Kreis Heidenheim / Christine Weinschenk  Uhr
167 Asylbewerber leben derzeit in der Gemeinschaftsunterkunft in der Walther-Wolf-Straße in Heidenheim. 28 wurden bis dato auf die Kommunen verteilt. Die Gemeinden bereiten sich auf höhere Zuweisungszahlen vor und suchen nach Wohnraum.

Kriege und Krisen in der Welt sorgen für mehr Asylbewerber in Deutschland. Deutlich mehr Menschen als im Vorjahr suchen hier Zuflucht. Auch im Landkreis Heidenheim. Die Zahlen seien im August dieses Jahres angestiegen, sagt Silvia Sauter, Geschäftsbereichsleiterin für die soziale Sicherung und Integration im Landratsamt.„Im Oktober ging es aber richtig los.“ Durchschnittlich 18 Menschen werden dem Landkreis derzeit monatlich von der Landesaufnahmestelle für Flüchtlinge in Karlsruhe zugeteilt. Zum Vergleich: im Juli waren es noch sieben.„Das wird sich zumindest in diesem Jahr auch nicht mehrändern“, sagt Sauter.

Zumal in Berlin diskutiert wird, Flüchtlinge aus Syrien aufzunehmen. CDU-Bundestagsabgeordneter Roderich Kiesewetter:„Die Bereitschaft zu helfen ist da.“ Derzeit werde darüber im Auswärtigen Ausschuss beraten.„Das muss sorgfältig abgestimmt werden und dauert sicher noch ein paar Wochen. Aber nächste Jahr kann das ein Thema werden.“ Sollte der Bundestag entscheiden, 50 000 Syrern Zuflucht zu gewähren, hieße das für den Landkreis Heidenheim einmalig 70 bis 100 und für den Ostalbkreis 130 bis 150 Syrer aufzunehmen.

Untergebracht werden Asylbewerber im Landkreis Heidenheim zunächst in der Gemeinschaftsunterkunft in der Walther-Wolf-Straße. Derzeit leben dort 167 Menschen. Die Kapazität sei zu 90 Prozent ausgeschöpft, sagt Sauter. Man suche nach Ausweichquartieren. So seien im Haus in der Walther-Wolf-Straße noch Wohnungen verfügbar, die bisher von der Stadt Heidenheim genutzt werden.

28 geduldete Personen

15 Personen wurden seit August auf die Gemeinden im Landkreis verteilt– genauer an Herbrechtingen, Giengen, Niederstotzingen und Gerstetten. Allerdings nur Personen, bei denen das Verfahren bereits abgeschlossen ist. Das heißt, der Asylantrag wurde abgelehnt, die Personen werden geduldet. Eine Duldung erhält, wer Deutschland verlassen muss, aber (noch) nicht abgeschoben werden kann, zum Beispiel weil kein Pass vorliegt, wegen einer Erkrankung oder weil es keinen Weg gibt, eine Kriegsregion anzufliegen. In Deutschlandleben rund 87 000 geduldete Menschen, teilweise schon seit mehreren Jahren.

Asylbewerber, deren Antrag noch geprüft wird, kommen ausschließlich in der Walther-Wolf-Straße unter.„Solange es geht, soll das so bleiben“, sagt Sauter. Die Situation sei hier noch nicht wie im Ostalbkreis, wo händeringend nach Wohnraum gesucht wird und Flüchtlinge gleich nach ihrer Ankunft auf Kommunen verteilt werden (wir berichteten).„Im Moment können wir es in Heidenheim noch so bewältigen“, sagt Sauter.

Insgesamt leben 28 Asylbewerber in den Kommunen im Landkreis. In Herbrechtingen sind neun Flüchtlinge aus Pakistan, China und Indien in der Pfarrstraße untergebracht. Man könne noch weitere Asylbewerber aufnehmen, eine Zahl kann man allerdings nicht nennen.„Das kommt drauf an, ob es sich um einzelne Männer oder Familien handelt“, sagt Kristin Bosch.

Seit gut zwei Jahren leben in Sontheim/Brenz keine Asylbewerber mehr. Allerdings habe das Landratsamt angekündigt, dass die Gemeinde Anfang kommenden Jahres vier Personen aufnehmen müsse, sagt Hauptamtsleiter Martin Hofman. Ein gemeindeeigenes Wohngebäude soll dafür genutzt werden. Insgesamt könnten hier bis zu fünf Personen untergebracht werden. Ende der 90er-Jahre habe man mehr als 20 Asylbewerber in einer Wohnbaracke in der Eichendorfstraße untergebracht, so Hofman. Diese sei aber in einem schlechten Zustand und für diese Zwecke nicht mehr nutzbar.

