Gerstetten Carsharing: Wie läuft es in Gerstetten mit dem Dorfauto?

Seit November bietet Gerstetten als erste Gemeinde im Landkreis seinen Bürgern ein elektrisch betriebenes Dorfauto. Der fünftürige Nissan hat seinen Stammplatz an der Elektro-Zapfsäule vor dem Rathaus.
Seit November bietet Gerstetten als erste Gemeinde im Landkreis seinen Bürgern ein elektrisch betriebenes Dorfauto. Der fünftürige Nissan hat seinen Stammplatz an der Elektro-Zapfsäule vor dem Rathaus. © Foto: Sabrina Balzer
Gerstetten / Christine Weinschenk 17.07.2018
In Großstädten wächst die Nachfrage nach gemeinsam genutzten Fahrzeugen. Und auf dem Land? Wie läuft es in Gerstetten mit dem Dorfauto?

Ausbaufähig. So kann man die Nachfrage nach dem Dorfauto in einem Wort beschreiben. Seit November können die Gerstetter den Elektro-Nissan nutzen. Oder besser: sie könnten. Zwischen November und Juni lag die durchschnittliche Auslastung bei etwa 7,4 Prozent. Das heißt, dass der Wagen im Schnitt täglich rund 106 Minuten im Einsatz war.

Natürlich schwankt die Auslastung – so wurde das Auto im Februar durchschnittlich nur eine halbe Stunde pro Tag genutzt, im Dezember dafür aber über fünf Stunden täglich. „Wir sind mit der Entwicklung zufrieden und liegen auf Ziel“, sagt Reimund Baur, Geschäftsführer des Mutlanger Autohauses Baur, das sich auf Carsharing und Elektroautos spezialisiert hat und gemeinsam mit der ENBW ODR Partner des Gerstetter Elektro-Carsharing-Angebots ist. „Mit dem Dorfauto haben wir eine Mobilitätsmöglichkeit geschaffen, die bisher nicht da war. Natürlich hat nicht jeder Gerstetter darauf gewartet. Der Bedarf baut sich langsam auf. Aber wir bringen genügend Atem mit.“ Zwei Jahre habe man als Testphase eingeplant.

Von Mitarbeitern genutzt

Zum Thema Auslastung muss man allerdings auch wissen, dass das Dorfauto von Gemeindemitarbeitern für geschäftliche Fahrten genutzt werden kann – und soll. Fällt etwa, wie jüngst geschehen, das Fahrzeug für den Amtsboten aus, wird auf das Dorfauto zurückgegriffen. „Das wirkt sich natürlich auf die Auslastung aus“, sagt Markus Röhrer vom Gerstetter Hauptamt. „Mein Eindruck ist, dass das Dorfauto von der Bevölkerung noch sehr wenig genutzt und kaum angenommen wird.“ Um das Elektroauto fahren zu können, muss man sich registrieren lassen. 18 Personen haben im Rathaus von dieser Möglichkeit bisher Gebrauch gemacht – sowohl aus der Hauptgemeinde als auch aus den Teilorten.

Dennoch sieht man auch auf der Gemeinde, die als erste im Landkreis E-Carsharing anbietet, alles andere als schwarz. „Das ist ein zukunftsfähiges Projekt und wir stehen voll und ganz dahinter“, sagt Röhrer. „Im Gemeinderat wird immer wieder über Stellplätze in neuen Baugebieten diskutiert. Der hohe Bedarf an Parkplätzen würde sich erübrigen, wenn ein Carsharing-Angebot als Alternative zum zweiten Auto genutzt wird.“

Eine möglich Hürde für Nutzer sieht Röhrer in der Stationsgebundenheit des Nissan. „Man kann nicht nach Heidenheim oder Gussenstadt fahren und das Auto dort stehenlassen. Es muss auf den Parkplatz am Rathaus zurückgebracht werden.“ Aber mit weiteren Dorfautos an anderen Standorten steige die Flexibilität. Und es gibt auch bereits eine Abmachung zwischen Rat- und Autohaus: Bringt es das Dorfauto auf eine Auslastung von mindestens 25 Prozent, kommt ein zweites hinzu.

Alternative zum Zweitwagen

Carsharing-Anbieter Reimund Baur sieht im Modell des gemeinschaftlich genutzten Autos keine Alternative fürs Erstfahrzeug – zumindest noch nicht auf dem Land. Es gehe vielmehr um den Zweit- oder auch Drittwagen einer Familie, der durch das Angebot eingespart werden könnte. Und es geht tatsächlich ums Sparen. Baur rechnet vor: „Mit Unterhalt, Kraftstoff, Steuer und Wertverlust ist man bei einem Kleinwagen mit Vollkosten in Höhe von 480 Euro pro Monat dabei. Das belegen Statistiken des ADAC. Und dabei stehen diese Autos die meiste Zeit und werden in vielen Familien effektiv eine halbe Stunde pro Woche gefahren.“

Da sei das Gerstetter Carsharing-Angebot ein günstiges, so Baur. Zwischen 8 und 20 Uhr gilt ein Stundenpreis in Höhe von 3,25 Euro; nachts beträgt er 2,50 Euro. Darin sind die ersten 30 Kilometer bereits enthalten, jeder weitere kostet zehn Cent. Der Tageshöchsttarif liegt bei 39 Euro. „Man kann mit dem Dorfauto 15000 Kilometer pro Jahr fahren und bleibt unter den Kosten für einen eigenen Kleinwagen“, so Baur. „Aber es braucht einfach eine gewisse Zeit bis diese Einsicht ankommt.“

Das Autohaus Baur bietet Carsharing-Lösungen im gesamten süddeutschen Raum an. 70 Fahrzeuge werden insgesamt betreut – 40 davon in ländlichen Regionen. Vom Autohaus übernommen wird die Verwaltung, Pflege und Wartung der Fahrzeuge. „In Städten haben wir Auslastungen von bis zu 35 Prozent. Im ländlichen Raum sind es derzeit bis zu 18 Prozent.“ Recht stark sei man etwa im Ostalbkreis in Schechingen (rund 2400 Einwohner) und Iggingen (etwa 2600 Einwohner). Die Gewinnschwelle für den Carsharing-Anbieter liege bei einer Auslastung zwischen 10 und 15 Prozent. „Bei 20 Prozent wird es wirtschaftlich sinnvoll für uns.“

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