Serie HZ-Sommertipp: Günter Trittner macht einen "Passivtag"

Einfach mal nichts tun.
Einfach mal nichts tun. © Foto: Jennifer Räpple
Heidenheim / günter trittner 03.09.2013
Hermann Hesse hat die Kunst des Müßiggangs beschrieben. Das Büchlein mit Prosa aus dem Nachlass des Schriftstellers und Dichters aus Calw ist noch im Handel, aber der Müßiggang selbst gilt heute nichts mehr. Günter Trittner hat es dennoch versucht.

Aktivität heißt die Parole, der Tag darf keine Pause haben. Selbst die Entspannung verlangt im Wellness-Tempel unseren vollen Körpereinsatz. Die Altersklassen im Sport werden schon über die 80 Jahre hinaus rubriziert und allenfalls rastlose Kinder betrachtet man mit etwas Sorge, wenn diesen der Arzt Hyperaktivität bescheinigt.

Das Rezept gegen gegen Hast, Stress und die peinigenden Gefühle etwas zu verpassen und nicht überall dabei sein zu können, ist dabei eigentlich leicht ausgestellt – sogar von einem Nichtmediziner: ein Passivtag.

Die von uns so gerne und beredt für ihre Lebenskunst gepriesener Italiener haben schon immer geschmeckt, dass es das Nichtstun ist, das süß mundet. Und auch uns, welche wir diesseits der Alpen leben, tut ein Abschalten vom Alltag gut.

Eine bequeme Liege reicht

Was aber nicht heißt, gleich wieder den Freizeitbetrieb einzuschalten. Nein: am Passivtag sind Aktivitäten tabu. Es reicht eine bequeme Liege, gerne im Freien aufgestellt, ein sanfter Wind, der so wie jetzt mit einer Andeutung Herbst leicht über einen hin- und wegstreicht.

Bitte keinen Picknick-Koffer packen. Es ist Passivtag. Und auch keinen Beschallungsknopf ins Ohr. Das Handy kommt unter strengste Verschluss. Allenfalls ein Buch darf mit als Einstiegshilfe in die Welt jenseits der sinnlichen Wahrnehmung.

Das Zwischenreich zwischen Wachen und Schlafen

Denn wenn beim Blinzeln gegen die Sonne die Zeilen zu verschmelzen beginnen, die gelesenen Worte ihre Bedeutung verlieren, dann startet im Zwischenreich von Wachen und Schlafen der große Gedankenflug. Einmal rund um die Welt in wenigen Minuten, hinein in die Höhen und Tiefen menschlicher Erfahrung, ins Licht und ins Dunkel.

Von Arthur Schopenhauer, dem deutschen Philosophen, wissen wir, was wir durch kontemplatives Betrachten schauen können, dann wenn wir uns versenken ohne einen anderen Grund als das Versenken: Wir bekommen Zugang zum Wesen der Welt.

Und das ist nicht wenig für einen Passivtag.