Königsbronn Kaputter Aufzug macht Senioren Sorgen

Uschi Bauer hofft, dass der Aufzug bald ausgetauscht wird.
Uschi Bauer hofft, dass der Aufzug bald ausgetauscht wird. © Foto: Christian Thumm
Königsbronn / Manuela Wolf 29.08.2018
In einem Königsbronner Hochhaus hakt der Aufzug. Nun musste eine Seniorin von der Feuerwehr befreit werden. Die Kreisbau brachte Schokolade.

Rund 650 000 Aufzüge gibt es in Deutschland. Täglich werden einige Millionen Fahrten zurückgelegt. Unfälle im Zusammenhang mit dem sichersten Transportmittel der Welt sind äußert selten. Dass jemand darin stecken bleibt und für einige Zeit gefangen ist, auch.

Uschi Bauer weiß das. Aber es nützt nichts. Jedes Mal, wenn der Aufzug mit einem lauten Ruckeln seine Türen öffnet, schlägt ihr Herz ein paar Takte schneller. Denn in dem Wohnhaus an der Königsbronner Daimlerstraße mit der Hausnummer 7 ist seit einigen Wochen eine Sache völlig unklar: Wie viel Zeit man hinter diesen Türen verbringen wird, eingesperrt auf zwei Quadratmetern, gegen die Panik ankämpfend und um Hilfe rufend, ehe man seinen Weg hinein ins Städtle oder hinauf in die Wohnung fortsetzen kann.

In den letzten Wochen hatte es öfters mal Probleme mit dem Aufzug gegeben. Alle wussten: Bei einem abrupten Stopp half es, sämtliche Tasten für die Anwahl der Stockwerke immer wieder zu drücken. Dann löste sich meist die Blockade und weiter ging's. Die Kreisbau, der das Vielparteien-Haus gehört, ließ einen Monteur kommen. Der stellte fest, dass ein Teil defekt sei und bestellt werden müsse. Bis zu dessen Einbau könne der Aufzug ohne Bedenken weiterhin genutzt werden, sagte der Mann. Möglich sei natürlich der ein oder andere Hänger, aber man wisse ja, was dann zu tun sei.

Nicht nur Uschi Bauer ließ diese Nachricht aufatmen. Auch ohne die Gluthitze der vergangenen Wochen sind die meisten Bewohner des Hochhauses nicht in der Lage, aus eigener Kraft mehrere Stockwerke zu Fuß zu gehen. Grundsätzlich werden die Wohnungen nur an Senioren vermietet. Hier im Haus gibt es deshalb viele ältere Herrschaften, die sich ohne Stock oder Gehhilfe kaum fortbewegen können. Und so stieg auch Bauer an einem Dienstagabend vor zwei Wochen mit ihrem Rollator in den Aufzug. Sie wollte gerne in die 18-Uhr-Messe, weil die nur so spärlich besucht ist, das gefällt ihr.

So heiß wie in einer Sauna

Rums! Stillstand! Geduldig drückte die ehemalige Wirtin des Heidenheimer „Hechts“ einen Knopf nach dem anderen. Doch diesmal half auch der Standard-Trick nicht, und auch die Notruf-Taste taugte nicht als Erste-Hilfe-Maßnahme – dem tuten in der Leitung folgte ein ums andere Mal Stille. „Irgendwann taten mir die Finger weh vom vielen Drücken.“ Da rief eine Nachbarin ihren Namen. Die Seniorin rief zurück: Man solle doch bitte die Feuerwehr rufen, sie müsse befreit werden, sie hänge schon seit einer halben Stunde zwischen der ersten und der zweiten Etage fest.

Weitere 15 Minuten blieb die 86-Jährige auf nicht mal zwei Quadratmetern gefangen. „Es war so heiß wie in der Sauna und die Luft wurde immer schlechter.“ Sie fühlte ihre Kräfte schwinden, setzte sich auf den Rollator und wartete auf ihre Retter. Eigentlich habe sie fürchterliche Platzangst, sagt Bauer, „aber nur, wenn Leute mit mir im Raum sind. So konnte ich mich selbst beruhigen und den Feuerwehrmännern helfen, die Türe zu öffnen.“ Denn von innen sah sie ein bisschen mehr, sah, an welcher Stelle es klemmte, gab sogar noch Kommandos – und brach bei ihrer Befreiung bewusstlos zusammen. Sie wurde mit Sauerstoff versorgt und in ihre Wohnung gebracht.

Kreisbau will nach einer Lösung suchen

Das defekte Teil wurde kurz darauf gewechselt. Doch das Aufzug-Problem ist nicht aus der Welt. Erst kürzlich klemmte es wieder, diesmal genügte der Standard-Trick. Aber was ist beim nächsten Zwangsstopp? Loius Preißing von der Kreisbau kann die Sorge der Bewohner verstehen. Man wisse um das Problem, versichert er denn auch, und arbeite an einer Lösung. Einen Zeitplan oder gar konkrete Pläne, beispielsweise, den bald 50 Jahre alten Aufzug auszutauschen, gibt es nicht. Preißing: „Man muss auch sehen, dass ein Aufzug ein technisches Gerät ist. Da kann es schon mal eine Störung geben.“

Und so bleibt Uschi Bauer bis auf weiteres nur, sich über die Packung Merci-Schokolade zu freuen, die Sachbearbeiter Preißing quasi als Entschuldigung kürzlich vorbeigebracht hat. „Vielleicht nehme ich mir in Zukunft immer einen Riegel davon mit, wenn ich das Haus verlasse, und zwar als Notproviant. Dann muss ich wenigstens nicht hungern, falls ich das nächste Mal im Aufzug stecken bleibe.“

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