Forst Mehr Licht für dunkle Fichtenwälder

Symbolfoto
Symbolfoto © Foto: Jennifer Räpple
Steinheim / Ulrich Bischoff 23.05.2013
Einmal im Jahr schauen sich die Waldbauern der Forstbetriebsgemeinschaft Steinheim an, wie anderswo geforstet wird. Diesmal haben sie sich in Zusmarshausen (Kreis Augsburg) informiert, wie dunkle Fichtenwälder in Mischbestände umgebaut werden können - denn das bringt einige Vorteile

Der Zusmarshausener Forstbetrieb liegt auf einem breiten, von kleinen Bächen durchzogenen Höhenrücken, umfasst 14 000 Hektar und kennt als prägende Baumart fast nur Fichten. Wo es Bäche gibt, fühlen sich die Eisvögel zu Hause. Die wenigen Altbuchen haben Schwarzspechte für sich reserviert und hie und da tönt auch das „hu-ru“ der selten gewordenen Hohltauben durch den Forst.

Auf die Dauer, so Forstdirektor Hubert Dorst mit Blick auf die Fichten, tut die Dauerberieselung durch die sauren Nadeln den durch eiszeitliche Schotterauflagen geprägten Böden nicht gut. Laubbäume durchwurzeln die Böden besser, saugen die Nährstoffe aus der Tiefe in ihre Kronen und bieten den Stürmen eher die Stirn, als dies die flachwurzelnden Fichten tun.

Buchen und Ahorn bieten saurem Boden Paroli

Wichtig außerdem: Buchen und Ahorne bieten im Herbst durch ihren Laubabfall dem sauren Boden Paroli. Die mächtigen Fichtenstämme versetzten die Waldbauern von der Alb trotzdem in Staunen, sind sie es doch, die der Forstwirtschaft mit ihren Erträgen den Rücken stärken. Auch der Forstdirektor schätzt es, wenn die Kasse stimmt.

Dennoch müssen sich die immergrünen „Brotbäume“ künftig mit ihren laubtragenden Artgenossen vertragen. Nachdem Altbuchen fehlen und niemand deren Elternrolle übernimmt, muss für die Förster der „handgemachte“ Wald herhalten. Er ersetzt in Zusmarshausen die natürliche Verjüngung.

Wie das geht, wurde vor Ort erläutert. Ein PS-starker Schlepper lockert mit einer Fräse im Schlepp den Fichtenboden auf und stellt ein grobscholliges Saatbett her. Dort hinein streuen die Forstwirte ihre Bucheckern und hoffen, dass sie von den Wildschweinen nicht entdeckt werden, aufgehen und den jungen Laubwald begründen. Was in Steinheimer und Gerstetter Wäldern zumeist ohne Zutun gelingt, in Zusmarshausen kostet es viel Mühe und einiges Geld.

Hirsche und Rehe abschießen

Über der Pforte des altehrwürdigen Forstamtsgebäudes prangt das Geweih eines kapitalen Hirsches. Ihn sehen die Forstleute nicht gerne. Nicht nur das Rotwild wurde im Augsburger Naturpark „derschossen“, auch die „naschhaften“ Rehe müssen kurzgehalten werden, wenn ein artenreicher Mischwald gelingen soll, meinen die Förster.

Wie licht aber soll ein 30 Jahre alter Fichtenwald stehen, wenn er in 80 Jahren dicke Stämme liefern soll? Bayerns Förster lassen die Sonne in den Wald, lassen 100 ausgewählte „Prachtsbäume“ pro Hektar stehen und fällen deren Nachbarn.

Viel wurde noch „gefachsimpelt“, ehe sich die Waldbauern im „Schwarzen Reiter“ in Horgau das Weißbier schmecken ließen und hinterher den „Goldenen Saal“ im Ausburger Rathaus bestaunten und daneben allerlei über Wissenswertes über die Geschichte dieser einst reichen Stadt erfuhren.