegen man auch bei einer spektakulären Aktion im November bei der EU in Brüssel demonstrierte), zeigt sich in der Bilanz der Molkerei in klaren Zahlen. Bei der Generalversammlung, zu der jetzt in Schwäbisch Hall über 300 Mitglieder der Genossenschaft zusammenkamen, wurde die Schere deutlich: Zwar hat die Molkerei 2012 rund 6,5 Prozent mehr Milch verarbeitet, doch der Umsatz sank um ebenfalls 6,5 Prozent. Und während der Jahresüberschuss um fast 60 Prozent einbrach, ging der Bilanzgewinn um gewaltige 78,5 Prozent in den Keller.

Miserable Gewinnspanne erlaubt keine hohen Preise

Keine guten Nachrichten, die Martin Boschet, geschäftsführender Vorstand der Molkerei, verkünden konnte. Zwar habe die Genossenschaft keine Bankverbindlichkeiten und könne sich auf eine Eigenkapitalquote von inzwischen gut 60 Prozent verlassen – doch angesichts der miserablen Gewinnspanne seien keine hohen Preise für die Erzeuger drin. Was das für die Höfe bedeutet, ist Boschet klar: „Vom Milchpreis leben ganze Familien“.

Von einer „desaströsen Entwicklung“ sprach Boschet im Rückblick auf die Talfahrt des Milchpreises Anfang 2012. Teilweise wurden nur noch 20 Cent pro Kilogramm gezahlt – der Markt zog die Erzeuger schlicht über den Tisch.

Erst im zweiten Halbjahr zogen die Preise wieder an. Boschet erläuterte den „unerwartet starken Rückgang des Milchaufkommens in ganz Europa“ sowie eine anhaltend hohe Nachfrage, auch im Export. Für die Molkerei der dringend nötige Luftröhrenschnitt: Von August bis November wurden die Preis nicht weniger als viermal erhöht, am Ende lag er bei 34,5 Cent pro Kilo.

80.000 Liter Milch pro Stunde verarbeiten

Das Jahr 2013 setze den Trend fort, die Molkerei wachse deutlich und habe in den ersten vier Monaten ein Umsatzplus von 11,6 Prozent hingelegt. Gleichzeitig konnten die Kosten des Betriebs mit seinen rund 120 Mitarbeitern um rund vier Prozent gesenkt werden. Rund 80.000 Liter Milch kann die Molkerei heute pro Stunde verarbeiten, viermal so viel wie vor 40 Jahren.

Verabschiedet wurde auf der Generalversammlung der langjährige Vorstandsvorsitzende Reinhold Höfle. Seit 1994 war der Milchbauer aus Arnsdorf an der Spitze der Genossenschaft gestanden. Zu seinem Nachfolger wurde Manfred Olbrich aus Sindringen gewählt. Auch Höfle blickte auf die extreme Berg- und Talfahrt des Milchpreises im Vorjahr zurück: Niemand hätte Anfang 2012 geglaubt, dass der Preis für Milch und Molkereiprodukte zum Jahresende noch einmal derart steigen würde. Höfle lobte die Genossenschaft. In seinen 19 Jahren als Vorstandsvorsitzender sei es nur in zwei Jahren nicht gelungen, den baden-württembergischen Durchschnittspreis für Milch nicht zu überbieten.

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