Niederstotzingen Innenrenovierung der katholischen Kirche ist abgeschlossen

Jetzt hat Niederstotzingens katholische Kirche wieder einen zentralen Mittelgang vom Eingang zum Altar. Gestern fand der erste Gottesdienst in St. Petrus und Paulus nach der Umgestaltung des Innenraums statt.
Jetzt hat Niederstotzingens katholische Kirche wieder einen zentralen Mittelgang vom Eingang zum Altar. Gestern fand der erste Gottesdienst in St. Petrus und Paulus nach der Umgestaltung des Innenraums statt. © Foto: Christian Thumm
Niederstotzingen / Klaus Dammann 04.06.2018
Mit einem Gottesdienst wurde St. Petrus und Paulus nach der Innen-Umgestaltung jetzt wieder geöffnet. Ein zweiter Bauabschnitt bei der Niederstotzinger Kirche steht direkt bevor.

Der Zeitplan ist eingehalten: Am Sonntagvormittag konnten Niederstotzingens Katholiken nach rund siebenwöchiger Umgestaltungsphase gestern wieder den ersten Gottesdienst in St. Petrus und Paulus feiern. Und die Kirche war zu diesem Anlass voll besetzt. Die Messe zelebrierten Domkapitular Andreas Rieg aus Rottenburg und Dekan Dr. Sven van Meegen.

Die Besucher konnten sich gestern ein Bild von der erfolgten Renovierung und Neuordnung des Innenraums machen. Dekan van Meegen hatte im Vorhinein eine positive Bilanz der Arbeiten gezogen: „Die Gottesdienstbesucher werden merken, dass es eine Veränderung gibt, die sich durch den freundlicheren und freieren Eindruck auch positiv auf ihre Psyche auswirkt.“

Zentraler Teil der Neugestaltung war es, die bei der Renovierung in den sechziger Jahren gewählte asymmetrische Aufteilung der Kirchenbänke zu beseitigen. Seit damals war ein gerader Weg vom Kircheneingang zum Altar unmöglich, denn die Kirchenbänke erstreckten sich im linken Teil über eine Breite von zwei Dritteln und im rechten Teil nur über ein Drittel. Dies hatte die Folge, dass der Mittelgang zur Erschließung der Reihen aus der Zentralachse nach rechts verschoben war. Mit der Neugestaltung ist jetzt eine hälftige Verteilung der Bänke und ein zentraler Mittelgang geschaffen.

Barrierefreiheit ermöglicht

Gleichzeitig, so van Meegen, ergab sich daraus eine Barrierefreiheit für die Kirchgänger, denn es entstanden auch links und rechts an den Wänden Gänge. Gerade für alle älteren Gemeindemitglieder mit Rollator oder Rollstuhl, aber auch für Familien mit Kinderwagen sei das Kircheninnere nun einfacher zugänglich.

Für etwas mehr Bequemlichkeit sorge ebenso der ein wenig größere Abstand der Sitzreihen. St. Petrus und Paulus verfügt nun über 36 Bänke mit je acht Plätzen – also 288 Plätze. Das seien rund 50 Plätze weniger als vor der Umgestaltung, aber es reiche aus.

Die alten Bänke, die für die Arbeiten im Inneren der Kirche ausgebaut worden waren, wurden inzwischen aufbereitet: Sie wurden abgeschliffen, neu verleimt und erhielten neue Sitzauflagen. Darüber hinaus hat man in der Kirche die Wände neu weiß gestrichen und die alte Beleuchtung durch LED ersetzt. Van Meegen: „Früher war die Kirche abends sehr dunkel. Jetzt ist es sehr hell und schön – einladend.“

Weitere Arbeiten umfassten die Reinigung und Neuversiegelung des Bodens und ebenso die Reinigung der Fenster, deren Farben nun wieder richtig zur Geltung kämen. Während sich um den Ausbau der Bänke sowie das Aus- und Einräumen der Kirche ehrenamtliche Helfer kümmerten, wurden die anderen Arbeiten von regionalen Fachfirmen ausgeführt.

