Fest Königsbronn feiert "650 Jahre Eisenverhüttung"

Dem Meister auf die Finger gucken: Porzellanmodelleur Uwe Kuenzel, hier bei einem früheren Besuch in Königsbronn, zeigt am Festwochenende, 12. und 13. September, sein Handwerk. Mit von der Partie ist dann auch Horndosen-Experte Rudolf Gögl.
Dem Meister auf die Finger gucken: Porzellanmodelleur Uwe Kuenzel, hier bei einem früheren Besuch in Königsbronn, zeigt am Festwochenende, 12. und 13. September, sein Handwerk. Mit von der Partie ist dann auch Horndosen-Experte Rudolf Gögl. © Foto: Archiv, Gerhard Stock
Königsbronn / Laura Strahl 02.09.2015
Der Kohlemeiler ist angezündet, das Festwochenende "650 Jahre Eisenverhüttung" kann kommen: Gefeiert wird am 12. und 13. September mit einer Kulturmeile. Dabei setzt der Kulturverein Königsbronn aber nicht ausschließlich auf heißes Eisen – sondern auch auf Porzellan und Hirschhorn.

Bodenkämpfe, Feuershow, Gaukler. Wenn am 12. und 13. September in Königsbronn das Mittelalter Einzug hält, passen auch seltene und traditionsreiche Handwerksberufe ins Programm. Mit von der Partie ist dann auch Rudolf Gögl, 77 Jahre alt und einer der letzten Hersteller von Schnupftabakdosen aus Hirschhorn. Genau genommen aus Hornrosen, wie der ehemalige Braumeister aus Börtlingen im Landkreis Göppingen erklärt.

Gemeint ist damit die raue, unterste Stelle eines Geweihs, die vom Rest abgetrennt und anschließend auf der Drehbank ausgehöhlt wird. „Eine sehr staubige Geschichte“, sagt Gögl, „vor Ort kann ich das nicht machen“.
Fragen aller Art beantwortet der Horn-Experte aber nur allzu gern. Über die Geschichte des alten Handwerks, das in seiner Familie bereits in fünfter Generation betrieben wird zum Beispiel, oder über die Kunst der Brandmalerei, die er beim Verzieren der Dosen anwendet. „Das geht nur mit einer Lupe und einem Brenngerät.“

An seinem Stand anzutreffen ist Gögl an beiden Festtagen jeweils von 14 bis 20 Uhr. Danach, sagt er, wird er sein Handwerk wohl nicht mehr auf Märkten präsentieren. „Ich gebe die Geschichte auf“, sagt er. Altershalber – aber auch aus einem anderen Grund: Die Hornrosen gehen ihm aus, Nachschub ist nicht zu bekommen. Nur noch circa 200 Stück hat Gögl auf Vorrat, sie stammen aus den 90er Jahren, als Gögl sich für eine fünfstellige Summe mit Hirschhorn eindeckte. „Jetzt arbeite ich nur noch auf Bestellung“, sagt er, das seien etwa 50 Stück pro Jahr.

Prominentester Besitzer einer Hirschhorndose aus dem Hause Gögl ist übrigens der frühere Papst Benedikt XVI. Josef Ratzinger. Über einen früheren Brauereikollegen sei er mit dem Bruder des damaligen Papstes, Georg Ratzinger, zusammengekommen. Und der suchte eben ein ausgefallenes Geschenk für das kirchliche Oberhaupt. Gesucht, gefunden . . .

Und was stand nun drauf auf der Papst-Dose? „Deus est caritas“, erinnert sich Rudolf Gögl, Gott ist die Nächstenliebe. Für seine Kunden verziere er seine Dosen aber auch gern mit anderen, weniger christlichen Sprüchen und Motiven. „Ich erfülle einfach die persönlichen Wünsche.“ Im Gespräch mit den Interessenten finde man immer das Passende, sagt Gögl.

Der einzige Vertreter traditionsreicher Handwerkskunst wird der 77-Jährige am Königsbronner Festwochenende wie gesagt nicht sein. Einblick in seinen Beruf gibt dann auch Porzellanmodelleur Uwe Kuenzel von der Porzellanmanufaktur Rosenthal im oberfränkischen Selb. Je nach Wetter zeigt er sein Handwerk am Samstag zwischen 14 und 18 Uhr an einem Stand vor bzw. in der Pfisterei. Passenderweise, denn dort ist ja bekanntlich im oberen Stockwerk das Königsbronner Kannenmuseum von Elisabeth Hug untergebracht.

Der Experte jedenfalls erläutert an seinem Stand die Entstehungsweise von Porzellan. Und wer das immer noch zu abstrakt findet, kann dem Meister auch bei der Arbeit am Modelliertisch über die Schulter schauen.

Info Die Königsbronner Museen haben an dem Wochenende ebenfalls geöffnet. Am Samstag ab 14 Uhr, am Sonntag ab 11 Uhr.

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