Königsbronn Kunst auf dem Boden: Friedemann Blum stellt aus

Kunst auf dem Boden: Friedemann Blum zeigt eine Installation im Torbogenmuseum zugunsten der SOS-Kinderdörfer.
Kunst auf dem Boden: Friedemann Blum zeigt eine Installation im Torbogenmuseum zugunsten der SOS-Kinderdörfer. © Foto: Christian Thumm
Königsbronn / Joelle Reimer 21.08.2018
Mit einer Installation im Torbogenmusuem will der Königsbronner Künstler Friedemann Blum zum Nachdenken anregen und Spenden für Kinder in Not sammeln. Er präsentiert dabei ganz verschiedene Werke der vergangenen Jahre.

Eingestürzte Wohnhäuser reihen sich an brennende Autos. Zwei Mädchen, die mit Trümmerteilen spielen. Grautöne, aus denen das leuchtende Orange des Feuers beißend heraussticht. In einem kleinen Tümpel planschen ein paar Jungs. Bei näherer Betrachtung ist der Tümpel kein Tümpel mehr, sondern nur noch ein mit Wasser gefülltes Loch, mitten in der Stadt – ein Granateneinschlag. Daneben ein junger Mann, der ein Kind trägt. Arme und Beine hängen nach unten. Über seine Wangen laufen Tränen.

Die Fotos, die der Königsbronner Künstler Friedemann Blum in einem Raum im ersten Stock des Torbogenmuseums über alle vier Wände hinweg aneinandergereiht hat, sind nicht schön. Es sind Kriegsbilder, Bilder der Zerstörung. Bilder aus Aleppo. Ein endloses Band des Leides, wie er selbst sagt. Sie sind Teil einer Kunstaktion, die Blum momentan aufbaut und die die Besucher vom 2. September bis 7. Oktober dort betrachten können. „Wobei, das ist so nicht ganz richtig. Eigentlich ist die Aktion in ihrer vollständigen Form nur am Anfang zu sehen. Später dann hoffentlich nur noch in Teilen, beziehungsweise vielleicht auch gar nicht mehr. Mir läge viel daran, dass sich der Raum leert“, sagt der Königsbronner Künstler.

Die Fotos nämlich sind lediglich so etwas wie ein Rahmen für die eigentliche Kunst, die jedoch nicht an den Wänden hängt, sondern auf dem Boden des Raumes liegt. Und auch hierbei drehen sich die Gedanken des Künstlers um Aleppo, wenn auch seine Werke keinen direkten Bezug dazu zeigen. Es sind Arbeiten, die in den vergangenen 40 Jahren entstanden sind, seien es Ölmalerei, expressive Malerei oder materialbezogene Kunst.

„Ich habe auf dem Boden des Raumes mit Klebeband einen Ausschnitt aus dem Stadtplan von Aleppo geklebt. Darin liegen, anstelle der Bebauung, meine Werke“, erklärt Blum. Der Besucher kann also auf den dadurch entstandenen Wegen durch den Ausstellungsraum gehen wie durch die Straßen der Stadt.

Doch Blum will mit seiner Installation unter dem Titel „Am Boden – Für die Kinder von Aleppo“ nicht nur den Ist-Zustand zeigen, sondern den Gedanken etwas weiter spinnen. „Alle Werke sind zu kaufen. Mit dem Erwerb werden die Kunstwerke sozusagen wieder aufgerichtet, was symbolisch für den Lebensraum in Aleppo stehen soll“, so Blum. Der Spendenerlös kommt anschließend dem SOS-Kinderdorf in Aleppo zugute.

Zum Nachdenken anregen

Den Gedanken für eine solche Ausstellung trägt Blum schon länger in sich – noch mehr, seit seine Enkeltochter geboren wurde. Dadurch sei ihm bewusst geworden, wie behütet die Kinder hierzulande aufwachsen und welches Leid andernorts herrscht. „Vor 30 Jahren hätte ich diese Gedanken vielleicht noch nicht gehabt, aber die Idee der SOS-Kinderdörfer, dass Kinder eine neue Heimat bekommen, hat mich immer fasziniert“, sagt der 66-jährige Königsbronner. Vielleicht könne er die Menschen durch seine Ausstellung sensibilisieren oder zum Nachdenken anregen, so seine Hoffnung.

Ein paar Schritte entfernt zeigt Blum weitere Arbeiten der vergangenen Jahre – unabhängig von der Kunstaktion. So hängen beispielsweise Barbiepuppen an einer Wand – mit und ohne Kleidung. Was das soll? Blum lacht. „Das hat mich der Hausmeister auch gefragt. Und da dachte ich: Okay, meine Kunst ist erklärungsbedürftig. Deshalb werde ich während der Ausstellung auch einige Tage selbst vor Ort sein“, sagt der Königsbronner.

Aber zurück zur Barbie. Auf die Idee sei er in einem Italien-Urlaub gekommen, erzählt Blum. „Ich habe eine alte Frau kennengelernt, die aus alter Wolle neue Kleidung für die Puppen macht und verkauft. Das Geld schickt sie dann an ihren Bruder in Brasilien, der an einem Projekt für Straßenkinder arbeitet.“ Bei seiner Arbeit, so erklärt er weiter, sei ihm nicht mehr so sehr die Kunst an sich wichtig, sondern vielmehr das, was die Menschen an Spuren darin hinterlassen. „Viele Maler malen gut. Mich aber interessiert, was die Menschen hinterlassen. Da hat sich meine Arbeit schon etwas radikalisiert – und deshalb erklärt sie sich vielleicht auch nicht auf den ersten Blick.“

Die Vernissage findet am Freitag, 31. August, um 19 Uhr statt. Geöffnet ist sie sonntags (2.,9.,16.,23., und 30.9. sowie 3. und 7.10.) von 11 bis 17 Uhr und freitags (7. und 14.9. sowie 5.10.) von 17 bis 20 Uhr. Der Künstler wird immer freitags und am 9.9. anwesend sein.

Zur Person: Friedemann Blum

Der Künstler, der in Königsbronn lebt und arbeitet, wurde 1952 in Lauingen an der Donau geboren. Er studierte Kunst in Stuttgart und gewann 1980 den Kunstpreis der Stadt Schwäbisch Gmünd. Seither bestreitet er regelmäßig Einzel- und Gruppenausstellungen.

Seine Arbeitsweise beschreibt er als Spurensicherung, als Erinnerung, geprägt vom Interesse an den Überresten vergangenen Lebens. Diese Spurensuche macht er an bestimmten Gegenständen fest.

Zur Ausstellung in Königsbronn hält am Mittwoch, 5. September, um 19 Uhr die ehemalige Journalistin Katharina Ebel einen Vortrag „Aleppo am Boden – SOS-Kinderdörfer im Krieg“ in der Hammerschmiede.

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