Energie In Amerdingen wird über Vorbehaltsfläche für Windkraft debattiert

Windräder bei Amerdingen? Die Meinungen dazu gehen derzeit weit auseinander.
Windräder bei Amerdingen? Die Meinungen dazu gehen derzeit weit auseinander. © Foto: Sabrina Balzer
Kreis Heidenheim / Martina Bachmann 30.05.2017
Bürger-Infoabend: In der Gemeinde wird über eine Vorbehaltsfläche für Windkraft debattiert. Bei einer Info-Veranstaltung prallten nun die Meinungen aufeinander.

Auch den Landkreis Donau-Ries beschäftigt die Suche nach Standorten für Windkraftanlagen. Und es gibt auch Widerstand von Menschen, die Nachteile durch die Windräder befürchten. Da das Ries und Gebiete des Riesrandes zudem Ausschlussfläche sind, gibt es nur noch wenige Flecken, an denen theoretisch ein Windrad gebaut werden kann. Einer davon ist am Rand von Dischingens bayrischer Nachbargemeinde Amerdingen, unweit des Wildparks Duttenstein.

Der Regionale Planungsverband Augsburg hat vorgeschlagen, genau dort ein elf Hektar großes Vorbehaltsgebiet auszuweisen. Das bedeutet: Dem Bau von Windkraftanlagen würde an dieser Stelle unter Abwägung mit konkurrierenden Nutzungen besonderes Gewicht beigemessen. Der Amerdinger Gemeinderat soll nun eine Stellungnahme zu diesem Vorschlag abgeben – und wie die ausfallen soll, darüber wird in der Gemeinde kontrovers diskutiert. Um das Stimmungsbild der Bürger einzufangen und sie zu informieren, setzte Bürgermeister Hermann Schmidt eine Informationsveranstaltung in der Mehrzweckhalle an. Der Besuch war eher mäßig.

Vogelschutzgebiet in der Nähe

Zunächst referierte Herbert Schmidt, geschäftsleitender Beamter der Verwaltungsgemeinschaft Ries, über die Sachlage. Reimut Kayser, Dillinger Kreisvorsitzender des Landesverbands für Vogelschutz, folgte. Zwar betonte Kayser, dass er nicht generell gegen Windräder sei, doch zum Standort Amerdingen sagte er: „Hier kann man unmöglich eine Anlage bauen.“ In unmittelbarer Nähe grenze ein Vogelschutzgebiet an.

Besonders der Rotmilan liegt Kayser am Herzen. Dieser Vogel sei nach dem Seeadler das „größte Totschlagopfer“ von Windkraftanlagen. Gerade die erfahrenen Tiere treffe es. Kayser rechnete vor, dass ein großes Windrad mit seinen Rotorblättern rund 1,5 Hektar überstreiche, sodass die Vögel kaum Zeit zum Durchfliegen hätten. Er sprach von einer „ökologischen Falle“, die bis zu 230 Meter hoch sei. Die Amerdinger sollten zudem diesen Natur- und Erholungsraum schützen.

Die Fläche, um die es geht, gehört Camilla Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg, die auch in die Mehrzweckhalle gekommen war. Ihr Mann hatte sich bereits in die Debatte eingebracht, denn er hatte den Gemeinderat in nichtöffentlicher Sitzung über Windkraft informiert. Carl-Albrecht Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg habe auf seinem Grund in Nordrhein-Westfalen bereits acht Windkraftanlagen gebaut, berichtete seine Frau. „Es geht bei der erneuerbaren Energie darum, wie wir es schaffen, die Erderwärmung unter zwei Grad Celsius zu halten, sodass der Meeresspiegel nicht weiter steigt.“ Zwei bis drei Windkraftanlagen bei Amerdingen seien da ein kleiner Preis – zumal sie drei Kilometer vom Ort entfernt wären.

Harald Wiedenmann meinte in der Diskussion, es müsse doch im Windpark in Zöschingen auffallen, wenn die von Kayser errechnete Zahl von Rotmilanen von den Windkraftanlagen getötet werde. Kayser entgegnete, dass die verendeten Tiere gefressen werden und man den Boden um die Anlagen nicht gezielt nach toten Vögeln absuche.

Regional contra regenerativ

Georg Honold, der den Zöschinger Windpark betreibt, bezeichnete Kayser als Windkraftgegner. Man müsse auch die andere Seite hören, forderte er. Engelhardt Wiedemann dagegen berichtete, die Investoren in Zöschingen seien unzufrieden, nur der Erbauer – also Honold – verdiene daran. Kayser hatte zuvor gesagt, dass die erwarteten Durchschnitts-Windgeschwindigkeiten in Amerdingen geringer seien als in Zöschingen. Heinz Amolsch forderte den Gemeinderat auf, nicht den regionalen Aspekt zu sehen, sondern die Aufgabe, aus einer fossilen in eine regenerative Welt zu gehen.

Bürgermeister Schmidt betonte, es sei Aufgabe des Gemeinderats, abzuwägen. Die Untere Naturschutzbehörde habe eine Stellungnahme abgegeben, zu der Gutachter Kayser beigetragen habe. Schmidt kündigte an, die Meinung der Dischinger Nachbarn einzuholen. Die Entscheidung fällt in der Amerdinger Gemeinderatssitzung am Donnerstag, 1. Juni, um 20 Uhr.

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