Kreis Heidenheim Kreis Heidenheim: Mit Bio-Bauern zu sauberem Wasser

Landwirtschaft und sauberes Wasser: Die Landeswasserversorgung sieht in der Ernennung des Landkreises zur Bio-Musterregion eine Chance, beides mehr in Einklang zu bringen.
Landwirtschaft und sauberes Wasser: Die Landeswasserversorgung sieht in der Ernennung des Landkreises zur Bio-Musterregion eine Chance, beides mehr in Einklang zu bringen. © Foto: Alex Koch, stock.adobe.com
Kreis Heidenheim / Klaus Dammann 07.06.2018
Die Landeswasserversorgung sieht im Zuge der Bio-Musterregion Heidenheim die Chance zum landwirtschaftlichen Strukturwandel und so zur Nitratreduzierung. Auch zum finanziellen Engagement ist man bereit.

Der Landkreis Heidenheim ist zur Bio-Musterregion ernannt worden. Im Landratsamt freut man sich darüber und stellt Überlegungen an, wie durch das vom Land mit bis zu 100 000 Euro geförderte Regional-Management die Situation bei Erzeugung, Verarbeitung und Vermarktung von biologisch hergestellten Produkten verbessert werden kann. Auch beim Zweckverband Landeswasserversorgung (LW) ist die Freude über die Ernennung groß und man hat darin eine Chance erkannt: „Für uns kann dieses Projekt heißen, dass wir zu sauberem Trinkwasser kommen“, so Bernhard Röhrle, Pressesprecher der Landeswasserversorgung.

Die LW sehe in der Bio-Musterregion eine Weichenstellung, die in der Landwirtschaft einen Strukturwandel ermöglichen könne und werde, der dem Umwelt- und Grundwasserschutz dient, schildert Röhrle. Weit über 90 Prozent der Heidenheimer Landkreisfläche sind Wasserschutzgebiet. Beabsichtigt sei, den Anteil der Bio-Landwirtschaft in den hiesigen Wasserschutzgebieten der LW – vorrangig in den Nitrat-Problemgebieten Härtsfeld und Niederstotzingen/Sontheim – zu erhöhen.

Ansatzpunkt des Zweckverbands ist die Vorstellung, dass in den betreffenden Schutzgebieten jene Höfe, die bereit sind, von konventioneller Bewirtschaftung auf Bio-Betrieb umzustellen, vom Land dabei zusätzlich gefördert werden sollten. Und auch die LW sei bereit, solche Umstellungen mit Zuschüssen zu unterstützen, sagt Röhrle, ohne bislang aber konkrete Summen nennen zu können.

Kontrollwert überschritten

Initiativ wird die LW aktuell vor dem Hintergrund, dass sowohl im Wasserschutzgebiet auf dem Härtsfeld nördlich des Egauwasserwerks wie auch in einigen Fassungen im Bereich Niederstotzingen/Sontheim steigende Nitratwerte registriert wurden. Gemäß Erhebungen der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg von 2017 ist im Mittelwert aller zu den beiden Schutzgebieten gehörenden Kommunen ein Stickstoffüberschuss um 26 Kilogramm je Hektar landwirtschaftlicher Fläche ermittelt worden. Der Kontrollwert nach Düngeverordnung liegt bei 50 Kilogramm je Hektar.

Während einige Teile der Donauried-Wasserfassungen bereits seit mehreren Jahren Problemgebiete darstellen, wurde das Härtsfeld-Schutzgebiet erst 2018 wegen der in den vergangenen drei Jahren gestiegenen Nitratwerte erneut als Problemgebiet eingestuft. Der Grenzwert der Trinkwasserverordnung werde zwar in keinem der Fälle erreicht oder gar überschritten, doch sehe sich die LW aufgrund des Trends zum Handeln veranlasst, so Röhrle. Beim Zweckverband sieht man in der Bio-Landwirtschaft eine dauerhafte Lösung der Nitrat-Probleme: „Die Stickstoff- bzw. Nitratbelastung reduziert sich bei Bio-Höfen deutlich, weil sie keinen mineralischen Dünger, weniger Gärsubstrate und viel weniger Gülle einsetzen“, sagt Röhrle. Die geringere Menge an Gülle rühre auch daher, dass die Viehhaltung weniger sei als bei konventionell bewirtschafteten Höfen.

Die genannten Substanzen seien die Haupteintragsstoffe, mit denen Nitrat in die Flächen und damit ins Grundwasser gelangen könne. Bio-Höfe betrieben eine extensivere Landwirtschaft und hätten demzufolge einen geringeren Ertrag, was dann aber durch höhere Abgabepreise kompensiert werde.

Veränderte Förderung

„Das Land nimmt große Summen in die Hand, um Problemgebiete zu beheben“, schildert der LW-Sprecher. Im Internet ist zu lesen, dass Landwirte entsprechend der seit Jahren geltenden Schutzgebiets- und Ausgleichs-Verordnung (Schalvo) bis vor einiger Zeit 165 Euro je Hektar im Jahr für extensive Bewirtschaftung bekommen konnten – so lange, bis ein Problem- wieder zum Normalgebiet wird. Bei der LW frage man sich, warum das Land alljährlich eine konventionelle Landwirtschaft finanziert, ohne dass sich Entscheidendes ändert, statt eine dauerhafte Veränderung zu ermöglichen.

