Demmingen 12 Monate USA: „Das war das Jahr meines Lebens“

Wenn man als Stipendiat des Deutschen Bundestags ein Jahr in den USA verbringen darf, gehört natürlich auch ein Besuch des Weißen Hauses in Washington zum Programm. Der Demminger Patrick Dänner hat es erlebt. Weitere Bilder unter www.hz.de
Wenn man als Stipendiat des Deutschen Bundestags ein Jahr in den USA verbringen darf, gehört natürlich auch ein Besuch des Weißen Hauses in Washington zum Programm. Der Demminger Patrick Dänner hat es erlebt. Weitere Bilder unter www.hz.de © Foto: privat
Demmingen / Klaus Dammann 16.08.2018
Ein Jahr verbrachte Patrick Dänner aus Demmingen im Rahmen des Parlamentarischen Patenschafts-Programms in den USA. Jetzt ist er in die Heimat zurückgekehrt.

Die Zeit ist schnell vergangen: Vor Jahresfrist machte sich der damals 25-jährige Patrick Dänner aus dem Dischinger Teilort Demmingen auf die Reise, um zwölf Monate als Stipendiat in den USA zu verbringen – Ziel Chicago. Insgesamt 75 junge Deutsche waren ausgewählt, um als Teilnehmer des Parlamentarischen Patenschafts-Programms (PPP) 2017/2018 Amerika kennenzulernen und als „Juniorbotschafter“ Deutschland zu repräsentieren.

Der gelernte Zerspanungsmechaniker hat viel erfahren, erlebt, gelernt und gesehen. Vor Kurzem 26 Jahre alt geworden, weilt Dänner mittlerweile wieder in der Heimat auf dem Härtsfeld und blickt mit Freude zurück auf eine Zeit, von der er sagt: „Das war das Jahr meines Lebens.“

In der Metropole Chicago wohnte er das ganze Jahr über bei einer Gastfamilie, einem Ehepaar mit zwei erwachsenen Söhnen, dessen Haus im Vorort Arlington Heights steht. Patrick Dänner fühlte sich wohl und erlebte das amerikanische Familienleben hautnah. „Es ist eine konservativ-katholische Familie und sie sind sehr nett. Da gehörte es auch dazu, zweimal die Woche in die presbyterianische Kirche zu gehen.“ Und im Juni war er über seine Gasteltern gleich viermal bei Hochzeiten eingeladen. Natürlich erlebte er auch die amerikanischste aller Sportarten live im Stadion: zwei Baseballspiele der Major League mit den Chicago Cubs in Wrigley Field.

Als typisch amerikanisches Essen empfand er Maccheroni and Cheese. „Das kann aber mit Kässpätzle nicht mithalten“, erzählt er lachend. So brachte er seine Gastgeber auch in kulinarischen Kontakt mit schwäbischen Gerichten.

Sprachlich gut vorbereitet

Auf die Sprache hatte sich der 26-Jährige gut vorbereitet, denn er absolvierte vor seiner Abreise einen Sprachkurs in Business English an der IHK. Anwenden konnte er das in Chicago natürlich in der Praxis, denn während er das erste halbe Jahr Student am Harper College war, erwartete ihn danach ein berufsbezogenes Praktikum in der amerikanischen Niederlassung der Weingartener Firma Tox Pressotechnik. Die Firma fertigt mit Luftdruck betriebene Pressen. Und da Dänner seit 2014 ein Fernstudium zum staatlich geprüften Maschinenbautechniker absolviert, war er bei dem Maschinenbau-Betrieb an der richtigen Adresse. „Das Arbeiten dort hat mir Spaß gemacht“, schildert er.

Sein Einsatzgebiet war die Arbeitsvorbereitung zur Verbesserung der Effizienz und der Produktionsabläufe. Er habe viel Verantwortung und viele Freiheiten gehabt. So konnte er auch mit Zulieferern über Preise verhandeln. Bezahlt wurde der Demminger nach Stunden und davon kamen täglich acht bis zehn zusammen. Nach der Arbeit traf er sich öfters auch noch privat mit seinen Kollegen.

