Herbrechtingen Mehr Fichten für den Herbrechtinger Forst

Auch im Herbrechtinger Stadtwald ist das Eschentriebsterben nicht mehr zu übersehen. Vor allem jüngere Bäume gehen aufgrund eines Pilzbefalls ein.
Auch im Herbrechtinger Stadtwald ist das Eschentriebsterben nicht mehr zu übersehen. Vor allem jüngere Bäume gehen aufgrund eines Pilzbefalls ein. © Foto: Günter Trittner
Herbrechtingen / Günter Trittner 07.05.2018
Um einen Prozentpunkt auf einen Anteil von 40 Prozent sollen im Herbrechtinger Stadtwald Fichte und Co. zu Lasten der Laubbäume zunehmen. Geschlagen wird zehn Prozent weniger.

Auch wer nur Laubbäume von Nadelbäumen zu unterscheiden weiß, kann dem Leitgedanken der aktuellen Forsteinrichtung folgen. Dieses Planwerk sieht vor, dass in den kommenden zehn Jahren im Herbrechtinger Stadtwald die Nadelhölzer einen Anteil von 40 statt gegenwärtig 39 Prozent erhalten sollen. Was nach einer Kleinigkeit klingt, macht im Forst wirklich Arbeit. „Es kann sogar sein, dass es uns nicht gelingt“, meinte beim Waldbegang des Gemeinderats Eva Korn-Allen, die als Försterin im Landesdienst in den zurückliegenden Monaten die Forsteinrichtung ausgearbeitet hat.

Schlechte Böden im Wald

Warum man sich schwer tut, besonders die mit einem Anteil von 41 Prozent im Stadtwald klar überwiegende Buche in Schach zu halten, hat auch mit den Böden aus Schichtlehm, Jura, Ton und Mergel tun. Zwar steht die Hälfte der Bäume auf der 745 Hektar messenden reinen Waldfläche auf Böden von durchschnittlicher Qualität, doch bei der anderen Hälfte überwiegen die schlechten Böden die guten sehr deutlich. „Nicht berauschend“ meinte Korn-Allen zu den Mitgliedern des Gemeinderats, die sich am Samstag an der Scheiterhauhütte getroffen hatten.

Fichte, Douglasie und Weißtanne

Auch macht der Klimawandel der Fichte stark zu schaffen und die Naturverjüngung des Waldes („das ist, was passiert, wenn wir nicht eingreifen würden“) geht zu 96 Prozent komplett in Richtung Laubbäume und nur zu vier Prozent in Richtung Fichte. Im Forst setzt man deswegen verstärkt auf die Douglasie und auch auf die Weißtanne, wenn von Nadelholz, das gepflanzt werden soll, die Rede ist.

Mehr Nadelholz möchte man, weil dies am Holzmarkt gefragt ist. „Das können wir besser verkaufen“, so Korn-Allen. Betriebswirtschaftlich gesehen hätte Korn-Allen am liebsten einen „bunten Gemischtwarenladen“.

Gemeinderat hat das Sagen

Beschlossen werden muss die ab 2018 geltende Forsteinrichtung noch vom Gemeinderat. Darin ist auch vorgesehen, dass aufgrund der zahlreichen Jungbestände der jährliche Hieb im Vergleich zum auslaufenden 10-Jahres-Plan um zehn Prozent verringert wird. „Da kommt noch nichts raus“, so Korn-Allen. „Es fehlen die Bäume im Alter von 20 bis 60 Jahren. Nichtsdestotrotz wachsen im Stadtwald jeden Tag 16 Festmeter Holz hinzu.

Virulentes Eschentriebsterben

Bei der Forsteinrichtung geht es neben der Hiebzahl auch um die Sicherung der Nachhaltigkeit und weitere ökologische Aspekte. Forstrat Pascal Hecht und Stadtförster Martin Müller hatten für die Stadträte, Bürgermeister Dr.?Bernd Sipple und Beigeordneten Thomas Diem für den Rundgang im Wald eigens „Waldbilder“ ausgewählt, um an diesen die Aufgaben der Förster zu erläutern.

Gezeigt wurde zum Beispiel die Auswirkung des seit fünf, sechs Jahren virulenten Eschentriebsterbens. Der aus Südostasien eingeführte Pilz lasse jungen Bäumen kaum eine Überlebenschance, meinte Müller. Für den Stadtwald ist das ein Problem, weil gerade die anspruchslose Esche gut geeignet für die nährstoffarmen Böden wäre.

Altholz und digitale Welt

Ein Blick galt auch der Umsetzung des Alt- und Totholzkonzeptes, das man in Herbrechtingen sehr ernst nimmt. 29 Hektar Wald sind auf Dauer der Nutzung entzogen. Den Vorrat daran bezifferte auf 21 Festmeter je Hektar. „Das ist ein sehr guter Wert.“

Die digitale Welt ist im Forst keine unbekannte mehr. Korn-Allen ließ beim Waldbegang ihr mobiles Endgerät reihum gehen, das ihr auf Knopfdruck im ganzen Wald alle Standortdaten wie Bodenbeschaffenheit und Baumbestand aktuell und historisch aufzeigt.

Weniger Gewinn erwartet

Betriebswirtschaftlich wirft der Wald für die Stadt über die Jahre im Mittel einen Ertrag von rund 100.000 Euro ab. 2017 wird diese Rechnung nicht ganz aufgehen. 23 Prozent des geschlagenen Holzes rühren aus der sogenannten zufälligen Nutzung. Das heißt, es ist Sturm- und Käferholz, das im Stadtwald im Verhältnis 50 zu 50 angefallen war. „Das ist ein sehr hoher Wert“, meinte Müller zum Anteil des ausgeräumten, aber eigentlich nicht für den Markt gedachten Holzes. Erwartet wird deswegen nur ein Überschuss von rund 80?000 Euro.

Auch die Jungbestandspflege auf einer Fläche von 18 Hektar ist aufwendig und kostet pro Jahr 35?000 Euro.