Mit einem Teil der Schalvo-Gelder könnte die Bio-Umstellung in den Schutzgebieten zusätzlich gefördert werden, und dies bedeute mittelfristig neben Vorteilen für Umwelt und Grundwasser auch finanzielle Vorteile, so Röhrle. Damit könne man das Projekt Bio-Musterregion zum Erfolg machen.

Um dieses Ziel zu erreichen, seien viele Akteure gefordert, betont der LW-Sprecher. Neben dem Land mit einer erweiterten Förderung seien dies der durch Aktionen unterstützende und sich um die Vermarktung kümmernde Landkreis sowie Landwirte, die zur Umstellung bereit sind. Die Landeswasserversorgung könne der vierte Beteiligte sein. „Die LW hat dieses Angebot dem Land schon vor einigen Jahren gemacht.“ Geschehen sei über die Jahre aber nichts.

Wunsch des Zweckverbands wäre es, drei bis fünf Höfe im Jahr umzustellen und dabei finanziell zu unterstützen: „Das Ganze über mehrere Jahre hinweg. Die großen Gelder müssen aber vom Land kommen.“ Jetzt sei es nötig, dass Landkreis, Landratsamt und Landrat die vorliegenden Zahlen der Belastungen ihrer Flächen beim Land vorlegen, um eine Veränderung der Förderstrukturen zu erreichen, erläutert Röhrle. Die Verbesserung der Nitratkonzentration sei gemeinsames Ziel: „Wir sind uns sicher: Mit der Bio-Landwirtschaft geht es. Wir stehen am Beginn einer Zusammenarbeit.“

Was die Kosten einer Umstellung auf Bio-Betrieb angeht, so kann Andreas Haumann, Fachbereichsleiter Landwirtschaft am Heidenheimer Landratsamt, keine konkreten Summen nennen. Es hänge von der Art des Betriebs ebenso ab wie von seiner Größe. Rein im Ackerbau müsse man wohl nicht allzu viel investieren, bei Tierhaltung sei das aber schon möglich – so etwa wegen erforderlicher Umbauarbeiten. Für manche Viehhalter könne eine Umstellung trotz Förderung schwierig sein, wenn durch die extensive Bewirtschaftung der Futteranbauflächen deren Größe für das Vieh nicht mehr ausreicht. Außerdem habe es auch schon Milchviehbetriebe gegeben, die umgestellt hatten oder dies wollten, aber Absatzprobleme mit ihrer Milch hatten.

Unterstützung vom Land

Bei einer Umstellung auf Öko-Betrieb gebe es schon lange Fördermittel vom Land für alle Flächen, nicht nur für Wasserschutzgebiete: während der zweijährigen Umstellungsphase beispielsweise 350 Euro je Hektar und Jahr bei Grün- und Ackerland. Und nach der Umstellung seien dauerhaft jährlich 230 Euro je Hektar im Rahmen einer EU-co-finanzierten Maßnahme zu bekommen für das Erbringen einer öffentlichen Leistung. Außerdem unterstütze das Land Umbauarbeiten bei Ställen für Öko-Betriebe.

Das Ziel der Landeswasserversorgung kann Haumann bestätigen: „Biobetriebe können zur Verbesserung der Situation beim Grundwasser durchaus beitragen.“

Zur Musterregion gehören neben dem Landkreis Heidenheim auch die Ostalbkreis-Kommunen Heubach, Bartholomä, Essingen, Oberkochen und Neresheim. Im hiesigen Kreisgebiet gibt es insgesamt 592 landwirtschaftliche Betriebe. 59 davon betreiben bereits Ökolandbau.

Die Landeswasserversorgung Baden-Württemberg und ihre Aufgaben

Im Zweckverband sind Kommunen und Versorgungsunternehmen aus Baden-Württemberg und in geringem Umfang auch aus Bayern zusammengeschlossen. Es handelt sich um ein großes deutsches Unternehmen zur Fernwasserversorgung von rund 250 Städten und Gemeinden. Der Sitz des Zweckverbands ist in Stuttgart.

Gegründet wurde die Landeswasserversorgung 1912, die erste Anlage zur Wasserversorgung ging 1917 mit dem Niederstotzinger Wasserwerk in Betrieb. Einige Jahre später, 1953 bis 1957, wurden dann die Buchbrunnenquelle bei Dischingen gefasst und das Egauwasserwerk zwischen Dischingen und Ballmertshofen errichtet.

1965 wurde aus der Staatlichen Wasserversorgung der heutige kommunale Zweckverband. Zwei Jahre später ging das Wasserwerk Burgberg in Betrieb und 1968 bis 1973 entstand das Wasserwerk Langenau. 2017 wurde das 100-jährige Bestehen der LW gefeiert.

Die Wasserwerke in Langenau und Dischingen versorgen rund drei Millionen Einwohner im Land Baden-Württemberg mit Trinkwasser über ein 775 Kilometer langes Leitungsnetz. Aus diesem Grund gehört zur Sicherung der Wasserqualität auch der Einsatz für den Schutz des Grundwassers. Die jährliche Abgabe der LW liegt bei über 90 Millionen Kubikmetern Trinkwasser.

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