Gerstetten / Christine Weinschenk  Uhr
Der Start der Lokalbahn-Saison Gerstetten-Amstetten verzögert sich erneut – voraussichtlich bis Anfang Juli.

Die Querelen bei den Ulmer Eisenbahnfreunden (UEF) Lokalbahn Amstetten-Gerstetten nehmen kein Ende. Wie der neue Vorsitzende Korbinian Fleischer auf Nachfrage mitteilt, wird es nichts mit dem geplanten Saisonstart am kommenden Sonntag. Die Nostalgiezüge, die sonst zwischen Mai und Oktober jeden Sonntag über die Alb tuckern, werden also weiterhin durch einen historischen Omnibus ersetzt (wir berichteten).

Der Start in die Saison wird damit zum zweiten Mal verschoben. Warum? Korbinian Fleischer erhebt schwere Vorwürfe gegenüber dem Eisenbahnbetriebsleiter Severin Dünnbier, der sämtliche sicherheitsrelevanten Abläufe überwachen und leiten soll. „Er hat einfach utopische Vorstellungen, die von einer Lokalbahn nicht umsetzbar sind.“ So seien etwa seit Jahren zwei Notfallmanager im Verein vorhanden, diese Zahl sei auch gesetzlich vorgeschrieben. „Und jetzt erwartet der Betriebsleiter plötzlich, dass wir fünf ausgebildete Notfallmanager bereitstellen.“ Auch in anderer Hinsicht ist man sich offenbar reichlich uneins. „Wir haben Leute im Verein, die seit 25 Jahren die Bahnübergänge warten, und auf einmal sollen sie diese Aufgabe nicht mehr übernehmen dürfen“, kritisiert Fleischer.

Der HZ gegenüber will der Eisenbahnbetriebsleiter keine Stellungnahme abgeben. Insgesamt soll sich die Kommunikation zwischen Vereinsvorstand und Betriebsleiter ausgesprochen schwierig gestalten. Und das, obwohl Dünnbier seit Januar 2019 in seiner Funktion bei der Lokalbahn Betriebsgesellschaft mbH Amstetten-Gerstetten (LAG) angestellt ist – eine 100-prozentige Tochter des Vereins, die die gesetzlich vorgeschriebene Aufsicht für den Zugverkehr zwischen Amstetten und Gerstetten übernimmt. Denkbar schlechte Vorzeichen für den Start in die Saison also. Zumindest soll nach Pfingsten der Güterverkehr zwischen Benzwang und Amstetten wieder rollen.

Wie geht es weiter? Fleischer möchte sich so schnell wie möglich vom Eisenbahnbetriebsleiter trennen. Man habe bereits einen Ersatz, vertraglich sei jedoch noch nichts geregelt.

Walter Sigloch ist kaufmännischer Geschäftsführer der LAG GmbH. Er erklärt: „Severin Dünnbier wurde vom Ex-Vorstand engagiert und jetzt müssen die Neuen mit ihm zusammen die Lokalbahn wieder in Betrieb nehmen.“ Der Betriebsleiter sei sehr genau. „Aber das ist auch seine Aufgabe. Er ist eben vorsichtig.“ So habe dieser etwa eine erneute Abnahme der Strecke verlangt und auch von Mitgliedern, die schon lange im Verein tätig sind, Kompetenznachweise. „Das dauert einfach alles seine Zeit.“ Sigloch ist dennoch guter Dinge, dass die Saison Anfang Juli starten kann.

Seit Monaten schwelt ein Streit innerhalb des Vereins. In einer außerordentlichen Sitzung im März trat der Vorstand zurück und wurde durch fünf neue Vorstandsmitglieder ersetzt. Das Lager um den alten Vorstand wirft dem neuen vor, nicht genügend ausgebildete Leute im Verein zu haben und den Betrieb der Lokalbahn daher nicht mehr gewährleisten zu können.

Was sagt die Gemeinde Gerstetten dazu? „Wir bedauern das sehr“, so Pressesprecher Uwe Geiße. Die Fahrten seien immer sehr beliebt und gut besucht gewesen. Man habe Kontakt mit dem neuen Vereinsvorstand. „Aber als Gemeinde können wir auf die Situation nicht wirklich Einfluss nehmen.“

Nach internem Streit startet die Lokalbahn-Saison Gerstetten-Amstetten mehrere Wochen später. Anvisiert ist nun der 9. Juni.

Der Verein

Der eigenständige Verein mit dem Namen UEF Lokalbahn Amstetten-Gerstetten wurde im Dezember 1999 ins Leben gerufen und gehört als selbstständige Sektion zu den Ulmer Eisenbahnfreunden (UEF). Der Verein hat sich die Unterhaltung und den Betrieb der Lokalbahn zur Aufgabe gemacht. Neben zwei Dampflokomotiven werden mehrere Fahrzeuge mit Dieselmotor, ein Personenzug sowie einige Güterwagen betreut. Der gesamte Zugbetrieb wird ehrenamtlich von Vereinsmitgliedern gestemmt. Zudem werden Restaurierungs- und Reparaturarbeiten übernommen. chw