Herbrechtingen Meckerfreie Zone an der Bibrisschule

Die Bibrisschule wurde im Rahmen eines Experiments zur meckerfreien Zone erklärt.
Die Bibrisschule wurde im Rahmen eines Experiments zur meckerfreien Zone erklärt. © Foto: privat
Herbrechtingen / HZ 26.07.2018
Schüler testeten die Macht ihrer Gedanken und führten ein Armband ein, um sich das Nörgeln abzugewöhnen. Die Idee kommt aus Amerika, ein Pastor aus Flensburg hat sie nach Deutschland gebracht.

Unsere Gedanken beeinflussen unsere Umwelt, negative Gedanken scheinen sehr mächtig zu sein und die meisten von uns denken offenbar schlechter über die Situation als nötig. Für einige Schüler der Herbrechtinger Bibrisschule waren dies Gründe genug, die eigenen Gedanken einmal genauer unter die Lupe zu nehmen und schließlich mit Hilfe eines Armbands eine „meckerfreie Zone“ auszurufen.

In verschiedenen Experimenten erkannte die Schülergruppe zunächst, dass es beileibe nicht egal ist, mit welchen Gedanken man eine Situation angeht und dass die Kraft der Gedanken sogar so weit reicht, dass ein Mitschüler fühlen kann, ob man sich gerade vorgestellt hat sehr schwer, oder eher sehr leicht zu sein.

Von Spinnen und Erdbeeren

Eine besondere Rolle scheinen dabei gerade die negativen Gedanken zu spielen: So reicht zum Beispiel eine Spinne aus, um eine ganze Schale Erdbeeren plötzlich gar nicht mehr lecker zu finden. Umgekehrt kann eine einzelne Erdbeere einem noch lange nicht eine Schale voller Spinnen schmackhaft machen.

Hinzu kommt, dass die meisten Menschen, dem ehemaligen Arzt Hans Rosling zufolge, ein viel zu schlechtes Bild von der Welt haben. Sieben von zehn Deutschen schätzen beispielsweise die Kindersterblichkeit weit höher ein, als sie eigentlich ist.

Aus der Beschäftigung mit diesen Themen erwuchs bei den Schülern schnell die Idee, dass es lohnenswert sein könnte, auf die eigenen Gedanken zu achten. Helfen sollten dabei die Armbänder von Pastor Klaus Guhl aus Flensburg. Dieser hat die Idee der „meckerfreien Zone“ nach Deutschland importiert: Man trägt eines der Armbänder am Handgelenk und jedes Mal, wenn man sich selbst dabei ertappt zu meckern, zu motzen, zu lästern oder unkonstruktiv zu kritisieren, wechselt man das Band an das andere Handgelenk.

Andere aufmerksam machen

Ziel ist es, sich die eigenen Nörgeleien bewusst zu machen und sie sich so schrittweise abzugewöhnen. Zum Abschluss des Selbstversuchs erklärten die Schüler ihre Schule zur meckerfreien Zone, indem sie mit selbst gestalteten Plakaten und Flyern die anderen Schüler über das Projekt informierten und schließlich auch einen Verkauf der Armbänder organisierten. Damit sollten möglichst viele dem Motto von Pastor Guhl folgen: „Wer mitmacht, kann nichts verlieren. Aber viel gewinnen: sich selbst.“

Die ursprüngliche Idee stammt aus Amerika

Der amerikanische Theologe Will Bowen aus Kansas hat bereits 10,5 Millionen Armbänder in Umlauf gebracht. Irgendwann wurde Pastor Guhl auf ihn aufmerksam und nahm Kontakt auf. Bowen fand die Idee gut, die Aktion auch in Deutschland bekannt zu machen.

Über 1000 Armbänder hat Guhl mittlerweile verschenkt oder für einen Euro pro Stück verkauft. Die Aktion dauert genau 21 Tage, da sich das Gehirn in diesem Zeitraum an neue Routinen gewöhnt. Wer 21 Tage am Stück nicht schafft, sollte laut Guhl immer wieder neu anfangen.

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