Kreis Heidenheim / Manuela Wolf Mieten, wohnen, kaufen: Bezahlbarer Wohnraum ist knapp geworden im Landkreis, aber es gibt ihn. Sozialer Wohnungsbau ist deshalb nur ein Randthema im Heidenheimer Rathaus.

Ernüchternd, was der Immobilienmarkt hergibt im Landkreis Heidenheim, und das schon seit geraumer Zeit. Viele Leute suchen oft monatelang nach einem neuen Zuhause und gehen dann oft Kompromisse ein was Lage, Größe, Preis und Zustand angeht.

Auch der Blick in ein bekanntes Online-Portal deutet auf einen massiven Engpass hin: Vier Mietwohnungen in Gerstetten, Königsbronn und Nattheim null, Giengen sieben, Heidenheim 19. Ähnlich mau sieht es aus mit Häusern zur Miete. Es gibt schon hier und da ein paar Angebote. Die Preise allerdings schließen auch hier Geringverdiener, Alleinerziehende, Arbeitslose, Kranke oder ältere Menschen mit schmaler Rente aus. 1250 Euro Kaltmiete für 170 in die Jahre gekommene Quadratmeter ohne nennenswerten Garten – welcher Familienvater, dessen Arbeit mit Mindestlohn vergütet wird, kann sich das leisten?

Mit der Gründung der städtischen Grundstücks- und Wohnungsbau GmbH (SGWH) ist die Stadt Heidenheim nach knapp zehn Jahren Pause im Sommer 2017 wieder in den sozialen Wohnungsbau eingestiegen. Nun steht das erste Objekt kurz vor der Fertigstellung: In den Aufhausener Flachsäckern sind auf einer Fläche von 1200 Quadratmetern 15 Wohnungen entstanden, die zur Anschlussunterbringung von Flüchtlingen und auch für sozial schwache Mieter vorgesehen sind. Kostenpunkt: 2,4 Millionen Euro. Auch im Brenzpark Quartier in der Heidenheimer Oststadt und vermutlich im Haintal soll bezahlbarer Wohnraum entstehen. Im Wirtschaftsplan der SGWH ist für das Jahr 2021 ein Projekt mit 2,5 Millionen Euro veranschlagt.

Dass sich dadurch die Lage auf dem Immobilienmarkt deutlich entspannen wird, ist nicht anzunehmen. Stadtkämmerer Guido Ochs, der gleichzeitig auch Geschäftsführer der SGWH ist, will von Wohnungsnot trotzdem nicht sprechen: „Es wird nicht in Abrede gestellt, dass die Nachfrage größer ist als das Angebot. Und sicher gibt es auch zu wenige Baugebiete, doch neue auszuweisen, ist nicht so einfach. Aber wie Oberbürgermeister Bernhard Ilg bin auch ich der Meinung, dass es in Heidenheim keine Wohnungsnot gibt.“

Im Vergleich mit anderen Städten sei man nicht schlecht ausgestattet und verfüge rein vom Bestand her über überdurchschnittlich viele Wohnungen, sagt Ochs. Dass er selbst auch Mühe hatte, zum Amtsantritt in Heidenheim eine neue Bleibe zu finden, findet er nicht weiter tragisch. In der Weimarer Republik oder nach den Weltkriegen habe echte Wohnungsnot geherrscht: „Dass Menschen über eine längere Zeit nach bezahlbarem Wohnraum suchen müssen, ist etwas ganz anderes.“ Die Stadt hat derzeit 14 Objekte mit 45 Wohneinheiten angemietet, die von 176 Personen belegt sind. Weitere 40 Wohnungen mit einer Belegung von 60 Personen befinden sich im Eigentum der Stadt.

Wolfgang Lohner, Leiter der Wohnungslosenhilfe, im Interview

Wolfgang Lohner ist bei der Caritas Ostwürttemberg Leiter der Wohnungslosenhilfe und auch zuständig für den Landkreis. Seiner Meinung nach fehlt es vor allem an geeigneter Langzeit-Unterbringung für Personen mit sozialen Schwierigkeiten.

Herr Lohner, gibt es im Landkreis Heidenheim ausreichend Wohnraum für den Personenkreis, den die Wohnungslosenhilfe der Caritas betreut?

Wolfgang Lohner: Der Wohnungsmarkt in Heidenheim ist noch nicht ganz zu. Immer wieder mal findet sich hier und da ein Zimmer. Aber es genügt eben nicht, dass man ein Dach über dem Kopf hat. Wenn sich sechs Menschen, die Probleme mit Alkohol oder anderen Suchtmitteln haben, die langzeitarbeitslos sind und psychisch auffällig, zu sechst drei Zimmer teilen und das auch noch ohne jegliche Betreuung, sind Schwierigkeiten vorprogrammiert.

Viele Vermieter verlangen eine SCHUFA-Auskunft. Damit werden Menschen mit finanziellen Problemen als potentielle Mieter von vornerein ausgeschlossen.

Das Finanzielle ist für unsere Klienten nicht das große Problem. Es gibt ja bei den Sozialleistungen Obergrenzen für die Miete, die den Spielraum vorgeben. Das Problem sind die Vorbehalte vor allem von privaten Vermietern. Wenn da einer steht und sagt, dass er keinen Job hat und im Moment im Obdachlosenheim lebt, hat er keine Chance.

Wie hoch schätzen sie den zusätzlichen Bedarf an Sozialwohnungen ein?

Das kann jede Stadt und jede Gemeinde anhand ihrer eigenen Zahlen selbst herausfinden. Wie viele Menschen sind in ihrem Zuständigkeitsgebiet befristet untergebracht? Solche Mietverhältnisse bestehen oft über Monate oder gar Jahre hinweg und die Bedingungen sind nicht immer zumutbar. Für all diese Menschen wünsche ich mir ein dauerhaftes Zuhause.