Bolheim Viehweide Nord: Künstlicher Brenzarm für neues Wohngebiet

Noch Landschaft pur und eine Fläche, die bei Hochwasser der Brenz überschwemmt werden kann. Damit dennoch auf der Viehweide Nord in Bolheim ein Wohngebiet entstehen kann, legt die Stadt der Brenz einen künstlichen Arm an.
Noch Landschaft pur und eine Fläche, die bei Hochwasser der Brenz überschwemmt werden kann. Damit dennoch auf der Viehweide Nord in Bolheim ein Wohngebiet entstehen kann, legt die Stadt der Brenz einen künstlichen Arm an. © Foto: Christian Thumm
Bolheim / Günter Trittner 30.11.2018
Nur mit einem künstlichen Brenzarm kann in Bolheim ein neues Wohnquartier ermöglicht werden. An sich besteht in der Viehweide Nord ein Bauverbot.

Eigentlich verbietet es der Hochwasserschutz, dass in der Viehweide Nord gebaut wird. Doch die Vorschläge, die die Stadtverwaltung dem Regierungspräsidium Stuttgart unterbreitet hat, waren so gut, dass die Aufsichtsbehörde nicht nur ihr Okay gegeben hat, sondern die Umwandlung zu einem Wohngebiet begrüßt und von einer ökologischen Aufwertung spricht. Denn die Stadt wird auf Höhe des Firmenareals Neubolheim, da wo Brenz und Kanal parallel aufeinander zueinander verlaufen, einen künstlichen Brenzarm anlegen.

Bei der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Bauwesen und Verkehrsangelegenheiten informierte Dieter Frank, der Leiter des Fachbereichs Bau im Rathaus, die Stadträte, über die ab Frühjahr 2019 vorgesehenen Arbeiten, damit ein Bebauungsplanverfahren für das neue Wohngebiet eröffnet werden kann. Das künftige Wohnquartier, das Platz für 20 bis 25 Einfamilienhäuser haben wird, liegt in direkter nördlicher Verlängerung der Wiedenwiesen und wird auch über die Straßen Wiedenwiesen und Viehweiden angefahren werden.

Auch wenn das Areal im Flächennutzungsplan bereits als Wohngebiet markiert ist, gilt es nach dem neuen Wassergesetz als Überschwemmungsgebiet. „Sogar das Aufstellen eines Bebauungsplans ist damit schon untersagt“, machte Frank den Räten deutlich. Das dennoch eine Ausnahmeregelung greifen kann, liegt daran, dass es in Bolheim keine kommunalen freien Bauplätze mehr gibt, und die Stadt mit dem künstlichen Brenzarm eine Ersatzfläche für das Rückhalten von Hochwasser schaffen will.

Ökologische Aufwertung

Das derzeitige für den Hochwasserschutz hier definierte Retensionsvolumen liegt bei 1500 Kubikmeter. Mit dem Brenzarm gewinnt die Stadt 3300 Kubikmeter Einstauvolumen und übertrifft damit deutlich die Erfordernis. Hoch bewertet wird vom Regierungspräsidium zudem die damit verbundene ökologische Aufwertung.

13 000 Quadratmeter Baufläche bringt das neue Baugebiet. Bereits 98 Prozent des Grundes befinden sich im Besitz der Stadt. Frank ging in der UBV-Sitzung davon aus, dass im Herbst 2020 die ersten Häuser gebaut werden können.

Für den künstlichen Brenzarm sind Baukosten in Höhe von 200 000 bis 250 000 Euro angesetzt. Laut Beigeordnetem Thomas Diem werden diese aber nicht 1 zu 1 den Erschließungskosten und damit dem Bauplatzpreis zugeschlagen, da mehr Retensionsfläche als nötig geschaffen werde. „Wir werden das sachgerecht machen.“

CDU-Stadtrat Manfred Strauß forderte die Verwaltung zu eiligem Handeln auf, „denn Bolheim hat keinen einzigen Bauplatz mehr.“ Jörg Ehrlers (SPD), sonst kein Freund von Flächenverbrauch in der Natur, überzeugten die ökologischen Maßnahmen, hier zuzustimmen. Bei einer Gegenstimme von Jörg Wissmann (Freie Wähler) wurde die vorgeschlagene Vorgehensweise vom Gremium gutgeheißen.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel