Herbrechtinger Musikschule bleibt eigenständig

Gleicher Ort, gleiche Öffnungszeiten: Die Herbrechtinger Musikschule bleibt als eigenständige Einrichtung auf dem Klosterareal erhalten.
Gleicher Ort, gleiche Öffnungszeiten: Die Herbrechtinger Musikschule bleibt als eigenständige Einrichtung auf dem Klosterareal erhalten. © Foto: Foto: bren
MICHAEL BRENDEL 30.04.2012
Die Herbrechtinger Musikschule bleibt eigenständig, erhält aber eine neue Organisationsform: Der Gemeinderat hat sich in seiner jüngsten Sitzung dafür ausgesprochen, eine gleichberechtigte Doppelspitze für den administrativen und für den pädagogischen Bereich einzusetzen.

Misstöne hatten zuletzt mitgeklungen, wenn die Sprache auf die Musikschule kam, jetzt scheint die Hoffnung gerechtfertigt, dass die Diskussionen künftig von Harmonie geprägt sein werden. Optimistisch stimmt jedenfalls die Tatsache, dass der Gemeinderat in der vergangenen Woche in nicht-öffentlicher Sitzung über sämtliche Fraktionsgrenzen hinweg für eine Organisationsstruktur gestimmt hat, die die Probleme der jüngeren Vergangenheit vergessen machen soll.

Drei Varianten standen zur Wahl. Schnell vom Tisch war der Vorschlag, das „Modell Lübke“ wieder aufleben zu lassen. Zur Erinnerung: Bis zu ihrem Ruhestand hatte Edelgard Lübke als Musikschulleiterin zu 70 Prozent Verwaltungs- und zu 30 Prozent pädagogische Aufgaben zu erledigen gehabt.

Nach ihrem Ausscheiden sollte vom 15. September 2010 an eine von den Rathauschefs so bezeichnete „Kooperation der Vernunft“ der Musikschulen in Giengen und Herbrechtingen eine zeitgemäße Lösung darstellen. Die zunächst auf ein Jahr befristete Vereinbarung wurde trotz gewisser Anlaufschwierigkeiten bis März 2012 verlängert, allerdings erwiesen sich manche Probleme als unüberwindlich.

Deshalb beendeten die beiden Städte die Zusammenarbeit zum 1. April dieses Jahres, weil sich in der Praxis gezeigt hatte, dass sich eine so große Musikschule wie diejenige in Herbrechtingen mit aktuell 500 Schülern und 16 Lehrkräften ohne permanente Anwesenheit der Leitung vor Ort kaum führen lässt. Folglich wurde der Versuch, der Giengener Musikschulleiterin Marion Zenker diese Funktion auch für Herbrechtingen zu übertragen, wieder zu den Akten gelegt.

Aktuell blieb gleichwohl die Suche nach einem anderen Kooperationspartner, der sich Bürgermeister Dr. Bernd Sipple zufolge in Gestalt der Heidenheimer Musikschule anbot. „Hervorragend ausgearbeitet, bestechend in Bezug auf die Qualität und die finanzielle Seite“, urteilt Sipple über das Modell, das eine 50-prozentige Leitungsstelle als ausreichend erachtete.

Doch dann kam der Zufall in Person von Beate Heydel-Steiner ins Spiel. Die frühere Kämmerei-Mitarbeiterin kehrt nämlich in Kürze aus dem Mutterschutz auf eine 50-Prozent-Stelle zurück und erklärte sich nach Absprache mit der Rathausspitze bereit, künftig für die Belange der Musikschule zuständig zu sein. Konkret heißt das: 25 Prozent für die administrative Leitung und weitere 25 Prozent für Sekretariatsaufgaben. Letztere laufen voraussichtlich zwei Jahre lang parallel zur Tätigkeit von Musikschulsekretärin Margarete Priebe, die dann in den Ruhestand treten wird. „Um die Unruhen während der Übergangszeit aufzuarbeiten, ist diese Lösung sicherlich sehr sinnvoll“, sagt Sipple.

Bleibt noch die pädagogische Leitung, für die ebenfalls eine mit 25 Prozent dotierte Festanstellung vorgesehen ist. Die Ausschreibung beginnt dieser Tage, und gesucht ist eine diplomierte Musikschullehrkraft, „um weiterhin staatliche Zuschüsse erhalten zu können“, wie Sipple erläutert. Heydel-Steiner soll ihre Stelle offiziell Mitte August antreten, wird allerdings zuvor schon zeitweise vor Ort sein.

Unberührt von sämtlichen Neuerungen bleiben die Öffnungszeiten der Herbrechtinger Musikschule und das jährlich bei 110 000 Euro gedeckelte Budget für die Einrichtung. Der vor allem von Elternseite geäußerten Unzufriedenheit zum Trotz hat die Verwaltung keine Abmeldungen in nennenswertem Umfang hinnehmen müssen. „Das ist uns zum Glück erspart geblieben“, so Sipple, „es hätte aber auch anders kommen können, und deshalb bin ich sehr froh, dass uns jetzt eine länger andauernde Vakanz erspart bleibt.“

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