Hermaringen / Brigitte Malisi Noch besteht die Hoffnung, dass sich das Unternehmen in Eigenverwaltung saniert und die 55 Arbeitsplätze erhalten bleiben können.

Was in Hermaringen schon eine ganze Weile gemunkelt wird, ist nun traurige Gewissheit: Die Firma Wikora GmbH Solarspeichersysteme ist insolvent. Bereits Mitte Februar war der Antrag beim Amtsgericht in Aalen gestellt worden.

Noch bis Ende April erhalten die 55 Mitarbeiter ihre Löhne und Gehälter aus dem Insolvenzgeld. Wie es anschließend weitergehen wird, ist derzeit noch unklar. Ziel sei es aber, die Firma zu sanieren und neu aufzustellen, das könne auch mithilfe eines Investors geschehen. Diesbezüglich arbeiten Firmenleitung und Sanierungsexperte Michael Wahl von der Pluta Rechtsanwalts GmbH derzeit gemeinsam an einem tragfähigen Konzept für die Zukunft. Das teilt die Relatio PR-Agentur aus München mit, die von Pluta und Wikora für Presseauskünfte beauftragt ist. Zu einer persönlichen Stellungnahme gegenüber der Heidenheimer Zeitung war Wikora-Geschäftsführer Rainer Brauchle nicht bereit.

Insolvenz in Eigenverwaltung

Brauchle, der im April 2017 die Geschäftsführung von Firmeninhaber und Geschäftsführer Leonhard Jooß übernommen hat, führt die Geschäfte derzeit weiter. Das ist möglich, weil sich Wikora nicht in einem klassischen Insolvenzverfahren befindet, sondern in einem sogenannten Eigenverwaltungs- oder Schutzschirmverfahren.

Diese besondere Form eines Insolvenzverfahrens soll einer betroffenen Firma die Sanierung erleichtern. Dafür bedarf es der Zustimmung des Insolvenzgerichtes, das dann keinen Insolvenzverwalter einsetzt, sondern einen Sachverwalter, der das Verfahren begleitet und überwacht. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass das Gericht eine echte Chance für eine Sanierung sieht und das Verfahren keinen Nachteil für Gläubiger bedeutet.

Im Fall von Wikora begleitet Dr. Philipp Grub von der Kanzlei Grub Brugger das Verfahren. Dieser erklärte gegenüber der Relatio PR-Agentur, dass das Unternehmen Fortschritte mache und er hoffe, dass sich die positive Entwicklung in den nächsten Wochen fortsetze. Für eine Anfrage der HZ war auch Grub nicht verfügbar.

Zu hohe Rohstoffpreise

Dass die Geschäfte bei Wikora in den vergangenen Jahren nicht immer zum Besten verliefen, war kein Geheimnis, dafür genügte ein Blick in die Geschäftsberichte. Den jetzigen Schritt in die Insolvenz begründet Geschäftsführer Brauchle mit aktuellen Liquiditätsschwierigkeiten.

Das Unternehmen habe in den vergangenen Jahren mit Umsatzeinbußen gekämpft und Verluste geschrieben. 2018 sei der Verlust aber noch einmal höher gewesen als in den Vorjahren. Dazu hätten sich die Beschaffungspreise für Rohstoffe in den vergangenen Jahren erhöht, diese Preiserhöhung habe man aber nicht an die Kunden weitergeben können.

In den vergangenen Wochen habe man viele Gespräche mit Kunden geführt, die angaben, dem Unternehmen auch weiter die Treue halten zu wollen. Die Auftragslage von Wikora habe sich gebessert, lässt Brauchle weiter mitteilen.

Keine positive Entwicklung

Einen Grund für die Schieflage von Wikora sieht Brauchle darin, dass sich das Solarthermiegeschäft nicht so positiv entwickelt habe wie geplant. Die staatlichen Förderungen seien in den vergangenen Jahren deutlich reduziert worden, was sich direkt auf die Umsatzzahlen ausgewirkt habe. Dennoch wachse das Unternehmen in diesem Bereich wieder, wenn auch auf einem niedrigen Niveau.

Das Kerngeschäft von Wikora seien Speichersysteme, vor allem Wasserspeicher. Das Solarthermiegeschäft mache nur etwa zehn Prozent des Umsatzes aus.

Mit neuen Entwicklungen will Wikora wieder ins Geschäft kommen. Fossile Brennstoffe sollen der Vergangenheit angehören, stattdessen setze man auf neue regenerative Systemspeicher, so Brauchle.

Bleibt zu hoffen, dass Wikora mit diesen Ideen einen Insolvenzplan auf die Beine stellen kann, der auch die Gläubiger und vielleicht sogar einen Investor überzeugt. Im derzeitigen vorläufigen Verfahren bleiben der Firma dafür drei Monate Zeit.

Von 75 auf 55 Arbeitsplätze

Die Insolvenz der Firma Wikora löst in der ganzen Gemeinde Betroffenheit aus. Vor allem die Sorge um die derzeit noch 55 Arbeitsplätze ist groß. 2009, kurz nach der Inbetriebnahme der neuen Halle im Gewerbegebiet Berger Steig, hatte Wikora noch 75 Beschäftigte und neun Auszubildende.

Auch Bürgermeister Jürgen Mailänder hofft, dass das das traditionsreiche Hermaringer Unternehmen die Sanierung schafft und als wichtiger Arbeitgeber im Ort erhalten bleibt. Es stimme ihn aber optimistisch, dass alle Beteiligten sich um den Erhalt der Firma bemühen.