Dischingen / Marita Kasischke Harmonie mit Biss: Kabarettist Olaf Bossi brachte das Publikum in der Arche zum Lachen und Singen.

Nomen est Omen: „Harmoniesüchtig“ heißt das Programm, mit dem Kabarettist Olaf Bossi am Sonntagabend in der Arche auftrat. Der Name trifft ins Schwarze, und das sogar in zweierlei Hinsicht. Denn Olaf Bossi könnte sich auch das Etikett „Liedermacher“ anheften, so eingängig sind seine Harmonien. Ganz zu schweigen von der im menschlichen Zusammenleben: Sein Vorschlag wäre, auch so etwas Unangenehmes wie Scheidungen harmonisch zu gestalten. Die künftigen Ex-Eheleute würden sich feierlich vor dem Richter die Ringe abziehen, der Brautvater bringt die Braut hinaus und draußen warten die Kumpels auf den feuchtfröhlichen Junggeselleneinstieg.

Ach, überhaupt die Liebe! Nichts wie Ärger mit ihr, beim Kennenlernen, wo das erste Date, mühsam erkämpft durch ausgefeilte Formulierungen wie „Flasche sucht Dose zum gemeinsamen Recycle“ als Inserat, stark belastet wird durch Gedanken wie „Hab ich das Bügeleisen ausgeschaltet?“ Dann der sorgsam vorbereitete Heiratsantrag, der vor lauter Aufregung durch Schweigen an unpassendster Stelle vermasselt wird, die Jahre ohne Schlaf als junge Eltern – Olaf Bossi gab frank und frei zu, all seine Anekdoten aus dem Leben gegriffen zu haben, und zwar aus seinem eigenen.

Und sprach damit ganz offensichtlich auch aus dem Leben der rund 120 Zuschauer, denn sie amüsierten sich köstlich über seine Betrachtungen, noch mehr über die eingängigen und witzigen Lieder. Frauen beispielsweise, die heutzutage mühelos jede Lücke beparken und Abseits erklären können, aber dennoch ganz wie eh und je tausend Schuhe brauchen, um ihren eigenen Weg zu gehen. Ein Mann dagegen benötigt gerade mal drei Paar – und zwei davon stehen im Schrank. Kinder, deren Alltag vollgestopft ist mit Schule, Tennis, Geige, Mandarin, und die davon träumen, wenn sie groß sind, richtig Kind zu sein, und Eltern, die sich fragen, ob sie schlechte Eltern sind, wenn sie all das nicht von ihrem Nachwuchs fordern – Olaf Bossi schafft es, Nachdenkliches in heitere Musik zu verpacken und doch den tiefen Sinn darin nicht zu überdecken.

Ein zeitloses „Lalalalala“

Auch die „kleine Maus“, mit der es Olaf Bossi als „Das Modul“ in den 1990er Jahren in die Hitparaden schaffte, findet sich im Programm, jetzt allerdings auch mit Strophen. Damals, plaudert Bossi, sei das gar nicht gewünscht gewesen, für einen der seinerzeit angesagten „Happy Raves“ habe ein ausgiebiger „Lalalalala“-Part genügt. Jetzt hat die kleine Maus beim digitalen Rendezvous also noch ein paar muntere Verse erhalten, und das Publikum sang beschwingt mit – „Lalalala“ ist schließlich zeitlos und leicht zu merken.

Auch um das Mitsingen bei „Im Stau“ muss Olaf Bossi nicht lange bitten, auch wenn der Gesang durch ständige Lachanfälle gestört wird; eine Pointe jagt die nächste in diesem jahrelangen Stau, in dem der „Just-Married“-Aufkleber des Vordermanns durch „Emma, Ben und Luca an Bord“ ersetzt wird. Bei „Paese di miei“ allerdings kommt durchaus Urlaubsstimmung auf: In seiner zweiten Muttersprache besingt der deutsch-italienische Künstler seine beiden Heimatländer, und das klingt so sanft und einschmeichelnd und nach Meer, dass man niemals einen gebürtigen Stuttgarter dahinter vermuten würde.

Der Abend vergeht, das dürfte dem Künstler gefallen haben, in schönster Harmonie und schönster Laune, woran die hervorragende Zugabe nicht unschuldig war: Beim Schlaflied lief Olaf Bossi nochmal zur Hochform auf und sang und sang, weil das Kindlein partout nicht schlafen wollte, obwohl der Mann im Mond schon seine Sonnenbrille rausholt. Die Appetithäppchen auf das neue Programm von Olaf Bossi „Endlich Minimalist. Aber wohin mit meinen Sachen?“ machten Lust auf ein Wiedersehen. Harmoniesucht kann wirklich ansteckend sein.