Kreis Heidenheim Industriepark: Hermaringen will Giengener Pläne doch nicht stoppen

Erst vor zwei Wochen hatte der Hermaringer Gemeinderat die Pläne für den Giengener Industriepark abgelehnt. Jetzt revidierte er seine Entscheidung.
Erst vor zwei Wochen hatte der Hermaringer Gemeinderat die Pläne für den Giengener Industriepark abgelehnt. Jetzt revidierte er seine Entscheidung.
Kreis Heidenheim / Brigitte Malisi 17.08.2018
In einer erneuten Abstimmung stimmten die Gemeinderäte der notwendigen Änderung des Flächennutzungsplanes zu.

Für reichlich Wirbel hatte es gesorgt, als der Hermaringer Gemeinderat vor zwei Wochen der Nachbarstadt Giengen die Zustimmung für den geplanten Industriepark östlich der Autobahn verweigert hatte.

Nun hatte der Bürgermeister das Thema, bei dem es eigentlich nur um eine Änderung des Flächennutzungsplanes ging, noch einmal auf die Tagesordnung gesetzt und ließ erneut abstimmen: Nur noch zwei Gemeinderäte lehnten ab, acht stimmten dafür und zwei enthielten sich der Stimme.

Keine Überraschung

Überraschend war das allerdings nicht, zumindest nicht dann, wenn man die letzte Sitzung verfolgt hatte. Da hatten zwar viele der Gemeinderäte kritische Anmerkungen zu dem geplanten 40 Quadratmeter großen Industriepark geäußert. Dass aber die Abstimmung so ausgehen könnte (zwei Ja-Stimmen, sechs Gegenstimmen und fünf Enthaltungen), damit hatte niemand gerechnet.

Eine gewisse Ratlosigkeit machte sich breit und schnell wurde klar, dass es nicht die Absicht der Räte gewesen war, sich bewusst gegen die Pläne der Nachbarstadt zu stellen. Das wurde in der Sitzung am Donnerstag von allen Seiten betont. Man habe nach wie vor Bedenken und diese habe man auch zum Ausdruck bringen wollen, aber: „Der Hermaringer Gemeinderat ist nicht dafür da, den Industriepark zu stoppen“, wie Hans Ott (CDU-FWG) zusammenfasste.

Giengener auffallend ruhig

Ott kündigte aber dennoch an, bei seinem Nein bleiben zu wollen. Er sei skeptisch, dass die geplanten 40 Hektar Industriegebiet in den nächsten fünf Jahren tatsächlich gebraucht würden. Und er wunderte sich, wie wenig Reaktionen es auf das Vorhaben gebe. Außer ein paar Leserbriefen von Auswärtigen verhalte man sich Giengen auffallend ruhig.

Volle Zustimmung bekam Ott von Stefan Czichon (WDA), der es wichtig fand, dass der Giengener OB Dieter Henle auf die Bedenken der Hermaringer Räte eingegangen sei. Gleich am darauffolgenden Tag der denkwürdigen Sitzung hatte Bürgermeister Mailänder ein Telefonat mit OB Henle geführt, bei dem sich beide Seiten optimistisch zeigten, die Bedenken ausräumen zu können. Dabei habe Henle zugesagt die Forderung nach einem Lärmschutz an der B 492 in Hermaringen zu unterstützen, wie Mailänder berichtete. Außerdem habe Henle verschiedene offene Erklärungen dazu abgegeben, dass er auf die die Belange von Landwirtschaft und Natur und auf den Branchenmix ein Augenmerk haben werde. An diesem Aussagen werde sich Henle messen lassen müssen.

Vorwurf: mangelnde Sensibilität

Mailänder warb für die Zustimmung zur Änderung des Flächennutzungsplans. Man vergebe sich damit nichts, denn das sei lediglich ein Einstieg in ein Verfahren, zu dem auch noch die Träger öffentlicher Belange ihre Stellungnahmen abgeben würden. Diese hätten bei anderen Verfahren immer die Natur im Fokus gehabt. „Wollen wir mal sehen, wie die sich dazu stellen.“

Hans-Dieter Diebold (WDA) verwies darauf, dass Hermaringen ebenfalls die Zustimmung von Giengen brauche, um eine Flächennutzungsplanänderung vorzunehmen, die das eigene Gewerbegebiet betreffe. Gleichzeitig sparte er aber nicht mit Kritik und warf der Nachbarstadt mangelnde Sensibilität vor.

Giengen treffe Entscheidungen und Hermaringen bekomme die Auswirkungen durch mehr Verkehr zu spüren. Sollte der Industriepark kommen, müsse die Verkehrssituation entsprechend verbessert werden und zudem eine Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr erfolgen.

Die Gemeinderäte stimmten der Änderung des Flächennutzungsplans also nun mehrheitlich zu. Neben der Forderung nach Unterstützung in Sachen Lärmschutz, wurde noch der Appell aufgenommen, den Branchenmix zu überdenken und die Belange der Landwirtschaft „bestmöglichst zu berücksichtigen“. Die drei Vertreter aus dem Gremium und Bürgermeister Jürgen Mailänder wurden angewiesen, in der Sitzung der Vereinbarten Verwaltungsgemeinschaft mit Giengen entsprechend abzustimmen.

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