Sommer Kalt, nass, grau – Perfektes Badewetter für Eisbären!

Zur Gruppe der frühschwimmenden Eisbären gehören: Gertrud Kassel, Margit Ebner, Siglinde Langenbucher, Rosemarie Frey, Karin Mönig und Petra David. Badekappen tragen die Damen übrigens nur bei Regen.
Zur Gruppe der frühschwimmenden Eisbären gehören: Gertrud Kassel, Margit Ebner, Siglinde Langenbucher, Rosemarie Frey, Karin Mönig und Petra David. Badekappen tragen die Damen übrigens nur bei Regen. © Foto: Christine Weinschenk
Kreis Heidenheim / Christine Weinschenk 31.05.2013
Ein kurzer Blick aus dem Fenster genügt, um zu wissen: Freibad-Wetter sieht anders aus. Trotzdem: Ein paar Hartgesottene lassen sich den Badespaß nicht vermiesen. Im Heidenheimer Waldbad gibt es einen Club der rüstigen Frühschwimmer: die Eisbären.
Das Wetter ist derzeit der Konversationsaufhänger. Keine Unterhaltung ohne das Thema. Wen wundert's? Nach einem Winter der Negativ-Superlative, folgt ein Frühjahr der Negativ-Rekorde. Der dunkelste Winter seit Beginn der regelmäßigen Aufzeichnungen der Sonnenscheindauer im Jahr 1951, dann der kälteste März seit 100 Jahren und jetzt auch noch der kälteste Frühling seit Jahrzehnten. Zu trüb, zu nass, zu kalt. Es gibt genügend Gründe, um herzhaft zu schimpfen und zu jammern.

Von perfektem Freibad-Wetter sind wir jedenfalls weit entfernt. Das Bergbad in Giengen hat diese Saison wetterbedingt zweimal die Eröffnung verschoben und seine Türen erst vergangenen Donnerstag geöffnet. Das Kösinger Freibad öffnet je nach Witterung. Gestern blieb das Bad geschlossen, denn „bei diesem Wetter kommt ohnehin keiner“, sagt der Bademeister. Nicht einmal ein paar Extrem-Schwimmer? „Nein, niemand.“ Die Umfrage geht weiter im Heidenheimer Waldbad. „Viel los ist nicht, aber unsere vier Eisbären, die sind immer da. Zur Not kommen die mit dem Eispickel.“ Die Eisbären? Das wollen wir genauer wissen.

Ortstermin Waldbad, Freitag um Punkt 8 Uhr. 7,4 Grad und strömender Regen. Kritische Wetterlage sagen Meteorologen: Gefahr für Überschwemmungen und Unwetterwarnung vor Starkregen – bis zu 100 Liter pro Quadratmeter. Und dennoch: Die Eisbären sind da. Und sie sind sogar zu sechst. Das älteste Eisbären-Mitglied ist 86, das jüngste 65. Und alle sehen gut zehn Jahre jünger aus. In der Umkleidekabine wird heiß diskutiert, wer überhaupt den Titel „Eisbär“ tragen darf. Wie lange muss man schon beim Club der Frühschwimmer dabei sein, um offizielles Mitglied und nicht nur Badegast zu sein?

Gertrud Kassel (86) kommt seit 30 Jahren jeden Morgen ins Waldbad – bei Wind und Wetter. Als Ober-Eisbärin macht sie klar: „Ihr gehört alle dazu. Wir sind alle Eisbären.“ Das heißt, die Gruppe umfasst gut zehn Mitglieder aus dem Landkreis. Vom Eröffnungstag bis zum Tag der Schließung, sie sind einfach immer da. „Nur bei Gewitter pfeift uns der Bademeister raus“, sagt Gertrud Kassel.

Sie findet sich selbst gar nicht so hartgesotten. „Wir sind Genießer. Das Wasser hat ja 24 Grad.“ Und das Wetter am gestrigen Freitag – so schlecht sei das gar nicht. „Wir waren auch schon bei zwei Grad hier, da konnte man einen Schneeball aus Raureif machen.“ Vor ein paar Jahren sei es so kalt gewesen, dass die Duschen eingefroren waren. Was regelmäßig vorkommt: Man bleibt mit der Hand am Edelstahl-Geländer der Treppe kleben, wenn man aus dem Wasser steigt. Das Schlimmste sei die kalte Dusche vor dem Schwimmen. „Und wenn wir rausgehen, müssen wir eben schnell unter die warme Dusche rennen.“ Angenehm an der aktuellen Wetterlage sei auch: „Wir haben das Bad ganz für uns allein.“

Der Grund für die morgendliche Schwimmeinheit ist klar: „Das hält fit.“ Keine Erkältung, kein Schnupfen habe sie in den vergangenen Jahren heimgesucht. Gut eine Stunde bleibt die Eisbären-Mannschaft im Wasser und schwimmt zwischen 1000 und 1500 Metern. „Aber wir reden nebenher, das ist ganz gemütlich.“ Mittlerweile sei man wie eine große Familie. „Wenn einer mal fehlt, macht man sich Sorgen.“ Am letzten Tag der Badesaison wird traditionell gefeiert. Mit Kaffee, Kuchen, Butterbrezeln und Sekt am Beckenrand – Bademeister und Putzfrauen sind ebenfalls eingeladen.

Über solche Stammgäste freut sich Waldbad-Team natürlich. Aber nicht nur die Eisbären sind treue Kunden.  „Manche kommen in der Mittagspause, manche zur Kaffeezeit, aber es sind immer die üblichen Verdächtigen“, sagt eine der Fachangestellten für Bäderbetriebe, Nicki Viehöfer. Etwa 100 an einem Tag, der sich eigentlich so gar nicht nach Freibad anfühlt. „Im Moment ist sehr wenig Betrieb, aber sobald die Sonne scheint, kommt den Leuten das Freibad wieder in den Sinn.“ An richtig heißen Tag seien dann schon mal 11 000 Badegäste im Waldbad.

Hitze- und damit Besucherrekorde wird man in den Freibädern kommende Woche wohl noch nicht knacken. Aber die Aussichten könnten schlechter sein: Ab Mittwoch klettert das Thermometer wieder leicht über die magische 20-Grad-Marke.
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