Herbrechtingen Im Herbrechtinger Jugendhaus läuft’s

Sie leiten das Jugendhaus: Gerhard Dobrick (links) und Michael-Tillmann Schmid.
Sie leiten das Jugendhaus: Gerhard Dobrick (links) und Michael-Tillmann Schmid. © Foto: Matthias Linder
Herbrechtingen / Günter Trittner 05.07.2018
Rund 8000 Jugendliche besuchten im vergangenen Jahr die Einrichtung. Zum Erfolg trägt die gute Vernetzung mit dem Schulzentrum im Bibris bei. Zielgruppe sind die 12- bis 27-Jährigen.

Es läuft wunderbar“, sagt Joachim Kuhn. Die Zahlen geben dem Sachgebietsleiter für Bildung, Sport und Kultur im Rathaus recht. 8000 Besucher hat man 2017 im Jugendhaus gezählt, um die 100 Stammgäste sind wenigstens einmal die Woche hier anzutreffen und täglich kommen um die 40 junge Menschen. Zielgruppe, so sagt es Jugendarbeiter Michael-Tillmann Schmid, sind die Zwölf- bis 27-Jährigen. Und diese versteht man anzusprechen. Nicht durch ausgeklügelte Projekt-Arbeit, sondern durch Sofort-Hilfe.

Alle Probleme, die Jugendliche so haben, finden sich mit diesen auch im Jugendhaus ein. Und diese erwarteten hier einen Ansprechpartner „Die Arbeit ist sehr selten planbar“, sagt Schmid, der seit Anfang 2013 das neben dem Rathaus gelegene Jugendhaus leitet. Unlängst habe man sogar Gymnasiasten bei Bewerbungen für ein Studium unterstützt. Was man so nicht erwartet hätte. Man, das ist in diesem Fall auch der zweite Mann im Haus. Gerhard Dobrick ist seit 2014 hier in der offenen Jugendarbeit tätig, seit 1. April dieses Jahres nunmehr zu 100 Prozent. Dobrick ist über die Evangelische Gesellschaft Heidenheim (Eva) angestellt, Schmid ist ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung.

Glückstreffer mit der Eva

Für den Wiedereinstieg in die offene Jugendarbeit in Herbrechtingen, hatten Verwaltung und Gemeinderat im Jahr 2010 die Partnerschaft mit der Eva gesucht. „Was Besseres hätte uns nicht passieren können“, bilanziert Kuhn die bisherigen Jahre der Zusammenarbeit. Bis vor wenigen Monaten hatte für die Eva noch Kadir Cildir im Jugendhaus gearbeitet. Dieser ist nun als Integrationsbeauftragter in die Flüchtlingshilfe gewechselt. Der Abschied vom Jugendhaus sei ihm nicht leicht gefallen, weiß Matthias Linder, der Geschäftsführer der Eva.

Dass es im Jugendhaus so gut läuft wie es läuft, hat auch damit zu tun, dass beide Jugendarbeiter in die Mittagsbetreuung der Bibris-Gemeinschaftsschule eingeschaltet sind. Dreimal die Woche von 12 bis 13 Uhr wird mit den Schülern in der Schule oder im Jugendhaus Programm gemacht. Das bindet. Zur WM-Partie Deutschland-Südkorea hatte sich nachmittags gleich der ganze Hort des Schulzentrums zum Fernsehschauen angemeldet. „Da ging's hoch her“, so Schmid. Auch Gymnasiasten gehören zu den Besuchern im Jugendhaus.

Guter Draht zu den Schulen

Der gute Kontakt zu den Schulen bringt es auch mit sich, dass nicht nur Herbrechtinger ins Jugendhaus kommen. „Da kommen dann auch die Freunde aus Heidenheim, Giengen oder Hermaringen mit.“ Für das Gewinnen von Nachwuchs für das Jugendhaus sei die Vernetzung mit der Schule ideal, sagt Schmid.

