Kreis Heidenheim Kein Schnirschnorgsmumpf

Lässt aufhorchen: die Band „Stormwitch“ (im Vordergrund Sänger Andy Mück, dahinter von links Jürgen Wannenwetsch, Volker Schmietow, Tobias Kipp und Marc Oppold).
Lässt aufhorchen: die Band „Stormwitch“ (im Vordergrund Sänger Andy Mück, dahinter von links Jürgen Wannenwetsch, Volker Schmietow, Tobias Kipp und Marc Oppold). © Foto: privat
Kreis Heidenheim / Jens Eber 16.11.2018
Der 1981 in Gerstetten gegründeten Metal-Band gelingt mit der neuen CD „Bound to the Witch“ ein regelrechter Paukenschlag. Elf neue und drei neu aufgenommene alte Songs machen Laune.

Es gab einst in den 1980ern die These radikal-christlicher Kreise in den USA, auf Rockmusikalben seien satanische Botschaften versteckt, die man nur höre, wenn die Alben rückwärts abgespielt würden. Was man da hörte, war freilich so etwas wie „Schnirschnorgsmumpf“.

Offenbar gab es in der Rockgeschichte aber schon Botschaften, die in Albentiteln versteckt waren. Ein Beispiel: Sänger David Lee Roth verließ 1985 die Band „Van Halen“ und veröffentlichte das Soloalbum „Eat 'em and smile“ („Iss sie und lächle“). Seine Ex-Kollegen brachten bald darauf mit dem neuen Sänger Sammy Hagar das Album „OU812“ heraus, ausgesprochen also: „Oh, you ate one too?“ („Oh, du hast auch eins verputzt?“).

Die Annahme, dass die Musiker auf diese putzige Art ein bisschen nachtraten, hält sich wacker. Und jetzt kommt's: einen ähnlichen Schlagabtausch könnte man auch auf lokaler Ebene annehmen.

Hexen-Humor

Das neue Album der 1981 in Gerstetten gegründeten Metalband „Stormwitch“ heißt „Bound to the Witch“. Kein schlechter Titel, wenn man seit Jahrzehnten übers Thema Hexen singt. Wäre da nicht die Heidenheimer Band „Witchbound“, die sich zum Großteil aus ehemaligen „Stormwitch“-Musikern zusammensetzt und sich ebenfalls einen einschlägigen Namen gegeben hat. Wird also zwischen den Hexen-Bands munter gestichelt?

Darauf angesprochen, lacht „Stormwitch“-Sänger Andy Mück am Telefon: „Das ist höchstens ein väterlich versöhnlicher Seitenhieb“, sagt er und fügt mit Blick auf die gemeinsame Vergangenheit der Musiker fröhlich hinzu: „Wir sind alle an die Hexe gebunden, ob wir wollen oder nicht.“ Andy Mück jedenfalls hatte großen Spaß an der Namenswahl, und bei „Witchbound“ nimmt man es dem Vernehmen nach ebenfalls mit Humor.

Wichtiger ist ohnehin, was sich hinter dem Titel verbirgt – und das hat ordentliche Teile der deutschen Metal-Szene in den letzten Woche die Ohren spitzen lassen. Dass nämlich die letzten „Stormwitch“-Alben an schwachem Sound und teils auch faden Songs krankten, bestreiten nicht einmal die Beteiligten. Umso mehr wirkt „Bound to the Witch“ wie ein Paukenschlag: Die Band klingt frisch, kraftvoll und bissig wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Das Fachblatt „Deaf Forever“ zückte in seiner Rezension 7,5 von zehn möglichen Punkten. Mit „Songs of Steel“ beginnt das Album mit einem knackigen Stampfer samt hochmelodischem Refrain. Überhaupt der Gesang: Auch mit 53 ruft Mück seinen charaktervollen Gesang anscheinend mühelos ab.

Mit „Odins Raven“ tritt die Band ordentlich aufs Gaspedal, Schlagzeuger und Rückkehrer Marc Oppold treibt das Stück zusammen mit dem Ur-Bassisten Jürgen Wannenwetsch voran. Nicht zuletzt die Rhythmusfraktion markiert einen der großen Unterschiede zum Vorgängeralbum: was dort schlapp und mechanisch klang, hat hat jetzt viel Schmackes.

Harmonierende Gitarristen

Dazu kommt: Mit Volker Schmietow und dem gerade mal 30-jährigen „Bandküken“ Tobias Kipp haben sich zwei neue Gitarristen um die Riffs gekümmert.

„Ich bin eher aus der Heavy-Fraktion“, sagt Schmietow, von ihm stammen härtere Songs wie „Arya“ mit seinem kantigen Hauptriff oder „Ancient Times“ mit seinem starken 80er-Anklang. Kipp dagegen lieferte die stärker melodischen Songs wie die Ballade „Nightingale“ und „Stormwitch“, der nach 37 Jahren tatsächlich so etwas wie eine Bandhymne ist. Wieder zwei so starke und harmonierende Gitarristen in der Band zu haben, ist für Sänger Mück wie die Erfüllung eines Traums: „Musik lebt vom Feeling, wir sind jetzt in der glücklichen Situation, sehr gerne zusammenzuspielen.“ Und er fügt hinzu: „Man kann bei Rock und Metal nicht betrügen, man spürt, ob der richtige Geist drin ist.“

Mück glaubt, dass das neue Album die Band in einer „Momentaufnahme glücklicher Zeiten“ zeigt. Neben elf neuen Liedern hat „Stormwitch“ als Bonus mit „Rats in the Attic“, „Stronger than Heaven“ und „Priest of Evil“ auch drei Songs der ersten Alben neu aufgenommen.

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