Königsbronn / Gerhard Stock Die Initiatoren des energetischen Quartierkonzepts sehen sich in Königsbronn auf einem zukunftsträchtigen Weg. Das Interesse bei einer Infoveranstaltung war allerdings mäßig.

Gemessen an der Besucherzahl ist das in Königsbronn mit großem Aufwand betriebene energetische Quartierkonzept bisher ein Schlag ins Wasser: höchstens drei Dutzend Besucher verloren sich am Donnerstagabend bei der groß angekündigten und sorgfältig vorbereiteten Bürgerinformation in der optimistisch bestuhlten Hammerschmiede. Zieht man davon die direkt oder indirekt mit dem ehrgeizigen Projekt befassten Personen ab, bleiben etwa zehn „normale Bürger“.

Das große Anliegen des Quartierkonzeptes ist es nämlich, in Zukunft beim Beheizen von bereits bestehenden Häusern ohne das altgewohnte Verbrennen fossiler Energieträger wie Kohle, Öl oder Gas auszukommen und so der Erdatmosphäre möglichst viel klimaschädliches Kohlendioxid zu ersparen. Eine „Jahrhundertaufgabe“, die nach den bisherigen Vorgaben der Politik bis 2050 geschafft sein soll, bis 2030 wenigstens bis zur Hälfte. Höchste Zeit also, in die Gänge zu kommen, wie erneut betont wurde.

Stolz auf Pionierarbeit

„Königsbronn tut was“, stellte Bürgermeister Michael Stütz stolz fest angesichts der vorbildlichen Pionierarbeit, die von den Technikern und Wissenschaftlern um Projektleiter Martin Lohrmann mit der intensiven Begutachtung des Wohnquartiers nördlich der Hüttenwerke geleistet wurde. Etwa 100 000 Euro lässt sich die Gemeinde diese Untersuchung kosten. Die Kommune ringt aber noch mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) um Bezuschussung, wo man sich offenbar vom „Modellcharakter“ der Königsbronner Pioniertat bisher gänzlich unbeeindruckt zeigt.

Konkret geht es in Königsbronn nun darum, den betroffenen Hausbesitzern die Erkenntnisse der Fachleute nahezubringen und sie zum Beispiel von der Notwendigkeit einer Mindestsanierung ihrer Immobilie zu überzeugen. Ziel dabei sei, den Wärmeverbrauch etwa durch Dämmung oder neue Fenster so weit wie möglich zu drücken. Die im Haus installierten Heizkreise können dann mit vergleichsweise niedriger Vorlauftemperatur betrieben werden.

Nur Übergabestation im Haus

Je mehr Hausbesitzer die dringend empfohlenen 50 Grad Celsius schaffen, desto besser rechne sich die angepeilte Nahwärmeversorgung der Häuser über ein insgesamt fast zehn Kilometer langes Leitungsnetz, wie Martin Lohrmann deutlich machte. Die Zentrale soll bei der Pfefferquelle entstehen, dem Quellwasser mittels Großwärmepumpe die für Heizwärme benötigte Energie entzogen werden. Das Pfefferwasser werde dadurch um wenige Grad Celsius abgekühlt. In den Häusern gebe es dann nur noch jeweils eine banale Übergabestation, die Besitzer hätten fortan „nichts mehr mit der Heiztechnik zu tun“.

Sich auf diese fortschrittliche und zukunftsträchtige Weise von althergebrachten Brennstoffen zu lösen, gelinge allerdings nur, wenn in dem Wohnquartier auch möglichst alle bei der angestrebten Energiegenossenschaft mitmachen. Dass hierzu noch eine Menge Überzeugungsarbeit an der Basis geleistet werden muss, ist auch Werner Glatzle klar, Sprecher des am Quartierkonzept mitwirkenden Arbeitskreises Bürger-Energie der Königsbronner Zukunftsoffensive. Auch er freute sich über anerkennende Worte des Bürgermeisters und sicherte zu, sich weiterhin engagiert für lokal praktizierten Klimaschutz durch Nahwärme aus kalter Quelle einzusetzen.

Kosten bei acht Millionen

Dass „Bürgerenergie“ funktioniere, könne man etwa in Oberharmersbach im Ortenaukreis beobachten, wo man es nach jahrelanger Vorlaufphase nun auf stolze 80 Prozent Anschlussdichte gebracht habe, berichtete Lohrmann. Die Investitionskosten für das Königsbronner Vorhaben hatte er mit rund acht Millionen Euro errechnet, den Preis für die hier erzeugte Nahwärme mit 14,3 Cent pro Kilowattstunde.

Nach dem ausufernden Fachvortrag vertieften sich die Besucher des Infoabends in angeregter Diskussion sowohl in technische Details wie auch in globale Zusammenhänge. Insider gehen davon aus, dass von der Politik schon bald spürbarer finanzieller Druck etwa in Form einer Kohlendioxidsteuer erzeugt werden wird, um zu vorzeigbaren Fortschritten beim Vermeiden von Treibhausgasen zu kommen.

In Zukunft soll es schnell gehen

In letzter Konsequenz und radikal mit bisher liberaler Handhabung brechend könne endlich ernst genommener Klimaschutz womöglich sogar einen Anschluss- und Benutzungszwang bedeuten, wie es ihn für Wasser, Abwasser und Strom schon lange gebe. Großflächige und umweltfreundliche Heizwärmeprojekte wie das in Königsbronn geplante könnten dann auf kommunaler Ebene vergleichsweise sehr schnell realisiert werden. Zeitraubende, mühsame und oft erfolglose Einzelgespräche wären nicht mehr notwendig.