Gerstetten Kanalnetz: Drei Kilometer sollen saniert werden

Gerstetten / Christine Weinschenk 30.10.2018
Das Gerstetter Kanalnetz sowie die Kläranlage Gussenstadt waren Thema im Ausschuss.

37 Kilometer Kanalnetz, das sich unsichtbar unter Gerstetten schlängelt, wurden in den vergangenen Monaten unter die Lupe genommen. Über die Ergebnisse informierte Fachplaner Helmut Kolb den Ausschuss für Umwelt, Bauwesen und Verkehr (UBV) und legte damit den allgemeinen Kanalisationsplan (AKP) vor, der als Fahrplan für die nächsten 10 bis 15 Jahre gilt. Die gute Nachricht: Bei der Regenwasserbehandlung ist man in Gerstetten im Soll. Das Fassungsvermögen der Regenüberlaufbecken ist ausreichend.

Das Ingenieurbüro stieß jedoch auf drei Kilometer Kanal, die saniert und vergrößert werden sollten. Bemessungsgrundlage sei ein intensives Regenereignis, wie es statistisch etwa alle zwei Jahre auftrete. „Das hat nichts damit zu tun, was 2016 in Steinheim passiert ist. Das war ein Unwetter, wie es nur etwa alle 50 oder sogar 100 Jahre vorkommt“, so Kolb. Solche kurzen und extrem starken Niederschläge könne man nicht abfangen. „Sonst bräuchte man Kanäle mit einem Durchmesser von fünf Metern.“ Hauseigentümer müssten sich hier selbst schützen.

In mehreren Gebieten hat das Ingenieurbüro Rückstauprobleme festgestellt. Handlungsbedarf besteht, wenn Wasser an Kanaldeckeln austrete, so Kolb. Umgehenden Handlungsbedarf sieht der Planer im Bereich Jahn-, Bismarck- und Wolfstraße sowie in der Garten- und Böhmenstraße. Weniger dringlich seien Maßnahmen in der See- und Schillerstraße, der Oster- und Sedanstraße, dem Ameisenbühl und der Albuchstraße sowie im Bereich der Berliner und Breslauer Straße. Die Gemeinde will nun den Straßenzustandsbericht abwarten, um zu entscheiden, wann und wo Arbeiten gebündelt ausgeführt werden können.

Drängender ist die Erneuerung eines Ablaufkanals am Regenüberlaufbecken in Heuchlingen, da dieser immer wieder einbricht. Die Kosten für den Austausch werden mit rund 284 000 Euro beziffert, es wurde bereits ein Förderantrag eingereicht.

Ausbau oder Weiterleitung

Thema war auch die Kläranlage in Gussenstadt. Das Abwasserkonzept im Teilort beschäftigt den Gemeinderat schon seit mehreren Jahren. Die Kläranlage ist bei Regenwetter überlastet und könnte entweder ausgebaut oder das Abwasser von Gussenstadt über Söhnstetten nach Mergelstetten geleitet werden. Über zwei Millionen Euro würden in beiden Fällen an Kosten anfallen. Favorisiert wird die Weiterleitung, da man sich vom Land dafür einen Zuschuss in Höhe von bis zu 80 Prozent der Baukosten erhofft.

Im vergangenen Jahr war den Plänen jedoch eine Zwangspause verordnet worden. In der Kläranlage Mergelstetten hatten sich Mängel bei der Reinigungsleistung gezeigt. Das Regierungspräsidium Stuttgart hatte daraufhin Sorge, eine zusätzliche Abwassermenge zu genehmigen. Es wurde ein wissenschaftlicher Nachweis verlangt, dass die Weiterleitung des Abwassers aus Gussenstadt in Mergelstetten keine zusätzlichen Probleme verursachen würde.

Eine Bachelor-Arbeit zum Thema wurde nun dem UBV-Ausschuss vorgestellt. Das Fazit: Das Abwasser aus Gussenstadt würde maximal 2,5 Prozent der in Mergelstetten an einem Tag ankommenden Gesamtabwassermenge ausmachen. Nachteilige Auswirkungen seien nicht zu erwarten und der Weiterleitung stehe damit nichts entgegen. „Mit dieser Ausarbeitung können wir Überzeugungsarbeit im Regierungspräsidium leisten“, sagte Kolb. Bürgermeister Roland Polaschek: „Was wir schon vor einem Jahr gewusst haben, haben wir jetzt schriftlich bestätigt.“

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