Umbau Herbrechtinger Rathausplatz bekommt neues Gesicht

Viele Stufen, wenig Flair: Als Veranstaltungsfläche taugt der Rathausplatz in Herbrechtingen nur bedingt.
Viele Stufen, wenig Flair: Als Veranstaltungsfläche taugt der Rathausplatz in Herbrechtingen nur bedingt. © Foto: Oliver Vogel
Herbrechtingen / MICHAEL BRENDEL 24.05.2013
Langsam aber sicher drängt die Zeit: Im Sanierungsgebiet Lange Straße fließen Landesmittel nur für Vorhaben, die bis zum 31. Dezember 2014 begonnen werden. Deshalb gibt die Stadtverwaltung jetzt Gas, was die Neugestaltung des Rathausplatzes anlangt.

Der zentrale Platz der Stadt, zwischen Rathaus und Buigen-Center gelegen, muss aus zweierlei Gründen auf Vordermann gebracht werden. Zum einen dient er als Deckel für die darunter liegende Tiefgarage. Und das in zunehmendem Maße mehr schlecht als recht: Regnet's oben, tropft's unten rein. Zum anderen eignet sich die Fläche allenfalls bedingt als Veranstaltungsort. Zu viele Absätze und Treppen durchziehen den leicht abschüssigen Platz.

Zunächst geht es also darum, die Tiefgaragendecke wieder abzudichten und anschließend mit einer Dämmschicht zu versehen. Alsdann steht in einem weiteren Schritt die eigentliche Platzgestaltung an. Den Abschluss bildet die Sanierung des Garageninneren samt der technischen Installationen. Für die beiden erstgenannten Posten ist mit Mitteln aus dem Landessanierungsprogramm zu rechnen. Allerdings nur bis zum 31. Dezember 2014. Dann nämlich endet die Laufzeit des Sanierungsgebiets Lange Straße, und einer Verlängerung wurde dem Beigeordneten Thomas Diem zufolge nicht stattgegeben.

Der von der Stadtverwaltung vorgesehene und vom Gemeinderat bei Gegenstimmen von Thomas Beißwenger und Andreas Hof (beide Freie Wähler) abgesegnete Fahrplan sieht eine Mehrfachbeauftragung von voraussichtlich vier Städtebau- bzw. Freianlagenplanern und Landschaftsarchitekten vor.

Sie sollen auf Grundlage durch die Stadt formulierter Vorgaben gestalterische Vorschläge aus städteplanerischer Sicht machen. Also beispielsweise: Was soll mit dem Brunnen geschehen? Wie lassen sich unterschiedliche Nutzungen vereinbaren? Sind Grünflächen sinnvoll? Ein weiterer wichtiger Punkt sind Fragen technischer Art: Soll der Platz künftig befahrbar sein? Welche Belastung haben verschiedene Bereiche auszuhalten?

Die Mehrfachbeauftragung zeichnet sich als Wettbewerbsform dadurch aus, dass sie mit wenigen Formalitäten auskommt. Alle Planer erhalten das gleiche Honorar, vorgesehen sind jeweils 3000 bis 5000 Euro. Außerdem entscheidet der Auftraggeber, ob anschließend eines der Büros damit beauftragt wird, die tatsächliche Ausführung der Arbeiten zu planen. Die Entwürfe der Büros gehen ins Eigentum der Stadt Heidenheim über.

In die Ideenfindung soll auch die Bevölkerung eingebunden werden. Stadtrat Martin Müller (Freie Wähler) mahnte an, „den Menschen aber deutlich zu sagen, dass sie nicht konkret mitplanen, sondern nur Vorschläge einbringen können“.

Die als Sanierungsträger fungierende Wüstenrot Haus- und Städtebau GmbH wird nun die Auslobungsbroschüre für den Wettbewerb erstellen. Im Sommer schließen sich die Bürgerbeteiligung und die Erarbeitung der Entwürfe durch die beauftragten Büros an. Nach der für Oktober vorgesehenen Abgabe der Wettbewerbsarbeiten tritt ein Preisgericht zusammen, dem Vertreter der Verwaltung, des Gemeinderats sowie externe Stadtplaner angehören sollen.

Die Stadträte bekommen die Ergebnisse vermutlich in ihrer Novembersitzung präsentiert, und geht alles wie vorgesehen vonstatten, könnte der Baubeginn im zweiten Halbjahr 2014 erfolgen. Als Erstes muss dann auf einer Fläche von rund 3000 Quadratmetern der Platz von allen Aufbauten befreit werden, um die Tiefgaragendecke abdichten zu können. Hierfür sind 600 000 Euro veranschlagt.

Anschließend ist die Neugestaltung des Rathausplatzes an der Reihe. Inklusive Beleuchtung erwartet die Verwaltung Kosten in Höhe von 540 000 Euro, hofft jedoch auf einen halb so hohen Zuschuss. Den Abschluss bildet die Innensanierung der Tiefgarage für 500 000 Euro. Investiert werden muss dort in den Brandschutz ebenso wie in die Verkabelung und die Sanierung des Bodens, da das regelmäßig winters mit den Fahrzeugen ins Gebäude beförderte Streusalz eine neue Beschichtung für den Boden erforderlich macht. Unterm Strich müssen also wohl rund 1,4 Millionen Euro aufgewendet werden.

Wie sehr das Thema den meisten Stadträten auf den Nägeln brennt, zeigte sich an der bereits bis ins Detail reichenden Diskussion über das Vorhaben. Stadtbaumeister Dieter Frank war sich mit Martin Müller einig, dass aus gestalterischen wie auch funktionalen Überlegungen heraus eine möglichst große begehbare Fläche ohne Treppenabsätze anzustreben sei.

Albert Tschente (CDU) bezeichnete es als unabdingbar, dass der Platz von Feuerwehrfahrzeugen und Kehrmaschinen befahren werden kann. Entgegen der bisherigen Praxis sagte Frank für künftige Veranstaltungen eine strikte Kontrolle der jeweiligen Achslast zu, um beim Einsatz von Fahrzeugen die Abdichtung der Tiefgarage vor Beschädigungen zu schützen.

Unter Kostengesichtspunkten plädierte Robert Smejkal (CDU) für eine Überprüfung, ob die vorhandene Dämmschicht aus einem zu 60 Prozent aus Altglas bestehenden Material weiterhin verwendet werden kann. Die Überlegung, Tageslicht in die Tiefgarage zu leiten, brachte Peter Aufleger (Sonstige) ins Spiel.

Während Smejkal einen Planungswettbewerb grundsätzlich gut hieß, da dieser aufgrund des eingebundenen Sachverstands gute Ideen verspreche, hält Thomas Beißwenger nichts von einem solchen Vorgehen: „Befriedigende Ergebnisse sind da noch nie rausgekommen. Besser wäre es, enge Vorgaben zu machen und die Sache dann einem guten Architekten zu übergeben.“

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel