Herbrechtingen Linsen-Köfte und Zucchini-Brownies beim veganen Brunch

Ausgefallene Leckereien wie Brownies mit Zucchini, Linsen-Köfte und vieles mehr findet man jeden letzten Sonntag im Monat beim veganen Mitbring-Brunch in der Begegnungsstätte Herbrechtingen. Jeder ist willkommen.
Ausgefallene Leckereien wie Brownies mit Zucchini, Linsen-Köfte und vieles mehr findet man jeden letzten Sonntag im Monat beim veganen Mitbring-Brunch in der Begegnungsstätte Herbrechtingen. Jeder ist willkommen. © Foto: Manuela Wolf
Herbrechtingen / Manuela Wolf 10.11.2018
Immer mehr Menschen wollen Speisen ohne jegliche tierische Zutat. Im Herbrechtinger Familienzentrum im Kloster gibt es an Sonntagen seit Jahresbeginn einen Mitbring-Brunch.

Veganer Mitbring-Brunch im Familienzentrum? Ablehnendes Kopfschütteln, kann man mit dieser Offerte zuhauf ernten. Nicht nur wie Vegetarier auf Fleisch und Wurst zu verzichten sondern auch noch auf sämtliche andere tierische Produkte wie Eier oder Honig – völlig übertrieben! Von Mangelernährung ist schnell die Rede, auch von mangelnder Lebensfreude, weil vegane Ernährung mit Verzicht gleichgesetzt wird. Und wurden für den Anbau von Soja, der den Veganern quasi als Grundnahrungsmittel dient, nicht schon Millionen Hektar Regenwald abgeholzt?

Bianka Modjesch kennt diese Argumente. Aber sie ist Hobby-Köchin, Rheuma-Patientin, Mutter zweier Kinder, Genussmensch, Ernährungsexpertin – und Veganerin. Sie kann zu jedem Punkt Anderes aus ihrem Alltag nennen. Zahlen und Zusammenhänge aus zig Studien hat sie im Kopf, sie kennt die Internetseiten und Blogs von und für Veganer, sie schaut sich Reportagen und Wissenssendungen an. Es war aber nicht die Summe der sachlichen Argumente, die sie vor drei Jahren dazu bewogen hat, den Speiseplan von vegetarisch auf vegan umzustellen. Es war eine Herzensentscheidung: „Mir tun die Tiere so leid. Eine Mutterkuh zum Beispiel schreit tagelang nach ihrem Kälbchen, von dem sie sofort nach der Geburt getrennt wird. Da kann ich Milch einfach nicht mehr mit Genuss trinken.“

Zustimmendes Kopfnicken an der großen Tafel im Kommunikationszentrum im Kloster. Alle, die sich hier an jedem letzten Sonntag im Monat zum Mittagessen treffen, denken und fühlen ähnlich. Jeder von ihnen war mal ein „normaler“ Esser mit Leberkäse, Spätzle und all den anderen Sachen, die von Tieren stammen oder tierische Anteile enthalten. Aber dann: einschneidende Erlebnisse. Ein junger Familienvater etwa klickte sich einen Abend durch die Homepage der Tierschutzorganisation PETA, sah, wie männliche Küken nach zwei Tagen geschreddert werden, weil sie nicht zu gebrauchen sind in der Produktionskette. Ihm verging die Lust auf Fleisch im Allgemeinen und Hühnchen im Besonderen. Allein der Geruch ist ihm inzwischen zuwider.

Jackfruit-Frikassee. Brownies mit Zucchini. Linsen-Köfte. „Das sieht ja alles prima aus“, sagt eine Seniorin, die zum ersten Mal dabei ist. Sie wirkt überrascht. Der Familienvater daneben lächelt. Wie oft hat er schon diskutiert, welche Lebensmittel übrigbleiben, wenn alle tierischen Produkte tabu sind. Die Vielfalt konnte sich bisher keiner seiner Gesprächspartner vorstellen. Das Buffet sagt da mehr als tausend Worte.

Die Vielfalt überrascht

Die Seniorin holt ein ums andere Mal Mini-Portionen an ihren Platz. Am Ende hat sie alles gekostet, manches sogar mehrfach. Ihr Resümee: lecker, ohne Ausnahme. Gerne würde sie jeden Tag so essen, „Geschmacklich war das große Klasse. Aber ich kann mir nicht vorstellen, wie man ohne die gewohnten Zutaten kochen und backen soll?“ Die Tipps lassen nicht lange auf sich warten.

Immer wieder wird beim Brunch über grundsätzliche Themen geredet. Sich bewusster ernähren scheint gleichbedeutend mit bewusster leben. Es geht um moralische Ansichten und um wissenschaftliche Erkenntnisse. Ein Elternpaar ist mit zwei Mädchen gekommen. Ihr Kinderarzt hat immer wieder angezweifelt, ob dies der Gesundheit der Kinder gut tut. Nun gehen sie jährlich zum Bluttest. Natürlich wollen die Eltern nicht, dass den Kindern etwas fehlt. Bisher war immer alles in Ordnung. Ähnliches berichtet Brunch-Initiatorin Modjesch. Das Rheuma, das sie viele Jahre lang geplagt hat, ist verschwunden, der hohe Cholesterin-Spiegel auch. „Lag vermutlich an den Milchprodukten“, sagt sie. „Seit ich auch die weglasse, geht es mir gesundheitlich sehr gut.“

Auch Biankas Sohn ist Veganer. Mit Genuss isst er die Linsen-Köfte, träufelt Zitronensaft drüber, drückt die Salatblätter zusammen: „Ich habe viele vegane Lieblingsgerichte, diese Köfte sind der Hammer!“ Die reichlich verwendeten Gewürze und Kräuter findet der Sohn total lecker. Aber manchmal gibt es in der Mittagspause auch Döner. Schulterzucken am Tisch. „Clean“ zu essen ist das große Ziel. Aber es ist auch kein Beinbruch, wenn man es mal nicht schafft, da sind sich alle einig in dieser Runde.

So funktioniert der Mitbring-Brunch

Wer vegan lebt, vegan leben oder einfach nur mal kosten möchte, ist beim veganen Mitbring-Brunch in der Begegnungsstätte jederzeit willkommen. An jedem letzten Sonntag im Monat wird ab 11 Uhr gemeinsam geschlemmt. Wer kann, bringt fürs Buffet ein Gericht für zwei bis vier Personen mit, wer nur zum Essen kommen möchte, bezahlt pauschal 10 Euro. Eine Anmeldung ist sinnvoll, aber nicht zwingend erforderlich. Infos gibt es unter Tel. 07324.981666 oder direkt bei der Initiatorin per E-Mail an bianka@modjesch.de. Übrigens: Für Kinder ist in den Wintermonaten der Nebenraum geöffnet, in dem sie laut und wild sein dürfen - so können die Eltern ganz entspannt brunchen.

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