Sontheim/Brenz Mehr Pflanzenvielfalt durch Ziegen und Rinder?

Bei der Ankunft im Juni 2016: Die Ziegen bahnen sich ihren Weg in Richtung Wald. Inzwischen haben sie sich das viereinhalb Hektar große Areal zu Eigen gemacht.
Bei der Ankunft im Juni 2016: Die Ziegen bahnen sich ihren Weg in Richtung Wald. Inzwischen haben sie sich das viereinhalb Hektar große Areal zu Eigen gemacht. © Foto: Sabrina Balzer/Archiv
Sontheim/Brenz / Laura Strahl 05.07.2018
Seit zwei Jahren sind im Sontheimer Walddistrikt Stockert Ziegen und Rinder untergebracht. Wie hat sich der Wald seither verändert?

Es funktioniert: Die Ziegen und Rinder, die seit zwei Jahren während der Sommermonate im Walddistrikt Stockert untergebracht sind, haben viel Zerstörung angerichtet. Zerstörung, die funktioniert? Wie das zusammenpasst, erklärt Rahel Lude vom Fachbereich Wald und Naturschutz am Heidenheimer Landratsamt: „Wo Veränderung stattfinden soll, muss erst einmal Zerstörung stattfinden.“ Denn nur so, sagt Lude, könnten sich in dem viereinhalb Hektar messenden Hutewald am Nordhang des Lonetals gegenüber des Hohlensteins neue Pflanzenarten ansiedeln.

Das Lichtpotenzial nutzen

Und genau das ist das Ziel: Die Ziegen sorgen durch Verbiss dafür, dass ein Teil der einst dicht an dicht stehenden Bäume und Sträucher abstirbt. Die Rinder fressen Gras und Blätter, leisten also ebenfalls ihren Beitrag zur Veränderung. Der Wald wird durch die Beweidung also lichter – „und genau das wollen wir“, sagt Lude. Aber natürlich nur bis zu einem gewissen Grad: So soll das während der vergangenen beiden Jahre geschaffene „Lichtpotenzial“ erhalten, jedoch nicht bis ins Unendliche erweitert werden. „Es soll schon ein Wald bleiben“, sagt Lude.

Die Zahl der Ziegen haben die Projektverantwortlichen daher reduziert. Von einst 14 sind noch sechs geblieben. Rinder weiden im Hutewald aktuell vier Stück. Allerdings ist man auf andere Rassen umgeschwenkt. Die ursprünglich eingesetzten sehr massigen Salerskühe hätten sich entgegen der Erwartung als ungeeignet erwiesen, erklärt Lude. Jetzt setze man auf die beiden kleineren Rassen Dexter- und Hinterwälder-Rinder.

Nächstes Jahr wird gezählt

Und wie profitiert nun die Flora vom höheren Lichteinfall? „Bis sich neue Arten etablieren, dauert es der Erfahrung nach mehrere Jahre“, sagt Lude. Seltene Pflanzenarten sind also noch nicht heimisch geworden. Dass der Plan wie gewünscht funktioniert, lässt sich dennoch bereits erkennen: So habe sich die Königskerze – zwar nicht selten, aber bislang nicht vorhanden – das Areal zurückerobert. Außerdem sei auch die Schmetterlings- und Insektenvielfalt angestiegen.

Voraussichtlich kommendes Jahr wird sich die Veränderung auch anhand von Zahlen ausdrücken lassen. Dann soll in Zusammenarbeit mit der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt in Freiburg, die das Projekt wissenschaftlich begleitet, ein Vegetationsmonitoring durchgeführt werden. Dabei wird erfasst, welche Arten im Hutewald vorkommen. „Bei der Bestandsaufnahme im Jahr 2016 war das Artenpotenzial relativ hoch“, sagt Rahel Lude. 160 verschiedene Arten habe man damals gezählt.

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