Gerstetten / Christine Weinschenk Seit 21 Jahren gibt es die Hospizgruppe in Gerstetten. Derzeit besteht sie nur noch aus zwei Ehrenamtlichen. Neue Helfer werden dringend gesucht.

Sterben, Tod, Krankheit – Martina Müller beschäftigt sich mit Themen, die man im Alltag gern ausblendet. Sie ist nicht nur Einsatzleiterin der Hospizgruppe, die Schwerstkranke und Sterbende begleitet. Sie leitet auch die monatlichen Gesprächskreise für trauernde und pflegende Angehörige in Gerstetten. Schwierige Lebenssituationen schrecken die Sozialarbeiterin nicht.

„Die Endlichkeit des Lebens empfinden viele als Bedrohung, weil niemand weiß, was nach dem Tod mit uns passiert“, erklärt die 56-jährige Gerstetterin. „Aber der Tod ist nun mal Teil des Lebens und es ist wichtig, dass man diese Themen ins Leben integriert. Man lebt bewusster, wenn man sich klar macht, dass das Leben endlich ist.“ Wenn sie Bekannten oder Fremden von ihrer ehrenamtlichen Arbeit in der Hospizgruppe erzählt, ist die Reaktion häufig dieselbe: „Das könnte ich nicht.“ Aber auch ihre Antwort darauf lautet immer gleich: „Du könntest das sehr wohl. Man muss sich nur darauf einlassen. Mit dem Tun wächst man in diese Aufgabe hinein.“

Welche Eigenschaften braucht man, wenn man mit Schwerkranken und ihren Angehörigen umgeht? „Einfühlungsvermögen und Respekt“, sagt Müller. „Aber das Wichtigste ist, dass man Interesse an Menschen und ihren Lebensgeschichten hat. Diese Geschichten sind wertvolle Schätze, die uns die Sterbenden hinterlassen.“

Helfen ohne Worte

Nicht immer fallen am Krankenbett jedoch viele Worte. „Wir möchten, dass im Zimmer eine friedliche Atmosphäre herrscht. Das erreicht man oft schon damit, dass man die Hand des Sterbenden hält und einfach da ist“, sagt Müller. Im Leben sei jeder Mensch anders – und das gelte auch fürs Sterben.

Manche Menschen möchten gehen, andere klammern sich ans Leben. Manche sind ängstlich, andere haben das Gefühl, gut und genug gelebt zu haben und verabschieden sich gelassen von der Welt. In diesem Prozess nicht allein zu sein, entlaste auch die Angehörigen.„Auch die brauchen das Gespräch. Für sie ist das Loslassen oft genauso schwer wie für einen Sterbenden.“

Nur noch zwei Helfer sind übrig

1998 wurde die Hospizgruppe in Gerstetten gegründet. Anfangs waren es etwa acht Helfer. Derzeit besteht die Hospizgruppe nur noch aus zwei Personen, Martina und Marianne Müller. Im vergangenen Jahr wurden acht Sterbende von ihnen begleitet. „Wir haben über Jahre versäumt, darauf aufmerksam zu machen, dass wir Unterstützungsbedarf haben“, sagt Martina Müller.

Das soll sich jetzt ändern. Im Mai wird der Qualifizierungskurs „Sterbende begleiten lernen“ angeboten (siehe Beitrag unten). Hier erfährt man unter anderem, womit man am Krankenbett konfrontiert werden kann, man lernt, wie man damit umgeht und auch Methoden zum Selbstschutz.

Werden die Hospizgruppen noch gebraucht?

Vergangene Woche wurde das Hospiz Barbara in Heidenheim eröffnet. Braucht es die Arbeit der Hospizgruppen denn nun noch? „Natürlich“, sagt Martina Müller. „Wir werden weiterhin gebraucht, wenn Menschen daheim sterben möchten.“ Häufig gehe man jedoch auch in Pflegeeinrichtungen und betreue die Menschen dort. „Manchmal verbringen wir nur ein paar Stunden mit ihnen, manchmal geht es über mehrere Tage oder Wochen. Wir besuchen im Pflegeheim auch Menschen, die schwer krank und einsam sind.“ Oft werde ihr Ehrenamt als Hospizarbeit betitelt. „Für mich ist das aber keine Arbeit. Es ist Zeit, die ich mit anderen teile. Und das fühlt sich gut und richtig an.“

„Sterbende begleiten lernen“ – Infoabend zum Qualifizierungskurs am 28. März

Dem Leben im Sterben und dem Sterben im Leben einen Raum geben – unter diesem Motto engagiert sich die Gerstetter Hospizgruppe seit 1998. Die Gruppe besteht derzeit nur noch aus zwei Ehrenamtlichen und sucht dringend weitere Helfer. Unterstützt werden sie von Palliativfachkräften der Hospizgruppe Heidenheim mit der seit 15 Jahren eine Kooperation besteht.

Für Helfer wird in Zusammenarbeit mit dem Schulungsteam des Diakonischen Werkes Heidenheim ein Qualifizierungskurs angeboten. Der Kurs „Sterbende begleiten lernen“ besteht aus einem Grund- und Vertiefungskurs sowie einem Praktikum in einer Pflegeeinrichtung.

Der Kurs richtet sich an alle Personen, die sich für die Sterbebegleitung interessieren und bereit sind, sich mit dem Thema Sterben auseinanderzusetzen. Der Grundkurs umfasst fünf Abende zu je drei Stunden und zwei Samstage zu je sechs Stunden. Er beginnt am Freitag, 3. Mai, und endet am Samstag, 25. Mai.

Am Donnerstag, 28. März, findet ab 19 Uhr ein Infoabend in den unteren Räumlichkeiten des Pflegezentrums Gerstetten statt. Infos zum Kurs gibt es auch unter Tel. 0151.70502800. Anmeldungen nimmt Martina Müller unter Tel. 07323.4799 oder per E-Mail an tina.mueller99@web.de entgegen.