In Giengen leben Asylbewerber zusammen mit Obdachlosen in sogenannten Mischunterkünften. Anfang der 90er Jahre– im Zusammenhang mit dem Bürgerkrieg auf dem Balkan– wies die Große Kreisstadt sehr hohe Belegungszahlen auf. Bis zu 250 Flüchtlinge und Obdachlose lebten in Gemeinschaftsunterkünften im Stadtgebiet und den Teilorten. Derzeit leben 70 Menschen an drei Standorten im Bereich Pommernweg, Scharenstetter- sowie in der Riedstraße. Davon sind sechs Asylbewerber.„Wir haben keine riesigen Kapazitäten mehr, sind aber auch nicht ausgelastet“, sagt Ordnungsamtsleiter Uwe Wannenwetsch.

„Keine riesigen Kapazitäten“

In Königsbronn sind derzeit drei Asylbewerber an zwei Standorten untergebracht.„Wir sind aber auf der Suche nach mehr Wohnraum, weil wir im nächsten Jahr mit weiteren Zuweisungen rechnen“, so Hauptamtsleiter Joachim Ziller. Die Gemeinde habe, um Wohnraum zu finden, im Gemeindeblatt inseriert. Mehrere Immobilienbesitzer hätten sich daraufhin gemeldet. Auch hier seien Mischunterkünfte mit Obdachlosen vorgesehen.

Drei Inder sind seit Mai dieses Jahres in Nattheim in einem gemeindeeigenen Gebäude in der Hauptstraße untergebracht. Die Gemeinde hat das Gebäude vor kurzem gekauft und könnte auch noch fünf weitere Flüchtlinge dort aufnehmen.„Damit hätten wir kein Problem“, sagt Hauptamtsleiter Hanns Klein. Aktuell gebe es allerdings keine konkrete Anfrage von Seiten des Landratsamtes.

Seit rund vier Jahren bewohnt ein Asylbewerber aus China eine Wohnung im Dischinger Gemeindehaus in der Fleinheimer Straße. Das Gebäude sei in einem sehr maroden Zustand, so Hauptamtsleiterin Martha Neufischer und solle abgerissen werden. Die Mietverhältnisse will man nach und nach auslaufen lassen. Wo man Flüchtlinge dann unterbringen könnte, ist noch unklar.

Hermaringen hat einen Wohncontainer für Obdachlose und Asylbewerber im Gewerbegebiet am Ortsrand, nahe Wilhelmsbrücke und Kläranlage. Hier sei Platz für ein bis zwei Personen, so Hauptamtsleiter Harald Uherek. Derzeit steht der Container leer. Bisher habe sich die Gemeinde noch nicht aktiv auf die Suche nach Wohnraum gemacht.

Zwei Asylbewerber aus dem Irak und Algerien leben derzeit in Gerstetten. Zwei weitere wird die Gemeinde in den kommenden Wochen aufnehmen. Untergebracht werden sie in einem Haus im Gebiet Halde in der Oberen Kirchstraße. Das betreffende Haus habe längere Zeit leer gestanden, sagt Hauptamtsleiter Rudolf Stang.„Das ist kein Luxus und von außen sieht es nicht so toll aus, aber man kann es sich schon gemütlich machen.“ Von Mehrfachbelegung der Zimmer mit Stockbetten will man absehen. Damit habe man in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht. Weiteren Wohnraum hat die Gemeinde in der Seestraße, hier steht ebenfalls ein älteres Gebäude leer.„Wenn das belegt ist, wird es aber schwierig“, sagt Stang.

In Niederstotzingen sind derzeit zwei Asylbewerber aus dem Libanon und Iran im ehemaligen Rathaus in Oberstotzingen untergebracht.„Wir hätten noch Platz, suchen aber auch nach neuem Wohnraum“, sagt Hauptamtsleiter Daniel Salemi. Man sei noch nicht an die Bevölkerung herangetreten, sondern klopfe zunächst alle städtischen Möglichkeiten ab.

In Steinheim sind seit dem Frühjahr zwei Asylbewerber in einem Haus in der Forststraße, das auch als Obdachlosenunterkunft genutzt wird, untergebracht. Noch stehe Wohnraum zur Verfügung, man bereite sich auf höhere Zuweisungszahlen vor, so Petra Diebold vom Ordnungsamt.