Markt Katzenstein mit Schwert und Morgenstern

Katzenstein / holger scheerer 20.05.2013
„Lebendiges Mittelalter“ war über Pfingsten auf der Stauferburg Katzenstein angesagt. Auch Schlossgespenst Baldrian durfte nicht fehlen.

Das Erscheinungsbild des mittelalterlichen Marktes dort dominierten auch heuer wieder Holz und Stoff statt Aluminium und Plastik. Was alte Berufsarten betrifft, so waren unter anderem ein Papierschöpfer, ein Sattler und ein Seiler zu finden. Doch geht der Markt weit über eine Verkaufsveranstaltung hinaus.

So lockt die Burg neben Handwerkern und Händlern auch viele mittelalterliche Musik-, Tanz- und Showgruppen an, die an den drei Veranstaltungstagen mit über 60 Auftritten für Unterhaltung sorgen. Auch viele Besucher des buntscheckigen Markttreibens sind in mittelalterliches Gewand gekleidet. So kann es einem auf Burg Katzenstein leicht passieren, dass man ein edles Burgfräulein in der Schlange am Wurststand ein Plätzchen vorrücken lassen muss, auf dem Weg zur Toilette eine ungekrönte Königin ihr Zepter schwingen sieht oder das Bier verschluckt, weil einen der Hofnarr mit Narrenkappe, dem der Schalk im Nacken sitzt, hinterrücks mit seinem Schellenstab überfällt.

Dies zählt allerdings noch zu den harmloseren Begegnungen. In Deckung gehen sollte man, wenn die Mannen der Showkampftruppe „Armici Ordo Teutonicus“ die Schwerter klirren lassen oder in guter alter Raubrittertradition mit schwingendem Morgenstern auf Betteltour gehen. Die eine oder andere Spende für den Erhalt der altehrwürdigen Burg lässt sich auf diese Weise jedenfalls ziemlich einfach einsammeln.

Jede Burg hat bekanntlich auch ein Schlossgespenst, das von Burg Katzenstein heißt Baldrian und hat im Gegensatz zu seinen Berufskollegen überhaupt kein Problem damit, sich jedermann zu zeigen. Dieses wenig geheimniskrämerische Gebaren erklärt sich schon dadurch, dass „Baldrian“ das einzige Gespenst ist, das nicht auf Hartz IV macht, sondern einer regelmäßigen Arbeit nachgeht. Es kassiert den Wegezoll im Burgturm, den jeder Besucher zu entrichten hat. Alle Versuche übereifriger Turmbesucher übrigens, dem Gespenst zu entlocken, wo denn der sagenhafte Burgschatz verbuddelt ist, den es zu bewachen hat, sind allerdings bisher gescheitert.

Die Attraktionen sind am Pfingstwochenende mit den unterschiedlichen Musik- und Showgruppen jedenfalls so reich gesät, dass man es sich in Katzenstein sogar leisten kann, Eintritt zu verlangen. Und die Leute trotzdem in Scharen anzulocken. Es sei denn, das Wetter macht den Veranstaltern von der Familie Walter einen Strich durch die Rechnung. Das war am Samstag der Fall, da es in Strömen goss.

Die Marktbeschicker ließen sich übrigens von ihrem Verlustgeschäft nicht ins Boxhorn jagen und behandelten die wenigen Kunden trotzdem mit ansteckender Fröhlichkeit.

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