Kreis Heidenheim Keine Entlastung auf den Bundesstraßen in Sicht

Mehr Verkehr gibt es nicht auf einer Bundesstraße im Kreisgebiet als auf dem Teilstück der B 19 zwischen Mergelstetten und Herbrechtingen. Fast 18 000 Fahrzeuge fahren hier jeden Tag im Schnitt.
Mehr Verkehr gibt es nicht auf einer Bundesstraße im Kreisgebiet als auf dem Teilstück der B 19 zwischen Mergelstetten und Herbrechtingen. Fast 18 000 Fahrzeuge fahren hier jeden Tag im Schnitt. © Foto: Markus Brandhuber
Kreis Heidenheim / Günter Trittner 15.06.2018
Entlang der Bundesstraßen befürchtet man ein bereits weitaus höheres Verkehrsaufkommen – und vor allem mehr Schwerlastverkehr.

Lässt man die A 7 außen vor, über die jeden Tag 40000 Autos fahren, dann ist außerorts im Landkreis der Verkehr zwischen Mergelstetten und Herbrechtingen am dichtesten. 17429 Kraftfahrzeuge nehmen hier im Mittelwert täglich dieses Teilstück der B19 unter ihre Räder, 936 davon gelten als Schwerverkehr.

Heidenheim trägt auch den Siegerkranz davon, wenn es um den meisten Verkehr innerorts geht. 24863 Pkw sind der tägliche Mittelwert für die B19 zwischen „Ohr“ und Totenberg. Der Schwerlastverkehr hier liegt bei 1319 Fahrzeugen.

Johann Rill, im Landratsamt zuständig für das Straßenwesen, hatte dem Ausschuss für Infrastruktur und Umwelt bei dessen jüngster Sitzung indes die Zahlen für 2010 und 2015 vorgelegt. Dieses, um einen besseren Vergleich zu ermöglichen. Denn bundesweit wird jeweils im Abstand von fünf Jahren gemessen und nur für diese Jahre sind Bezüge zu den Landeswerten möglich. Den meisten Mitgliedern des Ausschusses und auch Landrat Thomas Reinhardt wären aktuellere Zahlen für das Kreisgebiet aber lieber gewesen. Denn gerade entlang der Bundesstraßen befürchtet man ein bereits weitaus höheres Verkehrsaufkommen – und vor allem mehr Schwerlastverkehr. SPD-Kreisrat Walter Macher ging davon aus, dass auf den Kreis und die B 19 noch eine große Verkehrswelle zukommt, wenn im Ostalbkreis die Umfahrung von Mögglingen fertiggestellt ist. Dann werde der Lkw-Verkehr aus dem Neckarraum noch mehr diese Abkürzung wählen. „Beim Lkw kostet ja jeder Kilometer Geld.“

Steinheims Bürgermeister Olaf Bernauer sah eine ähnliche Entwicklung für die B 466 vorher. Dass Böhmenkirch eine Umfahrung erhalten solle, spreche doch für einen bereits hohen und noch wachsenden Verkehr. „Die Lkw bleiben aber dort nicht stehen.“ Beide Kreisräte forderten dazu auf, jetzt schon Überlegungen anzustellen wie man reagieren könne.

Umgehungsstraße nötig?

Wilhelm Oszfolk, ebenfalls SPD-Kreisrat, hatte für Hohenmemmingen bereits einen Handlungsvorschlag parat: eine Umgehungsstraße bauen. Wie nötig die ist, zeigte Oszfolk die Datensammlung von Rill. Was die Landesstraßen anbetrifft, ist die Strecke zwischen Giengen und Hohenmemmingen die am meisten befahrene von allen. 7868 Fahrzeuge gelten als täglicher Mittelwert nach den Messungen von 2015, davon sind 192 Schwerverkehr. Und auch bei den Kreisstraßen fällt der Name Hohenmemmingen. Auf der K3025 von Hermaringen nach Hohenmemmingen hat der Verkehr zwischen 2010 und 2015 mit 28,1 Prozent auf 2553 Kfz relativ am meisten zugenommen.

Aber auch hier wären aktuelle Werte für eine politische Diskussion wertvoller. Die Verwaltung will diese auch nachreichen. Denn gemessen, so Rill, werde kontinuierlich. Automatische Zählungen liefen außerorts von Frühjahr bis Herbst.

Höchster Lkw-Anteil

Generell gilt: Das Verkehrsaufkommen auf allen Straßen im Landkreis liegt unter den Landeswerten. Im Fünf-Jahres-Vergleich von 2010 nach 2015 fahren auf den Bundes- und Kreisstraßen mehr Autos, auf den Landesstraßen weniger. Auf den Kreisstraßen zeigt sich dabei ein besonderer Ausreißer: der Schwerlastverkehr hat um 39,3 Prozent zugenommen. Rill verwies dabei auf das Risiko bei punktuellen Zählungen. Da könne eine Rolle spielen, dass sich ein Betrieb neu angesiedelt habe, dass eine Umleitung über den Zählpunkt geführt habe oder dass zu dieser Zeit eine Baustelle für viel Schwerlastverkehr gesorgt habe. „Da findet sich meist eine plausible Erklärung.“

Als die am stärksten befahrene Landesstraße gilt nach den Daten von 2015 die Strecke zwischen dem Kreisel bei Oggenhausen und dem Autobahnzubringer zur A7 mit täglich 7429 Fahrzeugen. Der Anteil von 558 Fahrzeugen an Schwerverkehr gilt hier als der höchste auf allen Kreisstraßen.

Auf den Landesstraßen fließt der dichteste Schwerverkehr zwischen Herbrechtingen und Giengen mit 346 Fahrzeugen am Tag.

So wird gezählt

Der Verkehr wird auf zweierlei Arten berechnet: händisch innerorts und außerorts mit automatischen Zählgeräten. Diese nutzen Radartechnik und akustische Sensoren und werden in den Leitpfosten am Straßenrand montiert. Das geht zwar technikbedingt nicht an jeder Stelle, aber an ausreichend vielen. An weit über 100 Leitpfosten im Landkreis kann eines der rund 5000 Euro teuren acht Messgeräten eingebaut werden. Gemessen wird im Reihum-Verfahren. Das heißt, binnen fünf Jahren wird an jeder Messstelle gezählt. Im Bedarfsfall können aber an einzelnen Stellen mehrfach Messungen vorgenommen werden. Das Messgerät kann aufgrund seiner akustischen Messung und der Feststellung der Länge eines Fahrzeugs auch Busse von Lkw unterscheiden. Lkw haben den Motor vorn, Busse hinten.

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