Schwarzbauten Herbrechtinger Wochenendhäuser: Wenn der bauliche Wildwuchs sprießt

Die Klein- und Krautgärten in den Wiedenwiesen am nördlichen Ortsrand Bolheims: Die Stadtverwaltung will künftig konsequenter darauf achten, dass in Gebieten wie diesem die geltenden Vorschriften eingehalten werden.
Die Klein- und Krautgärten in den Wiedenwiesen am nördlichen Ortsrand Bolheims: Die Stadtverwaltung will künftig konsequenter darauf achten, dass in Gebieten wie diesem die geltenden Vorschriften eingehalten werden. © Foto: Geyer-Luftbild
Herbrechtingen / Michael Brendel 10.08.2017
Die Stadtverwaltung hat damit begonnen, die zahlreichen Garten- und Wochenendhausgebiete rund um die Stadt stärker als bisher zu kontrollieren.

Bleibt die Natur sich selbst überlassen, wuchert über kurz oder lang die ganze Szenerie zu. In der Welt der Hobbygärtner droht zudem ein Wildwuchs besonderer Art: Mangelnde Kontrolle zieht nicht selten Bautätigkeit nach sich, die die Grenzen zwischen Gerätehütte und Wohnhaus sukzessive verschmelzen lässt. Wer etwa bei einem ausgedehnten Spaziergang rund um Herbrechtingen den Blick schweifen lässt, wird vieler Beispiele gewahr, die ohne den hinderlichen Einfluss des Baurechts in die Gegend gesetzt wurden.

Baurecht missachtet

Immer wieder hat sich der Gemeinderat in der Vergangenheit mit der Frage befasst, wie in besonders dreisten Fällen zu verfahren ist. Schon vor einiger Zeit sprach er sich gemeinsam mit der Stadtverwaltung dafür aus, sämtliche 13 Flächen in und um Herbrechtingen genauer unter die Lupe zu nehmen, die als Wochenendhaus-, Gartenhaus- oder Klein- und Krautgartengebiete ausgewiesen sind.

Ziel: Bislang verborgen gebliebene Schwarzbauten sollen entdeckt und dank der Bestandsaufnahme die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, künftige Verstöße gegen die Vorschriften einfacher zu ahnden.

Wenngleich die Krautgärten in den Wiedenwiesen am nördlichen Ortsrand Bolheims nicht als Schauplatz der ärgsten Auswüchse einzustufen sind, galt das Augenmerk zunächst diesem Gebiet. Rund fünf Dutzend Parzellen befinden sich auf dem etwa zehn Hektar großen Gelände, und zu den Eigentümern zählt auch die Stadtverwaltung. Ihr gehören neben mehreren Teilflächen verschiedene Wege.

Zäune sind dort nicht gestattet, Hecken dürfen höchstens 80 Zentimeter hoch sein. Es können sogenannte Geschirrhütten aufgestellt werden, sofern das Volumen dieser kleinen Häuschen, die der Aufbewahrung von Werkzeug dienen, 15 Kubikmeter nicht überschreiten. Vergleichbares gilt für Foliengewächshäuser.

Dass diese Vorgaben nicht konsequent eingehalten wurden, zeigte sich bei der amtlichen Inaugenscheinname im vergangenen Frühjahr: „Wo baulich eigentlich nichts erlaubt ist, waren in den vergangenen 20 Jahren teilweise recht massive Gebäude entstanden“, sagt Dieter Frank, Leiter des Fachbereichs Bau im Rathaus.

Außerdem waren im Laufe der Zeit Streitigkeiten hochgekocht, weil Grenzen zwischen den einzelnen Gärten nicht eingehalten wurden, sofern sie überhaupt zu erkennen waren. Die vom Rathaus in Auftrag gegebene Vermessung und fotografische Dokumentation sorgte auch in dieser Hinsicht für Klarheit.

Frank zufolge hat die Verwaltung zuletzt manchem bereits auf den Weg gebrachten Schwarzbau einen Riegel vorgeschoben. Noch ist aber nicht abschließend geklärt, wie mit sogenannten Altfällen zu verfahren ist, spielt bei der Abwägung über das weitere Vorgehen doch auch der Bestandsschutz eine Rolle. Unwahrscheinlich ist allenfalls, dass Bebauungspläne für die Gartengebiete aufgestellt werden, in denen es solche bislang nicht gibt. Möglicherweise ergäbe sich aus ihnen nämlich der Anspruch auf die Versorgung mit Strom und Wasser, und diese soll es dort gerade nicht geben, wie Frank schon vor gut einem Jahr betonte, als der Ausschuss für Umwelt, Bauwesen und Verkehrsangelegenheiten die Angelegenheit erörterte.