„Platt gemacht“ haben Schmid und Dobrick vor Kurzem die eigene Präsenz auf Facebook. Die neuen Auflagen der EU Datenschutz-Grundverordnung schienen ihnen diesen Schritt nahezulegen. Beide fürchten nicht, dadurch ins Kommunikations-Abseits zu geraten. „Die Jugendlichen verabreden und informieren sich auch über andere Netzwerke.“

Nicht alles in der Jugendarbeit ist aber auf Spontanität angelegt. Es gibt auch fixe Termine. Zweimal die Woche geht es zum Sport in die Oskar-Mozer-Halle. Die Betreuer organisieren Ausfahrten zu Gokart-Bahnen oder zu Turnieren. Plan für die nächste Zukunft ist, so Dobrick, in Herbrechtingen ein Fußball-Turnier selbst auf die Beine zu stellen. Das Jugendhaus beteiligt sich auch am Sommerferienprogramm der Stadt.

Im Sommer bleibt der Laden zu

Leid tut es den Jugendarbeitern, dass dieses Jahr ihr Haus, das wöchentlich 27 Stunden geöffnet ist, im Sommer für drei Wochen geschlossen bleiben muss. Das war noch nie so, ließ sich aber wegen Urlaubsüberschneidungen nicht mehr ändern. Leichter wird das Geschäft für Schmid und Dobrick, wenn ab 1. September wieder die Stelle für den Bundesfreiwilligendienst wieder besetzt ist. Der Bewerber ist schon ausgewählt.

Zugelegt hat das Jugendhaus über die Jahre an Ausstattung. Dankbar sind die Jugendleiter, dass die Verwaltung faktisch jeden Wunsch erfüllt hat. Neben Billard und Kicker steht in der oberen Etage nun auch ein Air-Hockey-Tisch. Der sei von den Jugendlichen besonders gewünscht worden, sagt Schmid. Jedes Jahr soll es so ein neues Highlight geben.

Auch Flüchtlinge kommen

Mundpropaganda trägt viel zum Zulauf beim Jugendhaus bei. Auch Flüchtlinge haben hier eine Anlaufstelle gefunden. „Das ist ein angenehmes Klientel“, sagt Schmid. „Die lernen hier andere Leute kennen. Das hilft ihnen, Deutsch sprechen zu lernen.“

Für Schmid ist der offene Treff im Jugendhaus das „Kerngeschäft“ der Jugendarbeit. Der Skaterpark im Vohenstein wird deswegen zurück in die Verantwortung der Stadtverwaltung gehen. Joachim Kuhn geht davon aus, dass diese Stätte als Spielplatz klassifiziert wird und als solche von den Städtchen Betrieben in Stand gehalten wird.

Ein Blick in die Geschichte des Herbrechtinger Jugendhauses

Die Konstante des Herbrechtinger Jugendhauses ist sein Standort auf dem Rathausplatz. Ansonsten hat es seit seiner Gründung 1996 eine wechselhafte Geschichte. Nach holprigem Start fand die damals vom Stadtjugendring geleitete Einrichtung bald Zuspruch bei den Jugendlichen. Zwei hauptamtliche Mitarbeiter legten viel Wert auf ein pädagogisches Programm und das Einbeziehen von Mädchen.

Für einige Empörung sorgte im November 2005 der Beschluss des Gemeinderats, die 55 000 Euro für die Personalstellen im Jugendhaus zu streichen. Man sprach von Sparzwängen. Die Hoffnungen, Unternehmen würden ab 2006 die Jugendarbeit sponsern oder diese wäre auch ehrenamtlich zu leisten, gingen nicht auf. 2008 wurde es interimsweise als Mensa für Schüler aus dem Bibris-Schulzentrum genutzt.

Im Sommer 2010 gelang der Neustart mit der Evangelischen Gesellschaft aus Heidenheim als Partner. Thomas Frühauf war der erste Leiter, es folgte Ute Liegl. Nach einer kurzen Vakanz übernahm schließlich Michael-Tillmann Schmid Anfang 2013 die Leitung.

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