Herbrechtingen In der Lehmgrube kann gebaut werden

Im Sommer hatten Archäologen bei Ausgrabungen im Neubaugebiet Lehmgrube Überreste einer römischen Fernstraße gefunden. Diese wurden vom Landesdenkmalamt allerdings nicht als so hochwertig eingestuft wurden. Deshalb steht einer Bebauung nun nichts mehr im Weg.
Im Sommer hatten Archäologen bei Ausgrabungen im Neubaugebiet Lehmgrube Überreste einer römischen Fernstraße gefunden. Diese wurden vom Landesdenkmalamt allerdings nicht als so hochwertig eingestuft wurden. Deshalb steht einer Bebauung nun nichts mehr im Weg. © Foto: Archiv/Markus Brandhuber
Herbrechtingen / Elena Kretschmer 07.11.2018
Alle eingegangenen Einwände wurden im Gemeinderat diskutiert. Ein Einwender fühlte sich von der Stadtverwaltung vorsätzlich getäuscht.

Welche Nutzungen auf einer bestimmten Gemeindefläche zulässig sind, legt die Gemeinde in einem Bebauungsplan als Satzung fest. Eine solche hat der Gemeinderat Herbrechtingen in seiner jüngsten Sitzung für das Baugebiet Lehmgrube beschlossen. Doch bevor dies geschehen konnte, wurden die Stellungnahmen durchgesprochen, die nach dem im Juli vom Rat gebilligten Bebauungsplanentwurf von Öffentlichkeit und Behörden bei der Verwaltung eingegangen waren.

Einwender Nummer eins beispielsweise warf der Stadt vor, ihn vorsätzlich getäuscht zu haben. 2007, so geht es aus der Stellungnahme hervor, habe er zwei Flurstücke im Gebiet Lehmgrube gegen zwei gleichwertige im Gebiet Ziegeläcker getauscht. Zu diesem Zeitpunkt sei ihm nicht bewusst gewesen, dass sich dort ein erhaltenswertes Kulturgut in Form einer alten römischen Fernstraße befindet. Nun forderte er die Bestätigung einer hundertprozentigen Bebaubarkeit.

Dieter Frank, Fachbereichsleiter Bau, entkräftete zunächst den Vorwurf der Täuschung: „Der Stadt Herbrechtingen war bis Juni 2017 selbst nicht bekannt, dass sich die römische Straße dort befindet.“ Diese sei allerdings nicht so hochwertig, dass das Landesamt für Denkmalpflege auf eine Erhaltung bestehe. „Somit kann eine Bebaubarkeit des Gebiets zugesichert werden“, so Frank. Außerdem sicherte die Verwaltung diesem Einwender zu, das Verkehrsaufkommen in der Alt-Ulmer-Straße zu beobachten. Sollte der Verkehr zunehmen, würden Beschränkungen eingeführt.

Geruch vom Kanal

Diese forderte auch Einwender Nummer zwei, der betont: „Ein nicht erhöhtes Verkehrsaufkommen in der Alt-Ulmer-Straße im Bereich der Firma Schlatterer stand seit Jahrzehnten an oberster Stelle und wurde uns mehrfach verbindlich zugesichert.“ Zudem wurde die Baustellenanbindung für Lastwagen während der Bauzeit über die Deponieausfahrt zugesichert, ebenso wie das Einhalten der Immissionsrichtwerte, die sonst für die Firma zu Problemen führen könnten. Zuletzt wurde die Geruchsbelästigung angesprochen, die vom Schmutzwasserkanal her rührt, an den auch das Baugebiet Lehmgrube angeschlossen werden soll. Frank versicherte, dass bereits intensiv geprüft werde und Maßnahmen ergriffen wurden, durch die man auf Erfolg hoffe.

Einwender drei wurde indes zugesichert, dass geprüft wird, ob der Gehweg entlang der Abt-Fulrad-Straße südlich ohne Grenzabstand zu den vom Einwender genannten Flurstücke verlaufen kann.

Von behördlicher Seite gab es keine großen Einwände. Der IHK wurde zugesagt, dass die umliegenden Industriebetriebe in der Lehmgrube nicht eingeschränkt werden, dem Regierungspräsidium, dass das „Natura 2000“-Gebiet nicht beeinträchtigt wird, und der Telekom, dass bestehende Leitungen und deren Betrieb gewährleistet bleiben.

Das Landratsamt hatte einen Hinweis zum vorsorglichen Schutz vor Starkregen gegeben, den die Verwaltung mittlerweile ergänzt hat, ebenso wie den Hinweis zum Bodenschutz und die Empfehlung zur Dachbegrünung. Das Landesamt für Denkmalpflege wies nochmals darauf hin, dass Meldung gemacht werden müsse, sollten bei weiteren Bauarbeiten archäologische Funde gemacht werden.

Alte Römerstraße

Der Denkmalschutz war beim Bebauungsplanverfahren für das Baugebiet Lehmgrube auf den Plan getreten, weil die Stadtverwaltung über das Areal eine zweite Zufahrt zum neuen Wohngebiet an der Eselsburger Straße anlegen will. Diese ist auch im dafür erstellten Bebauungsplan eingezeichnet. Im Rahmen der Anhörung der Träger öffentlicher Belange hatte sich die in Stuttgart ansässige Behörde gemeldet, weil parallell zur Ulmer Steige eine alte Römerstraße führt, die von der Erschließungsstraße überquert wird. Vom Denkmalamt war im Frühsommer eine Sondage vorgenommen worden, in deren Zug die Römerstraße partiell freigelegt wurde.

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