Verfall Marode Lindenhalle: Dorfgemeinschaft will mit anpacken

Dettingen / Jens Eber 15.05.2013
Wenn die Gemeinde entsprechende Fördertöpfe anzapfen kann, könnte die Lindenhalle neu gebaut werden. Zu diesem Ergebnis kam der Gerstetter Gemeinderat, der dafür eigens in der vielgescholtenen Halle tagte.

Dass in Sachen Lindenhalle dringender Handlungsbedarf besteht, ist seit Dienstag wohl weniger umstritten denn je. Hausmeister Werner Hartmann führte die Ratsmitglieder durch den zwar erst 35 Jahre alten, an vielen Stellen aber bereits maroden Bau und zeigte die Schwachstellen auf. Über Grundwasser, das bereits in die Gerätehülsen im Hallenboden dringt, mochte mancher vielleicht noch schmunzeln, spätestens angesichts der rostigen Brühe aus manchen Wasserhähnen oder beim aus der Wandverkleidung rieselnden Staub waren auch deutliche Sorgenfalten zu sehen.

Bernd Müller vom Ortsbauamt ergänzte zudem, dass zahlreiche Fugen und Dichtungen defekt seien, dass es keine barrierefreien Zugänge gebe, dass auch die Dachabdichtung an mehreren Stellen löchrig sei. Zudem sei die Halle nur schwer zu beheizen.

Mit vernünftigem Aufwand nicht zu sanieren

„Mit vernünftigem Aufwand ist die Halle nicht zu sanieren“, sagte Bürgermeister Roland Polaschek und betonte, dies sei seine persönliche Meinung. Anstatt auf eine teure Sanierung zu setzen, solle intensiv über einen Neubau nachgedacht werden, zumal die Halle unter anderem wegen Mängeln im Brandschutz ohnehin nur noch dank einer Ausnahmegenehmigung des Landratsamtes für kulturelle Zwecke zu nutzen sei. Ende 2014 läuft die Genehmigung aus. Bis dahin, so der Bürgermeister, habe die Gemeinde Zeit, verbindliche Beschlüsse vorzulegen.

Als Vertreter der vor wenigen Wochen gegründeten Interessengemeinschaft Neubau Mehrzweckhalle Dettingen stellten Sandra Kastler und Rolf Grimm die Sicht der Benutzer dar. Als belastend für den Sport werden demnach, neben Problemen wie Schimmelbefall im Vereinsraum und zu kleinen Sanitärbereichen, vor allem die Abmessungen der Halle empfunden, die keiner Norm entsprächen. Heimspiele der Handballer und Volleyballer seien daher nicht möglich, auch für das Training müssten zahlreiche Teams teils bis nach Heidenheim ausweichen, was wiederum in anderen Hallen für Raumnot sorge. Vermisst wird zudem die Möglichkeit, bei Spielen Besucher bewirten zu können, was für jeden Verein eine wichtige Einnahmequelle darstelle.

Auch für kulturelle Zwecke stellte Sandra Kastler der Lindenhalle schlechte Noten aus. Die Akustik sei „miserabel“, es gebe keine Verdunklung und nur eine mobile und schwer aufzubauende Bühne.

Ein "Dettinger Geist" sei entstanden

Durch die Beschäftigung mit einem möglichen Neubau sei, so Rolf Grimm, ein „Dettinger Geist“ entstanden. Es gebe vielerlei Ideen, wie der Neubau gefördert und aus der Bevölkerung heraus unterstützt werden könnte. Am Ende könnte so eine Halle stehen, „die dem Dorf gut tun wird“.

Dass an der Lindenhalle weit mehr als nur kosmetische Maßnahmen notwendig sind, war im Rat unumstritten. Übereinstimmend regten Werner Häcker (FWV), Hans Bosch (CDU) und Dr. Otto-Stephan Mühleck (ÖDP) jedoch an, auch die zu erwartenden Kosten einer Generalsanierung zu ermitteln und sie den Kosten eines Neubaus gegenüberzustellen – vor allem als Argumentationshilfe. Immerhin werden die Neubaukosten bereits jetzt auf rund fünf Millionen Euro geschätzt. Konkrete Zahlen seien wichtig für die Transparenz, betonte Häcker. Joachim Günther (FWV) ermutigte die Interessengemeinschaft, „Volldampf“ zu geben.

Dr. Heinz-Jörg Hüper erinnerte an den Bau der Halle vor 35 Jahren. Damals sei eines der Hauptargumente gewesen, dass die Halle billig sei. Heute zeige sich, dass billig nicht immer kostengünstig sei. „Das sollten wir uns für die Zukunft merken“, so Hüper.

Bürgermeister Polaschek betonte aber auch, dass die Aufnahme Dettingens ins Landessanierungsprogramm eine „Grundvoraussetzung“ für einen Neubau sei. Ohne eine Förderquote von mindestens 50 oder mehr Prozent werde sich ein Neubau nicht umsetzen lassen. Wichtig sei nun, rasch eine schlagkräftige Kommission zu bilden, in der auch die Dettinger Dorfgemeinschaft vertreten sein soll.

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