Herbrechtingen In Herbrechtingen entsteht eine große Kühlhalle für Lidl

Die Kühlhalle für Lidl steht bereits im Rohbau
Die Kühlhalle für Lidl steht bereits im Rohbau © Foto: Markus Brandhuber
Herbrechtingen / Günter Trittner 28.07.2018
Beim Bau der Umschlaghalle im Vohenstein setzt das Unternehmen Sturm Logistik Immobilien als Bauträger auch auf innovative Konzepte, um den Energieverbrauch niedrig zu halten

Zwei bis fünf Grad Celsius. Das ist die Temperaturspanne, die gehalten werden muss, damit die auf 10?000 Palettenplätzen gelagerte Frischware keinen Schaden nimmt. Damit dies gelingt, lässt das Unternehmen Sturm Logistik Immobilien beim Bau seiner Kühlhalle im Vohenstein auch innovative Lösungen einfließen. Eine entscheidende Rolle kommt dem nahegelegene Biomasse-Heizkraftwerk zu.

Rohbau steht

Vier Monate nach dem ersten Spatenstich stehen bereits die Kühlhalle und das zweistöckige Bürogebäude im „erweiterten Rohbau“ wie es Geschäftsführer Hans-Günter Sturm formuliert. Ab 1. Januar 2109 werden hier gleichzeitig 50 Lkw andocken können. Bis Jahresende muss das Lager dem Kunden Lidl zur Verfügung stehen. Im wesentlichen will Lidl hier frische Molkereiprodukte deutschlandweit und auch in Europa verteilten. 50 gewerbliche Arbeitsplätze sind zugesagt. Es gebe sogar eine Option auf 80, sagt Geschäftsführer Matthias Sturm. Dazu kommen 15 Fachleute für die Verwaltung.

Dämmung von Grund auf

Damit eine Logistikhalle eine Kühlhalle wird, muss das Gebäude von Grund auf gedämmt werden. So ruht das Fundament der 12?000 Quadratmeter großen Halle auf einer zehn Zentimeter starken isolierten Bodenplatte aus Styrodur. Der grüne Kunststoff weist zudem eine hohe Druckfestigkeit auf, was wegen des Maschineneinsatzes in der Halle wichtig ist. Damit auch die Fassade aus Blech die Kälte drinnen und die Wärme draußen hält, ist sie 170 Millimeter dick mit PU-Schaum ausgefüllt. Die Stöße zwischen den Platten werden überklebt, „damit die Hülle eine Einheit wird“, beschreibt Helmut Schneider vom Königsbronner Ingenieurbüro Knoller die Arbeitsschritte. Zudem umschließt die Fassade ein meterhoher Betonsockel, der über die Bodenplatte in die Tiefe reicht, damit es zu keinem Wärmeaustausch kommt. Das Flachdach aus Trapezblech ist unten mit 220 Millimeter Mineralwolle gedämmt und oben mit Folie überzogen.

Dreiseitig dicht

Auch fürs Andocken der Lkw gelten andere Regeln. Der Fahrer fährt von Sensoren überwacht eine der Rampen an. Ist er dicht genug am verschlossenen Rolltor, wird das Heck des Laderaums von einer aufblasbaren Dichtung dreiseitig abgeschlossen. Dann erst können Rolltor und Ladeluken von Inneren der Halle aus geöffnet werden. Ein Ampel zeigt dem Fahrer an, wann er wieder starten kann. „Die Halle muss immer zu sein“, benennt Matthias Sturm die oberste Prämisse der Kühl-Logistik.

Umgesetzt wird im Vohenstein von Sturm zudem eines der innovativsten Warenumschlagskonzepte. „Wir haben hier eine papierlose Dokumentation.“ Der Fahrer erhält bei der Einfahrt einen Transponder. Dieser zeigt ihm an, wann er welche Rampe er anfahren kann. Und über dieses System wird auch der Warenumschlag gespeichert. „So lassen sich Wartezeiten minimieren und Frachten optimieren“, sagt Sturm. Eine Neuerung ist auch, dass die Lkw einen Stromanschluss für die Kühlung bekommen. Dies gilt auch während des Be- und Entladens. „Kein Lkw muss seinen Motor mehr laufen lassen.“

Dies ist aber bei weitem nicht der einzige Beitrag zum Umweltschutz. Denn drei Viertel des Kältebedarfs bezieht Sturm in Form von Wärme vom Biomasse-Heizkraftwerk. „Da sind wir schon stolz darauf“, sagt Matthias Sturm. „Wir haben seinen sehr hohen Wirkungsgrad, das ist kostengünstig und wir verzehren keine Primärenergie.“

Energie-Partnerschaft

Mit der Kühlhalle beginnt aufs neue die Energie-Partnerschaft, die vor weit über zehn Jahren die Familie Sturm mit ihrem Sägewerk und dem von ihr projektierten Biomasse-Heizkraftwerk begründet hatte. Damals hatte Sturm die Wärme als Nebenprodukt des Kraftwerkbetriebs zum Trocknen des Holzes verwendet. Künftig fließt das 100 Grad heiße Wasser im noch bestehenden Rohrsystem in die Kältezentrale der Kühlhalle. 2.220.000 Kilowattstunden thermisch sind als jährlicher Kältebedarf veranschlagt. Dazu benötigt die Halle pro Betriebsjahr noch 1.100.100 Kilowattstunden elektrischer Energie. Wie genau die Stromrechung ausfällt, bestimmt auch das Wetter mit. Denn notfalls muss auch eine Kühlhalle beheizt werden. „Wenn es mehrere Tage hintereinander tiefen Frost gibt, braucht es eine Heizung.“ Beleuchtet wird die Halle, in der in zwei Schichten gearbeitet wird, von energiesparenden LED–Lampen. Gesenkt werden könnte der Strombezug durch eine Solaranlage auf dem Hallendach. Diese ist zwar nicht geplant, aber als Option beim Bau schon berücksichtigt worden.

Für 18 Stunden Notstrom

„Einzigartig“ dürfte laut Matthias Sturm das Notfallkonzept für das Kühllager sein. Die Notstromversorgung ist auf 18 Stunden ausgelegt. Solange kann die Halle auf Kühltemperatur gehalten werden. Aber nicht nur diese. Auch der Büro-Trakt ist eingeschlossen. „Es geht jeder Rechner, jede Schranke, einfach alles“, sagt Matthias Sturm. Dies sei die Vorgabe von Lidl: „Der Betrieb muss weitergehen.“

Die letzte Fläche des Sägewerks

18 Millionen Euro investiert das Unternehmen Sturm Logistik Immobilien in die Kühlhalle für den Discounter Lidl. Überbaut wird damit im Vohenstein das letzte freie Grundstück des Sägewerks. In der Branche Logistik-Immobilien ist die Familie Sturm bereits seit 60 Jahren tätig. 180 Meter lang und 65 Meter breit wird die neue Halle, in der im wesentlichen Molkerei-Produkte umgeschlagen werden. Sie werden von Herbrechtingen aus in 38 Lidl-Zentrallager in Deutschland und auch ins europäische Ausland verfrachtet. Nach der Zahl der Filialen ist Lidl der größte Discounter weltweit. In Spitzenzeiten werden an der neuen Halle täglich bis zu 200 Lkw-Bewegungen erwartet.

Zusätzlich zur Halle ist bereits im Rohbau ein zweistöckiges Bürogebäude errichtet worden. Er enthält auch einen Wartebereich für die Lkw-Fahrer

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