Königsbronn / Holger Scheerer  Uhr
Woodstock-Feeling vom Feinsten präsentierten Siggi Schwarz und seine Gäste in der Königsbronner Hammerschmiede.

Siggi Schwarz mal wieder. Unter dem Motto „Love and Peace“ trommelte der umtriebige Heidenheimer Gitarrist eine bunte Truppe von Musikern zusammen, um am Donnerstagabend in der Königsbronner Hammerschmiede unter dem Motto „A Tribute to Woodstock“ zu gastieren. Da diese mittlerweile picobello saniert und gedämmt ist, konnten sogar die Gemeinderäte im benachbarten Rathaus von rockigen Dezibel unbeeinträchtigt ihrer weit weniger vergnüglichen Sitzungstätigkeit nachgehen.

Etwas lauter wurde es in der Hammerschmiede selbst, wo Schwarz und seine Kollegen wieder einmal in der Woodstock-Kiste kramten. Die Songs sind allesamt sattsam bekannt und mittlerweile bis in den Exzess hinein ausgespielt. Was die Sache immer noch interessant macht, sind die immer wieder neuen Konstellationen, die Schwarz aus dem Hut zaubert. So war diesmal die deutsche Blueslegende Frank Diez, langjähriger Gitarrist bei Peter Maffay, mit am Start. Für den Gesang grub Schwarz für den Gig zwei veritable Bluesröhren aus. Die Sängerin Claudia Cane aus München und Jörg Stockinger aus heimischen Gefilden. Aber es gab auch Konstanten, so trommelt der unverwüstliche Bernd Elsenhans schon länger für Schwarz, als er eigentlich auf der Welt ist.

Die Biathletin Laura Dahlmeier trat in diesen Tagen im Alter von 25 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand. Davon scheinen die Herren Schwarz und Diez noch weit entfernt zu sein. Während man Schwarz sein Alter überhaupt nicht anmerkt – Bühnenjahre zählen bekanntlich doppelt – hat der acht Jahre ältere Kollege mittlerweile ein paar Federn lassen müssen. Ganz so spritzig wie bei den ersten Heidenheimer Begegnungen der beiden Gitarrengrößen vor auch schon wieder rund 15 Jahren geht es jedenfalls nicht mehr auf und zu. Und Diez verlässt seinen gemütlichen Barhocker nur noch sehr ungern. Dies ist freilich Gejammer auf hohem Niveau. Denn der Mann hat immer noch mehr Feeling in der Fingerkuppe des linken Zeigefingers als so mancher Jungspund im ganzen durchtrainierten Körper.

Kommen wir zum eigentlichen musikalischen Programm. Da lässt sich sagen, dass die rund 250 zahlenden Gäste in der Hammerschmiede einen Hit nach dem anderen um die Ohren gepustet bekamen. „Black Magic Women“, „Rock’n’Roll Hoochie Koo“, „Me and Boby McGee“, bei dem sich die Stimme von Cane richtig entfalten konnte. Und dann Hendrix, immer wieder Hendrix, „Purple Haze“, „All along the watchtower“.

Hier konnte sich nicht nur Stockinger richtig austoben, hier war auch die Vorlesung in Musikphilosophie von Rock-Doktor Diez angesagt. Zum gefühlt 20 376ten Mal musste er die Anekdote zum Besten geben, wie er 1967 auf der Hasenheide Jimi Hendrix kennenlernte, nachdem er seine letzten 20 Pfennig für die Straßenbahnfahrt dorthin ausgegeben hatte. Der arrogante Jungspund Diez erklärte dem acht Jahre älteren Hendrix, dass er gar keinen richtigen Blues spielen könne. Dieser war jedoch wohl aufgrund gewisser Substanzen völlig chillig und ließ den 17-Jährigen erst mal ausreden und Platz nehmen. Eine verhängnisvolle Begegnung für Diez, so will es die Legende, denn an diesem Tag beschloss er, dem Wunsch des Vaters, Schreiner zu werden, zu entsagen und sich voll auf die Gitarre zu konzentrieren. „Eigentlich schade“, so Diez, „denn ich wäre bestimmt ein ganz zufriedener Schreiner geworden.“ Und der Welt wäre vielleicht so manche Maffay-Schnulze erspart geblieben. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.