Serie HZ-Sommertipp: Christine Weinschenk im Naturfreibad

Brrr, ohne Bewegung wird's doch ganz schön kalt. Schnelles Schwimmen hilft aber gegen die Gänsehaut.
Brrr, ohne Bewegung wird's doch ganz schön kalt. Schnelles Schwimmen hilft aber gegen die Gänsehaut.
Niederalfingen / 07.09.2013
Schwimmen mit Wasserpflanzen, aber ohne Fische: Das ungechlorte Naturfreibad in Niederalfingen ist die perfekte Mischung aus Baggersee und Freibad.

Das Schönste am Sommer ist die Abkühlung. Erfrischung in Form von kaltem, klarem Wasser. Und kalt ist das Wasser im Niederalfinger Naturfreibad. Und zwar richtig, denn es ist unbeheizt. 21 Grad zeigt die Wettertafel meistens – bei langanhaltender Hitze auch mal 24. Vermutlich eine Übertreibung. Darauf lassen das schmerzverzerrte Gesicht und das Gewinsel von Warmduschern schließen, wenn sie sich Zentimeter für Zentimeter ins Becken vorkämpfen.

Glasklar ist das Wasser allerdings nicht. Wie es sich für ein Naturfreibad gehört, ist es dunkelgrün und versetzt mit Algen. Schwimmen mit Wasserpflanzen, aber ohne Fische – die perfekte Mischung aus Baggersee und Freibad.

Da das Bad nicht gechlort wird, liegt kein unangenehmer Chemie-Geruch in der Luft, die Haut wird nach dem Trocknen nicht ungesund kalkig und das Becken ist nicht mit einer unnatürlich blau leuchtenden Folie ausgekleidet. Das Sprungbrett ist ein Sprungfelsen aus Stein und die Wege um das Becken sind teilweise aus Holz, was ein bisschen Nordsee-Feeling aufkommen lässt. 2006 wurde das Naturerlebnisbad Niederalfingen (ein Teilort von Hüttlingen, rund acht Kilometer von Aalen entfernt) als erstes voll ökologisch betriebenes Naturerlebnisbad der Region Ostwürttemberg in Betrieb genommen.

Freibad ohne Chlor? Das funktioniert mit zwei voneinander unabhängigen Reinigungssystemen. Zunächst ist da ein sich selbst reinigendes Regenerationsbecken – bepflanzt mit Aquakulturen und Seerosen.

Außerdem gibt es den Neptunfilter. Auf 520 Quadratmetern bepflanzter Oberfläche zerstäuben 148 Pilzdüsen verbrauchtes Badewasser und starten über die UV-Strahlung der Sonne die erste Reinigungsphase. Dann setzen 1300 Kubikmeter feine vulkanische Kiesel in einer zwei Meter dicken Schicht den Reinigungsprozess fort. Ein bakteriologischer Biorasen, der jeden Kiesel überzieht, baut vorbeiströmende Schadstoffe und andere Substanzen ab. Wasserverluste aus Verdunstung werden aus einem eigens für das Bad gebohrten Tiefbrunnen in Trinkwasserqualität wieder zugesetzt.

Also, auch im September lässt es sich noch herrlich planschen. Das Bedürfnis nach Erfrischung ist zwar etwas abgeklungen, aber ist die Außentemperatur erst mal niedriger als die im Wasser, ist die Überwindung, ins Becken zu steigen, nicht mehr so groß. Und jetzt muss jeder Sonnenstrahl genutzt werden, denn: Bis zum nächsten Sommer ist es noch unglaublich lang . . .