Energie Klimaschutz: Königsbronn will Nahwärmeversorgung durch regenerative Energiequellen

Informierten am Donnerstagabend in der Hammerschmiede in Königsbronn über die geplante Nahwärmeversorgung durch lokal erschlossene regenerative Energiequellen (von links): Projektleiter Dipl.-Volkswirt Martin Lohrmann, Werner Glatzle (Sprecher des Arbeitskreises Bürger-Energie), Dipl.-Ing. Dirk Mangold vom Forschungsinstitut Solites und Bürgermeister Michael Stütz.
Informierten am Donnerstagabend in der Hammerschmiede in Königsbronn über die geplante Nahwärmeversorgung durch lokal erschlossene regenerative Energiequellen (von links): Projektleiter Dipl.-Volkswirt Martin Lohrmann, Werner Glatzle (Sprecher des Arbeitskreises Bürger-Energie), Dipl.-Ing. Dirk Mangold vom Forschungsinstitut Solites und Bürgermeister Michael Stütz. © Foto: Hartmut Pflanz
Königsbronn / Gerhard Stock 02.12.2017
Königsbronn strebt eine Nahwärmeversorgung durch regenerative Energiequellen an und setzt dabei im ersten Schritt auf die Mitwirkung der Hausbesitzer an einer Umfrage.

Der Klimawandel ist nicht weit weg, sondern längst Realität und betrifft jeden. Gegensteuern lautet das Gebot der Stunde, so gut es geht und bezahlbar ist. Auf Basis dieser zentralen Botschaft ist in Königsbronn der Aufbau einer möglichst den ganzen Ort umfassenden Nahwärmeversorgung zur Beheizung von Wohnhäusern geplant.

Diese soll aus lokal zu erschließenden regenerativen Energiequellen gespeist werden, wobei wohl insbesondere die Solarthermie eine Rolle spielen kann. Aber auch industrielle Abwärme wie zum Beispiel die aus der Gießerei der Hüttenwerke soll nicht außer acht gelassen werden. Kann derlei wirtschaftlich dargestellt werden, ist die Gründung einer Energiegenossenschaft vorgesehen. Die soll dann das Wärmenetz inklusive Energiezetnrale bauen und die Nahwärme „zum Selbstkostenpreis“ an ihre Mitglieder abgeben.

Soweit die ehrgeizige Vision, die anderenorts bereits bewährte Realität ist, etwa im ländlichen Gussenstadt, wo man auf Biomasse setzt. Königsbronn steht bei dieser neuen Herausforderung noch am Anfang, arbeitet sich aber zielstrebig voran. Fachleute sind bereits mit dem „energetischen Quartierkonzept“ beauftragt, zu zwei Dritteln finanziert durch Fördergelder, aber auch durch erklecklichen Eigenanteil (etwa 40 000 Euro) der Gemeinde.

Ebenso exemplarisch wie gründlich untersucht wird im Auftrag des Gemeinderates von einem Expertenteam der nördliche Bereich der Gemeinde mit insgesamt rund 320 Häusern plus Hüttenwerke.

Anonymität zugesichert

In einem ersten Schritt soll nun mittels Umfrage der gebäude- und heizungstechnische Zustand der hier stehenden Immobilien erfasst werden. Die sich daraus ergebenden Daten werden dann wissenschaftlich ausgewertet, bei zugesicherter Anonymität und Datenschutz. Je mehr Hausbesitzer sich auf diese Umfrage einlassen und ehrliche Antworten geben, desto besser für den Erfolg des Projektes.

Es fehlte deshalb am Donnerstagabend in der Hammerschmiede nicht an entsprechenden Appellen an die Eigentümer der Gebäude. Immerhin etwa fünf Dutzend Betroffene waren erschienen. Bürgermeister Michael Stütz und Werner Glatzle, Sprecher des Zukunftsoffensive-Arbeitskreises Bürger-Energie, hatten zum ersten Infoabend in dieser Sache eingeladen. Wobei auch die mit dem energetischen Quartierkonzept befassten Ingenieure die sachlichen Hintergründe beleuchteten und Rede und Antwort standen.

Weg von klimaschädlichen fossilen Brennstoffen und hin zu erneuerbaren Energien, und das nicht jedes Haus für sich, sondern gemeinsam und möglichst den ganzen Ort umfassend - so lautet der Kern des Vorhabens Nahwärmeversorgung und Energiegenossenschaft.

Der Weg dorthin ist zwar noch weit, aber vorgezeichnet. Wieviel geschafft wurde, soll der Öffentlichkeit bei der nächsten Bürgerinformation im April 2018 berichtet werden. Bis dahin wird auch klar sein, welche regenerative Energiequelle vor Ort dafür in Frage kommt: Wind, Solarthermie, Geothermie, Biomasse, Umweltwärme, industrielle Abwärme.

Wobei schon klar ist, dass für Holz als Brennstoff nicht genügend Baum-Anbauflächen vorhanden sind. Und die Geothermie hat im Wasserschutzkreis Heidenheim eher wenig Chancen, weil der Untergrund tabu ist, zumindest auf 95 Prozent der Kreisfläche.

Was geht tatsächlich?

Vielleicht ist ja solare Fernwärme die Lösung, gestützt auf einen saisonalen Erdbecken-Wärmespeicher, wie etwa im dänischen Dorf Dronninglund. Was in Königsbronn tatsächlich geht und was das alles kosten wird, soll die nun erfolgende technisch-wirtschaftliche Analyse der Fachleute zeigen.

Darauf dürfe man sehr gespannt sein, so Bürgermeister Michael Stütz. Stolz sei er darauf, dass sich der Gemeinderat des Themas Klimaschutz sehr zielorientiert annehme und man auch die notwendigen Fachleute mit im Boot habe.

Einblick in die anstehenden Aufgaben und Ziele gaben ausführlich Projektleiter Martin Lohrmann, Dirk Mangold von Solites sowie Werner Glatzle. Letzterer lud zudem zum nächsten Treffen des Arbeitskreises Bürger-Energie ein, das am Mittwoch, 13. Dezember, in der Eichhalde-Schule stattfindet, also mitten im Untersuchungsgebiet. In angeregter Diskussion vertieften die Versammlungsteilnehmer noch viele Aspekte der komplexen Klimaschutz- und Heizenergie-Materie.