Mehrzweckhalle in Bissingen wegen Legionellengefahr gesperrt

Die Mehrzweckhalle in Bissingen hat ein Problem mit Legionellen.
Die Mehrzweckhalle in Bissingen hat ein Problem mit Legionellen. © Foto: Foto: olv
MICHAEL BRENDEL 22.03.2012
Die Mehrzweckhalle in Bissingen bleibt zumindest bis zum 15. April komplett gesperrt. Grund: Laboruntersuchungen haben ergeben, dass die Zahl der im Trinkwasser enthaltenen Legionellen sofortiges Handeln erfordert, um Gesundheitsgefahren zu begegnen.

Dass die Bestimmungen der seit November geltenden Trinkwasserverordnung für einige der gut 70 städtischen Gebäude teils erheblichen Sanierungsbedarf bedeuten, führte die Verwaltung den Mitgliedern des Ausschusses für Umwelt, Bauwesen und Verkehrsangelegenheiten erst kürzlich vor Augen.

Jetzt hat das Thema eine neue Dringlichkeit erhalten. Eine Untersuchung des Warmwasserbereichs in der Bissinger Mehrzweckhalle hat nämlich eine starke Kontamination mit Legionellen zutage gebracht. Konkret: Ein Wert von mehr als 10 000 koloniebildenden Einheiten pro 100 Milliliter – ausgedrückt wird damit die Gesamtzahl der im Trinkwasser enthaltenen Keime – ist gleichbedeutend mit einer extrem hohen Kontamination, die unverzügliches Handeln erfordert.

Nachdem das mit der gesetzlich vorgeschriebenen Untersuchung der Wasserproben beauftragte Fachbüro der Stadtverwaltung am Mittwoch die alarmierenden Werte mitgeteilt hatte, wurde als Sofortmaßnahme verfügt, die Bissinger Halle unverzüglich für Schul- und Vereinssport sowie für Festlichkeiten aller Art zu sperren.

„Es ist zum Glück bislang niemand zu Schaden gekommen, und wir müssen jetzt unter allen Umständen jegliches Gesundheitsrisiko für unsere Bürger ausschließen“, begründet Willi Pfalz als Vertreter der Ortspolizeibehörde die Entscheidung, die Mehrzweckhalle bis zum Sonntag, 15. April, dicht zu machen.

Bis dahin soll Jakob Welches vom Fachbereich Bau zufolge das Leitungsnetz durch den Einsatz von Chemikalien desinfiziert und anschließend gründlich gespült haben. Als zuständige Gesundheitsbehörde entscheidet die Landkreisverwaltung anschließend nach einer eigenen Probenuntersuchung, ob die Halle ab dem 16. April wieder freigegeben werden kann.

Als Konsequenz aus der angeordneten Sperrung können also zumindest bis zum 15. April weder Vereine noch die Schule ihre Übungsstunden in der Halle abhalten. Glück im Unglück: In diesen Zeitraum fallen zwei Wochen Osterferien. Laut Bürgermeister Dr. Bernd Sipple haben alle Betroffenen spontan Verständnis für das Vorgehen der Verwaltung gezeigt.

Das gilt auch für den Sängerbund Bissingen, der am kommenden Samstag ab 20 Uhr in der Mehrzweckhalle sein Frühjahrskonzert veranstalten wollte.

Sängerbund: Konzert fällt aus

In diesem Rahmen sollte auch der Bezirksmännerchor vertreten sein und seinen musikalischen Leiter Hans Ambrosi für 15-jährige ehrenamtliche Tätigkeit ehren.

Kurt Seeßle, der mit der Organisation des Konzerts betraut ist, wurde von der jüngsten Entwicklung kalt erwischt und musste gestern bei der Frage nach einem Ersatztermin zunächst einmal passen. Denkbar sei aus heutiger Sicht ein Herbstkonzert im Oktober.

Abhängig sind alle weiteren Planungen davon, wie die Installation in der Mehrzweckhalle auf den Stand der heutigen Technik gebracht werden kann. „Experten sagen uns, dass wir mit der chemischen Keule allein das Problem auf Dauer nicht lösen können“, deutet Sipple die Notwendigkeit weitergehender Maßnahmen technischer und baulicher Art an.

So scheint unumgänglich, das in dem Gebäude aus dem Jahr 1980 vorhandene Einrohrsystem durch ein zeitgemäßes zu ersetzen, bei dem warmes und kaltes Wasser erst am Wasserhahn oder am Duschkopf aus zwei Zuleitungen gemischt werden. Aufgrund der höheren Vorlauftemperatur könnte somit das Risiko einer Legionellenkontamination deutlich verringert werden, weil die Bakterien ab einer Temperatur von mehr als 60 Grad abgetötet werden.

Um das Unausweichliche umsetzen zu können, bedarf es eines nicht unerheblichen Batzens Geld. Bezogen auf die Mehrzweckhalle in Bissingen und die Bibrishalle in Herbrechtingen, mit denen sich der UBV-Ausschuss unlängst bereits kurz befasst hat, nennt Sipple aufgrund des derzeitigen Planungsstandes eine Summe von mindestens einer halben Million Euro.

Der Gemeinderat soll die konkreten Zahlen in seiner Aprilsitzung vorgelegt bekommen, verbunden mit der Bitte, die benötigten Mittel außerplanmäßig bereitzustellen, „denn wir kommen nicht drum herum, so schnell als möglich etwas zu tun“, sagt Sipple. Ziel sei es, die Arbeiten in den Sommerferien vorzunehmen.

Oskar-Mozer-Halle: geringere Belastung

Ein deutlich geringeres Legionellenaufkommen als in Bissingen wurde derweil in der 1957 erbauten Oskar-Mozer-Halle in Herbrechtingen ermittelt. Dort wird laut Welches voraussichtlich ein „thermisches Spülen“ ausreichen, also ein Erhitzen der Leitungen.

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