Herbrechtingen Lebensretter der Feuerwehr sind schneller als der Notarzt

Herbrechtingen / Elena Kretschmer 18.05.2018
Bei der Herbrechtinger Feuerwehr gibt es acht Männer, die auch zu medizinischen Notfällen ausrücken. Einmal alarmiert, sind sie schneller vor Ort, als der Notarzt.

Wenn es darum geht, Leben zu retten, zählt im Notfall jede Sekunde. Um blitzschnell vor Ort zu sein, gibt es bei der Herbrechtinger Feuerwehr seit 2009 die sogenannte First-Responder-Gruppe. First Responder kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie Erst-Antwortender oder Erst-Eintreffender – ein Titel, den sich die acht Feuerwehrleute mit Zusatzqualifikation wirklich zu Herzen nehmen.

„Alle unsere First Responder wohnen oder arbeiten rund ums Feuerwehrhaus. Eine Hälfte ist tagsüber verfügbar, die andere nachts“, erklärt Michael Salwik, der bei der Feuerwehr Herbrechtingen für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Wird irgendwo im Stadtgebiet über die Telefonnummer 112 eine bewusstlose Person gemeldet, geht der Alarm auch an die First Responder. „Da wird grundsätzlich angenommen, dass Lebensgefahr besteht, und dann geht's blitzschnell los“, so Salwik.

Anziehen, packen, weg

Das heißt, die Helfer ziehen sich auf der Feuerwache ihre Jacke über, schnappen sich den Rettungsrucksack und den Defibrillator aus dem First-Responder-Schrank, laden ihr Equipment in den Transporter und rücken innerhalb von zwei oder drei Minuten aus.

„Am Einsatzort beginnen sie dann mit den lebensrettenden Sofortmaßnahmen und überbrücken die Zeit, bis der Rettungsdienst eintrifft“, so der Pressesprecher. Die entsprechenden Notfälle reichen von kurzzeitiger Bewusstlosigkeit bis hin zum Herzstillstand oder Suizid-Versuch. Dass das nicht immer leicht ist, weiß auch Abteilungskommandant Sascha Frey, der selbst zur First-Responder-Gruppe gehört: „Jeder Einsatz mit Reanimation ist belastend, aber wenn man dann erfolgreich ist, ist es umso positiver.“

Die Zusammenarbeit mit dem Rettungsdienst funktioniere jedenfalls sehr gut, zumal das Feuerwehrpersonal teilweise im Rettungswagen mitfahren und weiter bei den Wiederbelebungsmaßnahmen helfen müsse. „Oft weiß man nicht, wie ein Fall am Ende ausgegangen ist und fragt sich, ob das eigene Zutun überhaupt was gebracht hat. Manchmal ist es aber auch gut, es nicht zu wissen“, so Salwik. Ebenso unvorhersehbar wie die Einsätze selbst sind die Orte, erklärt Frey: „Kirchen, Kinderspielplätze, Straßen, Altenheime – da ist alles dabei.“ Beim Anrücken hatte es – zumindest in der Anfangszeit – laut Frey oft verdutzte Gesichter gegeben: „Ich hab doch gar nicht die Feuerwehr gerufen, war, glaub' ich, die häufigste Reaktion.“ Mittlerweile habe sich aber alles eingespielt, und die First Responder gehörten zum Stadtbild dazu.

Zum Wohle der Mitbürger

Die Stadt übernimmt auch die anfallenden Kosten für Fahrzeuge, Equipment, Personal, Wartung etc. „Das Ganze ist ein Service im Rahmen des Herbrechtinger Sicherheitskonzepts und eine freiwillige Leistung gegenüber dem Bürger“, erklärt Salwik. Eine Leistung, die die acht Männer im Alter zwischen 25 und 55 Jahren gerne bringen. Denn Dominic und Werner Etti, Bernd Wiedenmann, Bruno Kalafus, Max Melzer, Thorsten Lauer und Tim Hofmann „haben alle von sich aus gesagt, sie wollen es machen“, so Frey. Rund 30 Einsätze pro Jahr und eine zusätzliche Fortbildung sind der Preis. Doch um Leben zu retten, nehmen die Feuerwehrsanitäter ihn gerne in Kauf.

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