Gussenstadt In Gussenstadt wird aus Mist Energie

4800 Kubikmeter Gülle fasst der Rundbehälter, der in Gussenstadt gebaut wurde.
4800 Kubikmeter Gülle fasst der Rundbehälter, der in Gussenstadt gebaut wurde. © Foto: Ulrich Bischoff
Gussenstadt / Ulrich Bischoff 05.06.2018
Die Energiegenossenschaft Gussenstadt hat ihre Lagerreserven ausgebaut. Hier kann Gülle zwischengelagert werden und gleichzeitig zur Energiegewinnung genutzt werden.

Die drei Zipfelmützen der Biogasanlage haben einen Bruder bekommen. 4800 Kubikmeter Gülle fasst der Rundbehälter, den die Energiegenossenschaft Gussenstadt in den letzten Wochen förmlich aus dem Boden gestampft hat. Der Grund für den Anbau, dessen Erdaushub der Verebnung des Geländes für das Gewerbegebiet „Eichholz-Ost“ zugute kam, liegt in der neuen Düngemittelverordnung der EU, die zum Schutz des Grundwassers den Landwirten strengere Beschränkungen auferlegt.

Erst am 1. Februar eines jeden Jahres dürfen Landwirte künftig Gülle aufs Feld fahren. Ehe die Gruben ihrer Kollegen überlaufen, hat die Energiegenossenschaft mit ihrem neuen Behälter eine Möglichkeit zum Zwischenparken von Mist und Gülle geschaffen.

Versorgt 120 Privathaushalte

Die Gase, die sich künftig hier entwickeln, verpuffen nicht nur, auch sie haben einen willkommenen Nebeneffekt. Die Biogasanlage, die inzwischen neben Schule, Kindergarten, Turnhalle , Feuerwehrmagazin und dem Rathaus auch nahezu 120 Privathaushalte mit Wärme versorgt, „lebt“ zu 70 Prozent von den tierischen Ausscheidungen. Entgegenkommenderweise „stinken“ die Substrate.

Ihre „Gerüche“ liefern den drei Motoren der Anlage den Treibstoff, die ihre Schwungmasse über einen Generator in Strom verwandeln. Den verkauft die Genossenschaft an die öffentlichen Netzbetreiber. Da die Motoren bei ihrer Arbeit ins Schwitzen geraten, entsteht Wärme. Sie wird über Röhrensystem frei Haus geliefert.

Die Genossenschaft verlegt gleich Lehrrohre für den Glasfaserausbau mit

Der Gedanke an ein Haus, in dem der Besitzer künftig auf Öfen und Kamin verzichten kann, ist zwar ungewohnt, aber durchaus realisierbar. In dem kürzlich zur Rechtskraft gebrachten Baugebiet „Beim alten Bauhof“ bieten sich solche Gedanken an. Schon mal am Gräbenziehen, verlegt die Genossenschaft neben den wärmenden Röhren auch Leerrohre für das schnelle Internet.

Übrigens hat der dritte Motor, ein auf 12 Zylinder tickendes Riesenaggregat, in den letzten Wochen in der „Biogase“ Einzug gehalten und freundet sich derzeit mit dem tierischen Treibstoff an. Rechnet man die Leistungsfähigkeit der drei Motoren zusammen, kommt man auf eine Leistungskurve von 1800 Kilowatt.

Zwei bis vier Leute betreuen die Anlage vor Ort

Derjenige, der den Einsatz der Motoren und mit ihnen die aktuellen Liefermengen an Strom dirigiert, sitzt irgendwo in Augsburg oder in Norddeutschland. Trotzdem stehen für den Betrieb der Anlage beim „Häule“ zwei bis vier „hauseigene“ Betreuer parat, deren Know-how und Geschick auch bei Nacht gefragt sein kann.

Ihr Beitrag an die Welt: 350 000 Liter Heizöl werden eingespart und Kohlendioxid-Emissionen im Gegenwert von 2900 Tonnen nicht in die Luft geblasen. 28 Landwirte aus Gussenstadt, die Gemeinde Gerstetten und Mitglieder aus den benachbarten Dörfern stehen mit Einlagen hinter dem Projekt.

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