Sontheim Marode Balken im alten Georgskirchen-Dachstuhl

Im Äußeren wie im Inneren zeigt sich die Sontheimer Georgskirche derzeit eingerüstet. Die Dachbalken sind marode und Stücke davon müssen ersetzt werden. Außerdem wird die elektrische Verkabelung ausgetauscht. Die Stuckdecke ist durch eine Bretterschalung geschützt.
Im Äußeren wie im Inneren zeigt sich die Sontheimer Georgskirche derzeit eingerüstet. Die Dachbalken sind marode und Stücke davon müssen ersetzt werden. Außerdem wird die elektrische Verkabelung ausgetauscht. Die Stuckdecke ist durch eine Bretterschalung geschützt. © Foto: Klaus-Dieter Kirschner
Sontheim / Klaus-Dieter Kirschner 25.07.2018
Wegen großer Schäden durch Nässe, Käfer und Holzwürmer erfolgt derzeit eine umfangreiche Sanierung des Sontheimer Bauwerks.

Bis zum 300. Geburtstag im nächsten Mai sollen die Arbeiten abgeschlossen sein: Zuversicht wird auf der Baustelle verbreitet, die alles andere als einfach ist. Seit einigen Wochen schon wird an der evangelischen Georgskirche gearbeitet. Die Dachsanierung sowie die Renovation im Kircheninneren kosten 880 000 Euro. „Wir sind noch im Kostenrahmen“, betonte Pfarrer Steffen Palmer beim Rundgang durch das Gotteshaus und über den Dachboden.

Dick eingemummelt wurde die Kanzel, nachdem zuvor vom Schalldeckel der Engel abgenommen worden war. Dieser Predigtstuhl hatte in letzter Zeit doch ein wenig Sorgen gemacht, denn der Holzwurm fand Gefallen an der Kanzel. Doch inzwischen habe das Fressen aufgehört, beobachtete Mesner Wöhrle.

Ehrenamtliche Helfer

Stolz ist Palmer auf eine Anzahl Gemeindemitglieder, die die zuvor ausgebauten 40 Kirchenbänke in Eigenleistung saniert und mit Unterstützung der einheimischen Drechslerei Weiss Teile an der Stirnseite der Bänke erneuern konnten. Die Instandsetzung der Kirchenbänke konnte schneller als geplant abgeschlossen werden. Insgesamt bieten sie 450 Sitzplätze.

In der Georgskirche kann man aber derzeit nicht Andacht halten oder Singen. Überall gibt es Löcher und Kabelstränge. Gut verpackt steht die Orgel auf der Empore. Sie wird nach der Instandsetzung vielleicht noch entstaubt, ist ansonsten aber in einem guten Zustand. „Ich denke, dass die Orgel erst meinen Nachnachfolger im Pfarrdienst beschäftigen wird“, so Palmer.

Die Stuckdecke und die Stuckwände werden gereinigt

Der Stuck in der Kirche wie auch die in Stuck gefassten Gemälde sind in einem vergleichsweise ordentlichen Zustand. Oberflächliche Risse müssen aber geschlossen, etliche Schadensstelle behutsam ausgebessert werden. Die Stuckdecke wie die Stuckwände können sorgsam gereinigt werden. Insgesamt ist das aufragende Mauerwerk trocken, zieht also kein Wasser.

Die Elektrik wird modernisiert

Bei den letzten Elektroarbeiten in der Kirche in den sechziger Jahren wurden noch zweiadrige Kabel verlegt. Diese werden nun ersetzt und die gesamte Elektrik auf Vordermann gebracht. Insgesamt werden zehn Kilometer Kabel unterschiedlicher Dimension verlegt. Gänzlich erneuert wird die Beleuchtung.

Abgebaut ist der Altar, mit ihm auch die seitlichen schmiedeeisernen Altargitter und das große Kruzifix. Noch wird viel diskutiert, beispielsweise ob die ausgebaute Altarstufe wieder in die Kirche kommt. In der Diskussion ist auch noch das Altarkreuz.

Mit viel Geschick gezimmert

Im Gegensatz dazu ist unter dem riesig anmutenden Dach keine Zeit für kontroverse Meinungen. Wind und Wetter, Kondenswasser aber auch Flugschnee haben dem Gebälk sehr zugesetzt. Ganze Sparren oder Balken werden nicht ausgewechselt. Als solches ist die Georgskirche ein Baudenkmal und das gilt auch für die Art, wie mit viel Geschick und eher mäßigen Hilfsmitteln so ein stattlicher Dachstuhl gezimmert und aufgerichtet werden konnte.

Gebälk ist zerfault und zerfressen

Das Gebälk ist teils verfault oder aber durch Holzwurm oder Käfer an manchen Stellen ziemlich „luftdurchlässig“ geworden. Die Restauratoren, allen voran der Zimmermann Klaus Hofherr aus Uttenweiler bei Riedlingen, gehen mit viel Einfühlungsvermögen ans Werk. Der zerstörte Teil eines Balkens wird mit der Motorsäge abgetrennt und im gesunden Bereich noch in halber Breite abgenommen. Dann wird neues Holz unmittelbar angepasst und verzapft. Bei den Arbeiten zeigte es sich, dass die Balken, die auf dem Mauerwerk aufliegen, generell aus Eiche waren, der aufragende Dachstuhl aus Fichtenholz. Zur Entlastung des Mauerwerks, das die Außenfassade überkragt, wurden die Dachbalken auf sogenannte Fünfkantschwellen aufgelegt.

Schäden im Ostteil des Dachs

Die meisten Bauschäden ergaben sich im Ostteil des Dachs im Bereich des Wehrturms. Dort waren viele Balken nicht mehr tragfähig, so dass sich Dach und Mauerwerk senkten. Gerade in dem Bereich wird aktuell intensiv Sanierung betrieben.

Bis Weihnachten soll das Dach wieder zu sein. Pfarrer Palmer wie Klaus Hofherr vom Holzbau-Unternehmen Fritschle (Uttenweiler) hoffen, dass wegen des zu erwartenden Herbstwetters die Arbeiten früher zu Ende gehen.

Der Einweihungstermin aber steht schon fest: 12. Mai 2019. Bis dahin wird noch manches im Kirchengemeinderat und mit Architekt Elmar Weber (Langenau) und dessen örtlichem Bauleiter Werner Stolz zu beratschlagen sein.

Die finanzielle Seite der Kirchensanierung

Bei einer Bausumme von 880?000 Euro für die Sanierung der Sontheimer Georgskirche ist natürlich auch Geld ein wichtiges Thema. Pfarrer Steffen Palmer versteht sich aufs „Klinkenputzen“. Es wurden 20 Stiftungen angeschrieben. Etliche sagten ab, andere reagierten bislang nicht. Eine Stiftung schickte den Brief mit dem Vermerk „Annahme verweigert“ zurück.

Die Landeskirche gibt zu den Baukosten 35 Prozent, der Kirchenbezirk fünf Prozent Zuschuss. Vom Landesdenkmalamt steht eine Zu- oder Absage noch aus. Die Behörde ist aber regelmäßig zu Gast – mit guten Ratschlägen und Vorgaben. 70?000 Euro gingen bislang an Spenden ein. „Eine halbe Million Euro müssen wir als Kirchengemeinde selber aufbringen“, beschrieb Palmer die Lage.

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