Das Amerika in der Ära von Präsident Donald Trump hat er als uneinheitlich erlebt. Es gebe viele Menschen, die seine Arbeit mit „America First“ richtig finden, jedoch auch eine größere Menge, die sagt: „Das ist nicht mein Präsident.“ In jedem Fall hätten sich die Amerikaner aber gern mit ihm darüber unterhalten wollen.

Eine weitere Aufgabe, die es zu erfüllen galt, waren 40 Stunden gemeinnützige Arbeit. Patrick Dänner engagierte sich aber deutlich darüber hinaus und half insgesamt über 100 Stunden, unter anderem in einem Obdachlosenheim. Da seien auch ganze Familien dagewesen, schildert er. „Das hat mir manchmal schon das Herz gebrochen, wenn du gesehen hast, was für Leute kamen.“ Ohne Social Security Card dürfe man in den USA nicht arbeiten. Wenn man die Situation sehe, gewinne man einen anderen Blick aufs Leben: „Es öffnet einem die Augen und man lernt, Sachen bei uns zu schätzen.“

An zwei Tagen stellte der Stipendiat in Vorträgen in Deutschklassen an Schulen sein Heimatland vor: „Wir haben gezeigt, was wir machen und wo wir herkommen.“ Ein Abstecher führte nach Washington D. C., wo Patrick Dänner das Weiße Haus besichtigen konnte und einen Senator sowie Mitarbeiter des US-Patenabgeordneten im Kongress traf.

Gefordert war seitens des PPP, dass die Teilnehmer den amerikanischen Führerschein machen und damit auch über ein Ausweispapier verfügen. Der 26-Jährige machte das – Geld, um sich ein gebrauchtes Auto kaufen zu können, nahm er von zu Hause mit. Schließlich wollte er auch etwas von den USA sehen und die Entfernungen sind doch gewaltig. Sein Auto wurde dann ein 2000er Chevrolet Malibu. „Ich bin 15 000 Meilen gefahren, einschließlich eines Mietwagens sogar 25 000 Meilen.“

On the road again

Das gemietete Auto wurde für die Abschlusswochen des US-Aufenthalts gebraucht, denn den Juli über machte er sich zusammen mit einem Ulmer Teilnehmer des Parlamentarischen Patenschafts-Programms auf einen Roadtrip durch die Staaten. Mit dem Flugzeug ging es zunächst von Chicago nach Denver und dann mit dem Wagen unter anderem zu den Nationalparks, in die Rocky Mountains, nach Salt Lake City mit der Mormonenkirche, nach Sacramento, San Francisco und Hollywood.

Die meiste Zeit wanderten sie mit Rucksack und Zelt, erlebten Geysire und Bisons im Yellowstone Nationalpark und grandiose Landschaften im Yosemite Nationalpark und in den Canyons. Dänner: „Irgendwo in der Natur zu sein, wo sonst niemand ist – das war toll.“ Einmal musste das Lager versetzt werden, weil sich in der Nähe eine Klapperschlange aufhielt.

Am Ende des Amerikajahrs stand noch ein Seminar in New York City, ehe es wieder zurück über den Großen Teich ging. „Ich bin jetzt noch damit beschäftigt, dass ich wieder hier ankomme. Die Freundlichkeit und Offenheit der Menschen in den USA hat mich sehr beeindruckt. Man bekommt sofort Kontakt“ erzählt Dänner.

Dauerhaft hätte er dennoch nicht in Amerika bleiben wollen: „Das Gesellige gefällt mir hier schon besser.“ Aber ein Weilchen – vielleicht bis zum Winter – hätte er es noch ausgehalten. „Was ich für mich persönlich mit rausnehme, ist nicht nur, dass ich viel besser Englisch kann, sondern auch die Offenheit, fremden Menschen zu begegnen“, sagt Patrick Dänner.

Jetzt steht im September noch ein dreitägiges Abschlussseminar des PPP in Köln an. Und daher kann der sozial engagierte Patrick Dänner auch 2018 leider nur am Aufbau für das große Demminger Fest – das Stadelfest – mithelfen.

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