Entscheidung Höhlen im Lone- und Achtal zum UNESCO-Welterbe ernannt

Krakau/Niederstotzingen / Catrin Weykopf 09.07.2017
Mehr als sechs Jahre hat man im Kreis Heidenheim auf diese Entscheidung hingearbeitet, nun ist es geschafft: Die Eiszeithöhlen in Lone- und Achtal haben den Welterbestatus der UNESCO erhalten.

Es war ein langer Weg, doch nun ist es geschafft: Das UNESCO-Welterbekomitee hat den Höhlen in Lone- und Achtal den Welterbe-Status verliehen. Und: Zahlreiche Komitee-Mitglieder drückten ihre außerdordentliche Anerkennung für die deutsche Bewerbung aus.

Damit reihen sich die schwäbischen Höhlen ein in eine Liste, auf der bereits die Pyramiden von Gizeh, die Chinesische Mauer oder die Inkastätte Machu Pichu in Peru stehen. Gute Gesellschaft also.

Insgesamt tragen mehr als 1000 Stätten in mehr als 160 Ländern den Titel UNESCO-Welterbe. (Hier geht’s zur Liste).

Vergeben wird der Titel nach Kriterien der Einzigartigkeit, der Authentizität (historische Echtheit) und der Integrität (Unversehrtheit), in Verbindung mit einem oder mehreren von insgesamt zehn UNESCO-Kriterien.

Der Antrag für die Höhlen in Lone- und Achtal wurde unter dem Titel „Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb“ geführt.

Insgesamt lagen dem UNESCO-Komitee für seine diesjährige Tagung in Krakau 33 Bewerbungen für neue Welterbestätten vor, darunter Stätten in Eritrea, Jordanien, Dubai, Aserbaidschan, Japan, Angola und Menorca/Spanien.

Um welche Höhlen geht’s genau?

Im Kreis Heidenheim befindet sich eine der sechs nominierten Höhlen: Und zwar die Vogelherdhöhle bei Stetten ob Lontal (sie befindet sich auf dem Gelände des eigens errichteten Archäoparks).

Archäologen entdeckten hier eine Vielzahl der bedeutendsten, etwa 40.000 Jahre alten plastischen Hinterlassenschaften der eiszeitlichen Menschen, darunter eine Fülle von aus Mammut-Elfenbein geschnitzten Tierfiguren wie das berühmte Wildpferdchen oder die mittlerweile im Archäopark Vogelherd ausgestellte Mammutfigur.

Die anderen fünf Höhlen liegen auf Markung des Alb-Donau-Kreises: Hohlenstein-Stadel (Fundort des Löwenmenschen) und Bockstein (Neandertaler-Fundplatz) im Lonetal sowie Geißenklösterle (Fundort Vogelknochen-Flöte), Hohle Fels (Fundort Venusfigur) und Sirgensteinhöhle (Fundort Neandertaler und moderner Mensch) im Achtal.

Die Freude über den Titel dürfte bei den Verantwortlichen in der Region groß sein. Dass die Chancen für die Höhlen (der Status Welterbe gilt für alle sechs Höhlen gemeinschaftlich) gut stehen, zeichnete sich spätestens Anfang Juni ab. Damals hatte der Internationale Rat für Denkmalpflege (Icomos) einem Medienbericht zufolge empfohlen, die Höhlen in die Liste der Welterbestätten aufzunehmen. Zwar ist das UNESCO-Komitee nicht an die Empfehlungen des Rates gebunden, war diesen in der Vergangenheit jedoch oft gefolgt.

Windräder vs. Eiszeiterbe

Dass die Höhlen nun Welterbe sind, mag aus Sicht vieler ein Glücksfall sein. Leicht war der Weg dorthin allerdings nicht. Zahlreiche Hürden galt es zu überwinden, darunter eine kurz vor der Entscheidung: Pläne der ENBW, drei Windräder in unmittelbarer Nähe der Bocksteinhöhle aufzustellen, hatten Anfang des Jahres für erheblichen Wirbel gesorgt.

Das Projekt wurde jedoch vorerst vom Tisch gefegt, da das Landratsamt des Alb-Donau-Kreises den Genehmigungsantrag des Energiekonzerns abgelehnt hat. Auch das Landesamt für Denkmalpflege hatte darauf verwiesen, dass nicht nur die Fundstellen der Eiszeitkunst selbst, sondern auch die Umgebung Einfluss auf den Welterbe-Status haben können.

Hier geht es zur (vorläufigen) Liste der Stätten, die 2017 den Status des Welterbes erhalten haben.

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