Oberkochen / Hans-Peter Leitenberger Einen bewegenden Abend über das Leben Robert Schumanns konnte man am Freitagabend im Saal des Zeiss-Forums in Oberkochen erleben.

Der Rezitator Lutz Görner verstand es, zahlreiche Facetten des Komponisten, der es wie kaum ein Zweiter verstand, Poesie und Intellekt in sein Werk zu legen, auf einfühlsame wie sachkundige und humorvolle Weise den 130 Besuchern vorzustellen. Görner ist in Zwickau geboren wie Robert Schumann 135 Jahre vor ihm.

Die Pianistin Nadja Singer legte bei Schumanns Widmung op. 25 viel Poesie und Sentiment in ihr Spiel. Mit dezentem, aber mitunter auch kräftigem Anschlag meisterte sie die Sonaten wie die Lieder des Abends. Edward Leach bot einen klaren, offenen Tenor mit lyrischem Schmelz.

Der Gymnasiast Schumann begann mit 15 Jahren eine Autobiografie zu schreiben: „Ich war fromm, kindlich und man sagte, ich sei hübsch“, hieß es da. Ein großer Dichter oder Musiker wollte er mit 18 Jahren werden, aber „berühmt unter allen Umständen“.

Mutter Schumann bestand darauf, dass Robert Jura studierte, da die Wege der Kunst oft „gefährlich, unfruchtbar und ertraglos“ seien. Er folgte dem Rat seiner Mutter, aber das Studium gefiel ihm wenig. Er besuchte Heinrich Heine, seinen Lieblingsdichter und nahm Klavierunterricht bei Friedrich Wieck, dem Vater seiner späteren Frau Clara, in Leipzig. Mit 21 Jahren erkrankte er an Syphilis und litt auch an einer „Erlahmung der rechten Hand“. Komponieren wurde jetzt seine Hauptaufgabe.

Herrlich erklangen die Werke aus Heinrich Heinrichs „Buch der Lieder“ mit der wandlungsfähigen Stimme von Edward Leach und dem sensiblen Spiel von Nadja Singer. Ein angenehmer Kontrast zu den oft düsteren Geschichten aus dem Leben Schumanns, der fürchtete, den Verstand zu verlieren. Doch zwischen seinem zwanzigsten und dreißigsten Lebensjahr entstanden alle seine bekannten Klavierwerke und 140 Lieder. „Ach, ich will so viel und kann doch so wenig.“

Amüsant kamen die Aufzeichnungen aus seinem „Ehetagebuch“ zu den Klängen von Schumanns zeitlos schöner „Träumerei“. Schumann sollte es doch zu Erfolg bringen. Lutz Görner ging auf die zum Teil bedrückenden Lebensverhältnisse Schumanns sehr detailreich ein, etwa bei der Begegnung mit Franz Liszt, der „sehr lieb und herzlich“ war. Der Geiger Wasielewski schrieb über seine äußere Erscheinung, er hätte sich Schumann „schlank, dunkelhaarig und finster blickend“ vorgestellt, aber er war „rundlich, blond und freundlich“. Richard Wagner hielt er für „unmöglich“, da er ständig redete, umgekehrt galt Schumann für Wagner als Mensch, der „kein Wort sage“.

Aus seiner Ehe mit Clara sollten sieben Kinder hervorgehen. Doch 1850 ging es mit zunächst fünf Kindern nach Düsseldorf, wo er als städtischer Musikdirektor tätig war, aber aufgrund seiner fortgeschrittenen Erkrankung nicht mehr fähig dazu erschien. Er sprang im Nachthemd in den Rhein, erregte aber wegen der Karnevalszeit kein Aufsehen. Auf eigenen Wunsch wurde er in die Nervenheilanstalt Endenich bei Bonn gebracht. Am 28. Juli 1856 besuchte ihn Clara zum ersten Mal in der Anstalt. Er „umhalste“ sie. Einen Tag später starb er um vier Uhr nachmittags.

„In der Fremde“ erklang mit tröstlichem Charakter, und Edward Leach bot mit der „Mondnacht“ nochmals ein Meisterstück Schumanns. Die Zugabe mit „The Gondolier“ kam einfach ergreifend. Lutz Görner und seine Mitstreiter zeigten auf noble Art einen genialen, schwerkranken Künstler, dessen Name jedoch sein Loblied wurde.