Kreis Heidenheim Kommentar: „Zu wenig Transparenz“

Thomas Zeller, Redaktionsleiter der Heidenheimer Zeitung.
Thomas Zeller, Redaktionsleiter der Heidenheimer Zeitung. © Foto: hz
Kreis Heidenheim / hz 06.06.2018
Erhöhte Radon-Werte im Kreis Heidenheim werfen Fragen auf. Ein Kommentar von Thomas Zeller.

Radon ist unsichtbar. Das Gas kommt von unten, dringt durch Risse in den Keller und von dort hinauf in die Wohnbereiche. Wird es in einer zu hohen Konzentration eingeatmet, drohen den Bewohnern schwere Lungenschäden.

Deshalb ist es sinnvoll, dass im neuen Strahlenschutzgesetz nun erstmals Referenzwerte für das radioaktive Gas ausgewiesen werden. Bei den vorbereitenden Maßnahmen für die Umsetzung des Gesetzes wären aber mehr Kommunikation und Transparenz nötig gewesen. Wie kann es beispielsweise sein, dass bei einer Untersuchung des Landes wie in Steinheim hohe Radon-Werte gemessen werden und die betroffene Gemeindeverwaltung darüber nicht informiert wird. Das sorgt für Unruhe, die bei einer besseren Kommunikation hätte vermieden werden können. Gerade wegen der geringen Fallzahl bei den Messungen, besteht in Steinheim nun weiterer Handlungsbedarf.

Denn es ist wichtig, dass Fehlmessungen zügig geradegerückt werden, weil das Land ab 2019 beginnen wird, Radon-Risikogebiete auszuweisen. Arbeitgeber, ob öffentlich oder privat, sind dann verpflichtet, in ihren Firmengebäuden Messungen und bei Referenzwert-Überschreitung Sanierungen vorzunehmen. Das kann für betroffene Firmen und die öffentliche Hand sehr teuer werden.

In der Konsequenz werden solche Standorte für Unternehmensansiedlungen deutlich an Attraktivität verlieren. Auch viele Eigenheimbesitzer und Mieter werden sich in diesen Gebieten fragen, ob ihre Gesundheit gefährdet ist. Hier sind die Behörden nun in der Pflicht, mit weiteren Messreihen schnell Klarheit zu schaffen

Denn Steinheim ist im Landkreis kein Einzelfall, auch in Heidenheim wurden anscheinend die Referenzwerte bei der Radon-Konzentration überschritten. Besonders brisant ist das Ergebnis, weil es sich auf eine Schule im Stadtgebiet bezieht. Gerade wenn es um den Schutz von Kindern geht, sollte Transparenz wichtig sein. Den Namen der Schule mit dem Verweis auf den Datenschutz nicht zu nennen, wirkt dabei nicht besonders vertrauensbildend. Natürlich will die Schule Panik vermeiden. Das gelingt aber besser, wenn offen über Probleme gesprochen wird, als die erhöhten Messwerte zu verschweigen.

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