Tuning Ist das eine Harley? Nein, Honda Rebel 125

Gerstetten / Christine Weinschenk 15.08.2013
Frauen finden es süß. Männer finden es cool. Fährt Benjamin Halbauer mit seinem Custombike vor, ist die am häufigsten gestellte Frage: „Ist das eine Harley?“ Nein, eine Honda Rebel 125, Baujahr 1986. Sie ist allerdings kaum wiederzuerkennen.

Monatelang hat Benjamin Halbauer jede freie Minute in der Garage verbracht – schraubend, lackierend und schweißend. Das Resultat kann sich sehen lassen. Die Honda Rebel ist nicht wiederzuerkennen, ein echter Vorher-Nachher-Knalleffekt. Original ist eigentlich nur noch die Motorleistung mit 11 PS. Und damit auch der Sound, der natürlich rein gar nichts mit einer Harley zu tun hat. Leistung ist das eine, Optik das andere. Was jetzt in Halbauers Garage steht, nennt sich Custombike. Custom ist englisch für maßgeschneidert. Custombike ist der Oberbegriff für ein speziell auf die Wünsche des Besitzers angefertigtes oder umgebautes Motorrad.

Benjamin Halbauer hat die Honda vergangenes Jahr im August für 666 Euro bei E-Bay ersteigert. Da sah das Bike noch ganz normal aus, hatte 36 000 Kilometer runter und war nicht besonders gut gepflegt. Nur eine Nacht stand sie in der Garage, dann „hab ich sie ohne Respekt auseinandergenommen“, sagt Halbauer.

Was wurde an der Maschine denn alles gemacht? „Puh“, ist die erste Reaktion. Soll heißen: eine ganze Menge. Der Lenker wurde ausgetauscht, die Seitenabdeckungen auch, der Krümmer mit Hitzeschutzband umwickelt und „alles, was ging“ wurde poliert und lackiert. Der gelernte Werkzeugmacher hat viele Teile selbst gebaut. Zum Beispiel die Halterungen für die Schutzbleche, die Kontrollleuchteinheit und auch einige Abdeckungen. In fertige Teile hat er nur rund 300 Euro investiert.

„Da steckt nicht viel Technik drin“

Neben der umgebauten Honda hat Halbauer auch noch eine BMW F 650 GS Twin in der Garage stehen. Meistens fährt er mit ihr, denn das Custombike soll geschont werden. „Eigentlich ist es ein Gut-Wetter-Motorrad, größere Strecken fahre ich kaum damit.“ Mit der BMW fährt er auch in den Urlaub, nach Spanien, Schweden – nächstes Jahr soll es nach Marokko gehen. „Mit dem Motorrad zu verreisen, ist etwas ganz anderes. Man muss sich auf das Nötigste beschränken, das reizt mich“, sagt Halbauer.

Für den passionierten Schrauber hat die BMW aber ein Problem: Man kann wenig daran umbauen: „Da ist alles elektrisch, aber in der Honda steckt nicht viel Technik drin.“ Und deshalb sucht er auf E-Bay schon nach weiteren Hondas zum Basteln. „Ich hab 1000 Ideen im Kopf. Und an der Honda kenne ich jetzt schon jede Schraube.“ Eine Custombike-Sammlung soll daraus aber nicht werden. Auch seine jetzige Honda wollte er eigentlich verkaufen, angeboten wurden ihm schon 2500 Euro. „Aber jetzt hängt einfach mein Herz dran, ich kann mich nicht von ihr trennen – im Moment jedenfalls noch nicht.“

Tüv hat Benjamin Halbauer für das Custombike jedenfalls problemlos bekommen. „Der Prüfer hat nur etwas komisch geschaut und gemeint, dass er so was auch noch nie gesehen hätte.“

Die Leidenschaft für Motorräder hat den 29-jährigen Zerpanungsmechaniker übrigens noch nicht so lange gepackt: Erst vor drei Jahren machte er den Führerschein. „Früher haben mich Motorräder nicht interessiert, ich hab eher an meinem alten VW-Bus geschraubt. Irgendwann hat es mich aber gerissen. Ich bin aus der Frühschicht raus, hab mich ins Auto gesetzt, das Wetter war gut und ich dachte: Weniger Blech wäre schöner.“