Dettingen / Manuela Wolf Zu einem Abendessen mit Denkanstößen hatte die evangelische Kirchengemeinde Dettingen ins Gemeindehaus eingeladen. Zu Gast bei „Dinner and more“ als Referent war Daniel Gulden am Freitagabend.

Die Kirchengemeinde Dettingen hatte Daniel Gulden eingeladen, zu den Gängen des Menu „geistige Nahrung zu servieren“. Wie die Herkunftsfamilie eine Ehe beeinflusst, sollte Guldener in den Pausen zwischen den Gängen erklären.

Die Abendessensgäste erwartete Zweiertische, liebevoll eingedeckt, mit Kerzen, getoasteten Herzchen und einer aufwändig gestalteten Menü-Karte dekoriert. Apfel-Sellerie-Suppe würde es geben und Rotweinäpfel zum saftigen Rindersteak, danach ein Himbeer-Rahm-Dessert. Dazu gedimmtes Licht und leise Musik - ein idealer Rahmen, um sich mit dem Partner auch mal über grundlegende Dinge zu unterhalten.

Gesprächsstoff gab es reichlich. Referent Gulden, zeitweise beim mehrteiligen Vortrag unterstützt von seiner Frau Ingrid, sprach gerade die unbequemen Themen an, über die sonst lieber geschwiegen wird. Beispiel: Die meisten Menschen nehmen sich vor, alles ganz anders zu machen als ihre Eltern. Und dann kommt der Vorwurf, von dem man dachte, dass man ihn nie zu hören bekommen würde: „Jetzt bist Du wie Deine Mutter!“ Gulden bat die Paare, selbstkritisch und ohne Bewertung zu überlegen: „Für welche Bereiche ihrer Partnerschaft gilt der Satz: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm? Jeder Partner bringt viel mit aus seiner Familie in die Beziehung. Ballast, mit dem man sich auseinandersetzen muss, und Kapital, auf das man bauen kann.“

Daniel Gulden, Diakon und Paar- und Familientherapeut, lockerte das konfliktbehaftete Thema mit Erzählungen aus seinem Berufsalltag und neuesten Erkenntnissen aus Wissenschaft und Forschung auf. Stichwort Partnerwahl. Gleich und gleich gesellt sich gern, das ist die Gruppe, die auf Gewohntes zurückgreift, auf Beziehungsmuster, die von zuhause bekannt sind und deshalb geliebt – und von den Eltern auch gutgeheißen – werden: „Junge, das ist ein anständiges, fleißiges Mädchen mit einem ordentlichen Beruf, die musst du nehmen!“

Auf der anderen Seite gibt es die Gegensatz-Paare, die sich anziehend finden, weil eigene Defizite durch den Partner ausgeglichen werden. „Zu welcher Gruppe gehören Sie?“, fragte er in die Runde, bevor der Hauptgang aufgetragen wurde.

Das Konzept für „Dinner and more“ wurde übrigens von Daniel Gulden mitentwickelt. Veranstaltungen dieser Art gibt es inzwischen regelmäßig in vielen Kirchengemeinden in ganz Deutschland, weil die Paare, die den Abend für intensive Gespräche nutzen, offenbar nachhaltig profitieren. „Wir fragen immer wieder mal nach, ob die Leute auch über die vorgeschlagenen Themen gesprochen haben beim Essen. Ergebnis: Sie tun es und sagen, dass sich die Beziehung zum Partner nach dem Abend tatsächlich verbessert hat.“

Immer im Gespräch bleiben und auch schwierige Dinge bis ins letzte Detail zu klären, das hat bei den Guldens Tradition. Bevor Daniel und Ingrid ein Paar wurden, trafen sie sich über Monate hinweg nur, um über die Lehre Luthers zu diskutieren. Sie unterhielten sich oft bis mitten in die Nacht. „Heute sind es andere Themen, aber bei uns wird alles ausdiskutiert. Das kann manchmal lange dauern, aber es lohnt sich. Immer“, erzählt die Sozialpädagogin und Mutter von vier Kindern.

Den Heimweg in den Welzheimer Wald hat das Paar vermutlich sehr gemächlich zurückgelegt. Daniel Guldens Großmutter erinnerte ihn immer wieder daran, dass „bei Tempo 120 der Heilige Geist aussteigt“: „Das hat mich geprägt. Allerdings fahre ich inzwischen maximal 140, denn mit Airbag, das hat auch meine Oma eingesehen, traut sich der Heilige Geist ein bisschen mehr zu.“