Nach Abschluss der Innenrenovierung liege man mit Investitionen von 89 000 Euro im Kostenrahmen, sagte der Dekan. Diese Summe umfasst aber auch schon erste Ausgaben für andere Arbeiten. Es handelt sich um Ausgaben für Gutachten von Architekten und Statikern, die sich mit dem Platz direkt vor St. Petrus und Paulus, mit den Fundamenten, der großen Mauer zur Straße hin und der Erschließungstreppe rechts befassten. Während bei den Fundamenten, der Mauer sowie beim Rampenzugang links des erhöht stehenden Kirchenbaus keine Probleme entdeckt worden seien, stellen sich der Kirchplatz und die rechte Treppe als sanierungsbedürftig dar, schilderte van Meegen.

Dringender Handlungsbedarf

Zuletzt war die Kirchengemeinde von einem Baubeginn erst im Herbst ausgegangen, doch da die Gutachten seit rund einer Woche vorliegen, soll es nach van Meegens Wunsch mit dem zweiten Bauabschnitt möglichst rasch weitergehen. Die Treppenstufen würden immer wackliger, die Waschbetonplatten gingen auseinander und das Wasser laufe nicht richtig ab. Der Schaden schreite voran und ein Handeln sei dringend geboten: „Beide Bereiche sind instabil und ein Sicherheitsrisiko.“

Über die Vorgehensweise bei den anstehenden Arbeiten müsse nach einer weiteren Begutachtung noch der Kirchengemeinderat Mitte Juni entscheiden, so der Dekan. Möglichkeiten seien eine Betonsanierung mit geschätzten Kosten von bis zu 500 000 Euro oder eine andere Lösung wie etwa die deutlich kostengünstigere Verfüllung des Hohlraums unter dem Kirchplatz und der Treppe samt einer neuen Pflasterung mit sickerfähigen Verbundsteinen für etwa 100 000 Euro. Dementsprechende Ausgaben seien auch beim Gesamtkostenrahmen für die Kirchenrenovierung von 190 000 Euro berücksichtigt worden.

Die Finanzierung solle über einen Zuschuss der Diözese von 50 000 Euro, durch Spenden etwa bei kirchlichen Festen in Höhe von zehn Prozent der Kosten – also 19 000 Euro – und 120 000 Euro von der katholischen Kirchengemeinde ermöglicht werden, sagte der Dekan. Aktuell belaufe sich der Spendenstand auf 1500 Euro.

Einen Abschluss der anstehenden Arbeiten erhofft sich van Meegen für Herbst – „damit wir nicht in den Winter reinkommen“. Eine erneute Schließung der Kirche werde aber nicht nötig, da es ja auf der linken Seite des Baus einen barriere- und schadensfreien Zugang gebe.

Niederstotzingens katholische Kirche und die Renovierung der sechziger Jahre

Eine eigene Kirche wird im Jahr 1219 erstmals genannt. 1329 gehörte sie zum Kloster Herbrechtingen. Im Verlauf der Regentschaft derer von Stein über Niederstotzingen kam es zu Aufteilungen von Herrschaftslinien, die einesteils katholisch blieben und andernteils die Reformation einführten. Das führte zur simultanen Nutzung der damaligen Kirche.

1845 bis 1847 ersetzte man die alte Kirche durch den heutigen Bau. Als sich die evangelische Kirchengemeinde Niederstotzingen Anfang der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts mit der Andreaskirche ein eigenes Gotteshaus baute, übernahm die römisch-katholische Kirche das Gebäude aus dem 19. Jahrhundert für sich allein.

St. Petrus und Paulus wurde in den späteren sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts aufgrund schlechter Bausubstanz umfassend renoviert. Auch der baufällige Turm wurde erneuert. Um die künstlerische Ausstattung kümmerte sich damals der aus Ludwigshafen stammende Künstler Roland Peter Litzenburger, der für seine christlichen Darstellungen bekannt war. Er stellte alles unter das Thema des Kreuzwegs – so etwa die Kirchenfenster. Für die Altarwand gestaltete er ein Wandbild aus verschieden großen Mosaiksteinen, aus dem sich ein Kreuz hervorhebt.

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